Japans Suche nach einer möglichen Zweit-Hauptstadt lenkt den Blick auf Städte jenseits von Tokio – und macht Lust, sie auf die Reiseliste zu setzen.
In Japan läuft derzeit ein erbittertes Rennen. Der Preis: die Ehre, zur zweiten Hauptstadt des Landes gekürt zu werden.
Das Parlament in Tokio hat ein Gesetz gebilligt, das mindestens einen weiteren Ort als Ausweichhauptstadt vorsieht. Schon bald könnte die Metropole einen zweiten politischen und wirtschaftlichen Mittelpunkt an ihrer Seite haben.
Warum dieser Schritt?
Hintergrund ist der Katastrophenschutz. Allein im Jahr 2026 wurde Japan von starken Erdbeben, heftigen Tropenstürmen und Rekordschneefällen getroffen.
Japan verfügt zwar über eine der am besten erprobten Infrastrukturen der Welt. Trotzdem soll der neue Standort sicherstellen, dass die Regierung handlungsfähig bleibt, selbst wenn Tokio von einer Naturkatastrophe oder einem anderen Notfall getroffen wird.
Zuvor hatte die Regierung berechnet, dass die Wahrscheinlichkeit eines Erdbebens der Stärke sieben im Großraum Tokio in den kommenden 30 Jahren bei rund 70 Prozent liegt, berichtete Bloomberg (Quelle auf Englisch).
Ein weiteres Ziel ist es, die im Gesetz so bezeichnete „Überkonzentration“ in Tokio zu verringern. In den künftigen Zweithauptstädten sind Investitionen in Regierungsgebäude, Verkehrsanbindungen und steuerliche Vergünstigungen geplant.
Für Reisende ist diese Entwicklung eine Einladung, den Blick über Tokio hinaus zu richten und einige der spannendsten Städte Japans neu zu entdecken.
Von Osakas berühmter Foodszene bis zur Küstenlandschaft rund um Fukuoka: Diese Favoriten sollten auf keiner Japan-Reiseroute fehlen.
Osaka
Nur eine kurze Fahrt mit dem Shinkansen von Tokio entfernt, lockt die große Hafenstadt mit lebendigem Nachtleben, aufgeschlossenen Einheimischen und einem kulinarischen Angebot, das Foodies nicht verpassen sollten.
Zu den lokalen Spezialitäten gehört Iwa Okoshi, ein süßer Puffreis-Snack aus Hirse, der bis ins Jahr 1185 zurückgeht. Weitere Osaka-Klassiker sind die herzhaften Okonomiyaki-Pfannkuchen und, für Mutige, Takoyaki – Teigbällchen mit Oktopus.
Nach Angaben von Dragonpass (Quelle auf Englisch), einer globalen Plattform für Reise- und Lifestyle-Vorteile, hat sich die Stadt mit ihrem Streetfood den Spitznamen „Japans Küche“ verdient.
Abseits der Restaurants bietet der leuchtende Tsutenkaku-Turm von seiner Aussichtsplattform einen weiten Blick über die Stadt.
Fukuoka
Die Hafenstadt liegt an der Nordküste der Insel Kyushu – mit Sandstränden, Wanderwegen im Gebirge und viel Grün direkt vor der Tür.
Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten gehören die 6000 Pflaumenbäume des Schreins Dazaifu Tenmangu, die im Frühjahr in Blüte stehen. Danach folgen meist auch die Kirschblüten und Tulpen der Stadt.
Durch die Kanäle von Yanagawa, der historischen Wasserstadt Fukuokas, staken Bootsführer in langen, schmalen Kähnen und tragen dabei Gedichte des Dichters Hakushu Kitahara aus der Meiji-Zeit (1868–1912) vor. Die gemütliche Fahrt dauert gut eine Stunde und eröffnet einen besonderen Blick auf den Ort.
Nagoya
Eingebettet zwischen Tokio und Osaka liegt die Burgstadt Nagoya mit einem der größten Burgtürme Japans.
Der Bau der Burg Nagoya wurde 1612 abgeschlossen, im Krieg jedoch 1959 zerstört. Seither wurde die Anlage schrittweise wiederaufgebaut, darunter auch der im Burgareal gelegene Hommaru-Palast, dessen Rekonstruktion zehn Jahre dauerte.
Im Burgturm befindet sich heute ein Museum, das die Geschichte des Ortes erläutert. Im Frühling blühen rundherum die Kirschbäume. Der Eintritt kostet für Erwachsene 500 Yen (2,75 Euro) und ist für Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe sowie jüngere Besucher kostenlos.
Sapporo
Die größte Stadt der Insel Hokkaido ist zugleich eine der jüngsten Metropolen Japans: Noch 1857 lebten hier nur sieben Menschen.
Heute steht Sapporo für viel Grün im Sommer, verlässlichen Schnee im Winter und würzige Ramen-Nudeln, die das ganze Jahr über schmecken.
Der Winter in Sapporo fällt meist lang aus, die jährliche Schneedecke übersteigt oft fünf Meter.
Jedes Jahr im Februar verwandelt das seit 1950 bestehende Schneefestival die Stadt an drei Standorten in eine Winterbühne: am Odori-Park, in Susukino und auf dem Tsu Dome-Gelände.
Im Mittelpunkt stehen riesige Schneeskulpturen. Beim Internationalen Schneeskulpturen-Wettbewerb treten Teams aus aller Welt gegeneinander an.