Trotz Turbulenzen im Tourismussektor verzeichnet Europa seit Jahresbeginn fünf Prozent mehr internationale Gäste. Am stärksten wachsen Griechenland, Italien und Malta.
Europa verzeichnet im bisherigen Jahr 2026 fünf Prozent mehr internationale Gäste als im Vorjahreszeitraum. Das Wachstum setzt sich fort, obwohl der Tourismussektor unter zunehmenden geopolitischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten leidet.
Nach dem jüngsten Quartals-Bericht (Quelle auf Englisch) der European Travel Commission (ETC) zeigt der europäische Tourismus auch im zweiten Quartal eine robuste Entwicklung. Die Zahl der Übernachtungen stieg um 4,8 Prozent.
Die stabile Lage überrascht, denn laut ETC belasten eine schwächere Verbraucherstimmung, steigender Druck auf die Bezahlbarkeit und Störungen durch den Konflikt im Nahen Osten den Markt. Vor allem Flugverbindungen zwischen Europa und bestimmten Mittel- und Langstreckenzielen sind betroffen.
Viele Menschen planen weiterhin Reisen. Der Bericht zeigt aber, dass sie ihre Ziele zunehmend selektiv wählen. Reisende suchen verstärkt nach sicheren, gut erreichbaren Destinationen mit attraktivem Preis-Leistungs-Verhältnis. Zudem verteilen sich die Reisen gleichmäßiger über das Jahr.
„Der europäische Tourismus hat im zweiten Quartal 2026 trotz eines unsichereren globalen Umfelds seine Widerstandskraft bewiesen“, sagte Miguel Sanz, Präsident der ETC. „Reisen bleibt für Verbraucher eine Priorität, doch die Art und Weise, wie die Menschen reisen, verändert sich.
Bezahlbarkeit, Sicherheit, Nähe und gutes Preis-Leistungs-Verhältnis gewinnen bei der Wahl des Reiseziels an Gewicht. Für europäische Destinationen wird es entscheidend sein, wettbewerbsfähig zu bleiben und die Besucherströme über Regionen und Jahreszeiten hinweg gleichmäßiger zu verteilen.“
Griechenland, Italien und Malta legen am stärksten zu
Den Daten der ETC zufolge verzeichneten fast 80 Prozent der Reiseziele Wachstum. Rund jedes fünfte Ziel erzielte zweistellige Zuwächse bei den Ankünften.
Getragen von guter Anbindung und gezielten Bemühungen, die Nachfrage über die Hauptsaison und klassische Hotspots hinaus zu streuen, verbuchten Griechenland (+38,3 Prozent), Italien (+21,1 Prozent) und Malta (+16 Prozent) in den ersten Monaten 2026 die stärksten Zuwächse bei den Besucherankünften.
Nordeuropa übertraf andere europäische Teilregionen. Die Ankünfte stiegen dort um 10 Prozent, die Übernachtungen um 8,4 Prozent. Auch Mittel- und Osteuropa legten zu: Die Ankünfte nahmen um 5,2 Prozent zu, die Nächte um 6,9 Prozent. Das zeigt das anhaltende Interesse an Zielen, die neue Erlebnisse und ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis bieten.
Süd- und Mittelmeereuropa blieb insgesamt solide und erzielte in absoluten Zahlen das größte Wachstum. Besonders stark legten Malta, Griechenland, Italien, Portugal und Spanien zu.
Jahresauftakt verläuft schwierig
Die Gesamtaussichten bleiben laut ETC positiv. Einige Destinationen hatten jedoch einen deutlich herausfordernden Start ins Jahr.
Auf Zypern gingen die Ankünfte um 17,9 Prozent zurück. Gründe sind unter anderem der diesjährige Ostertermin und eine eingetrübte Reiselust wegen der wahrgenommenen Nähe zum Konflikt im Nahen Osten.
Auch in Türkiye sanken die Ankünfte, und zwar um 2,1 Prozent. Dahinter steht eine schwächere Nachfrage von europäischen Gästen und Fernreisenden im Umfeld des regionalen Konflikts.
Griechenland sticht bei Reiseausgaben hervor
In den meisten Destinationen stiegen die Reiseausgaben stärker als die Besucherzahlen. Die ETC-Daten deuten darauf hin, dass Reisende pro Kopf deutlich mehr ausgeben als vor einem Jahr. Griechenland gehört zu den stärksten Performern Europas: Die Ausgaben kletterten um 64,3 Prozent, die Ankünfte um 38,3 Prozent. Das weist auf deutlich höhere Ausgaben pro Reise hin.
Die Entwicklung unterscheidet sich je nach Ziel. In Italien nahmen die Ankünfte um 21,1 Prozent zu, die Reiseausgaben jedoch nur um 4,3 Prozent. Die Gästezahlen steigen, doch die durchschnittlichen Ausgaben pro Besuch wachsen deutlich langsamer.
Türkiye und Zypern zählen zu den wenigen Destinationen, in denen sowohl Ankünfte als auch Reiseausgaben zurückgingen. Das spiegele wahrscheinlich eine schwächere Reiselust im Zusammenhang mit dem Konflikt im Nahen Osten wider, erklärte die ETC.
Zentrale Trends: Preis, Nähe und Reisen in der Nebensaison
Trotz anhaltender wirtschaftlicher Unsicherheit bleibt Urlaubsreisen im Sommer und darüber hinaus eine hohe Priorität.
In wichtigen europäischen Herkunftsmärkten dürfte der Anteil der Ausgaben für Urlaubsreisen 2026 stabil bei 13 Prozent des gesamten Konsums liegen, deutlich über dem globalen Durchschnitt von 8,5 Prozent. In zentralen außereuropäischen Märkten soll der Anteil leicht von 7,5 Prozent im Jahr 2025 auf 7,7 Prozent steigen.
Reisende reagieren zunehmend empfindlich auf Preise, so die ETC. In der jüngsten Branchenumfrage identifizierten 48 Prozent der europäischen Befragten „Bezahlbarkeit und Preis-Leistungs-Verhältnis“ als zentrale Chance für Europa im zweiten Quartal. Im ersten Quartal lag der Wert noch bei 32 Prozent.
Das deutet auf eine besonders hart umkämpfte Sommersaison hin, erklärte die ETC. Reiseziele, die eng an den Budgets und Vorlieben der Gäste ausgerichtet sind, haben demnach die besten Chancen, Nachfrage anzuziehen.
Europäische Reisende bevorzugen zunehmend nahegelegene Ziele. Sie sind leichter zu erreichen, vertrauter und bieten mehr Flexibilität. Süd- und Mittelmeereuropa ist gut positioniert, um diese Nachfrage aufzufangen. Das Interesse an der Region zwischen Juni und November steigt auf 61 Prozent.
Auch die Randmonate der Saison gewinnen an Bedeutung. Viele Reisende reagieren auf Sorgen über Extremwetter und Überfüllung, die Septemberbuchungen ziehen europaweit deutlich an.