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Internes EU-Dokument zeigt Pläne zur Lockerung von Methan-Strafen

Eine Fackel zur Verbrennung von Methan aus der Ölförderung ist auf einer Bohrinsel in der Nähe von Watford City, North Dakota, am 26. August 2021 zu sehen.
Eine Fackel zur Verbrennung von Methan aus der Ölförderung ist auf einer Bohrinsel in der Nähe von Watford City, North Dakota, am 26. August 2021 zu sehen. Copyright  AP Photo / Matthew Brown
Copyright AP Photo / Matthew Brown
Von Marta Pacheco
Zuerst veröffentlicht am
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Ein Euronews vorliegender Entwurf zeigt: Die EU-Kommission erwägt, Methan-Strafen für Öl- und Gaskonzerne in Krisenzeiten auszusetzen. Hintergrund sind Sorgen um die Energieversorgung und wachsender Druck aus den USA sowie der Industrie.

Laut einem Euronews vorliegenden Dokument erwägt die Europäische Kommission, Methan-Strafmaßnahmen für Öl- und Gasproduzenten in bestimmten Krisensituationen auszusetzen - etwa bei Gasknappheit, Notfällen bei der Speicherung oder größeren Störungen der Ölversorgung.

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Der Entwurf, der an die EU-Mitgliedstaaten verteilt wurde, sieht vor, dass Sanktionen die Versorgung mit Gas oder Öl in Zeiten von Marktstress oder Krisen nicht gefährden sollen. Der Schritt dürfte als Reaktion auf den zunehmenden Druck aus der Industrie und von internationalen Partnern gewertet werden.

Öl- und Gasunternehmen sowie der US-Energieminister Chris Wright hatten Brüssel bereits aufgefordert, die Methanregeln abzuschwächen oder ganz aufzuheben. Sie warnen davor, dass die Vorgaben Handels- und Investitionsströme beeinträchtigen könnten - insbesondere während der anhaltenden Energiekrise.

Da Europa zunehmend auf importiertes Flüssigerdgas (LNG) angewiesen ist, das größtenteils aus den USA stammt, wächst in Brüssel die Sorge, eine strikte Umsetzung der Regeln könnte die Beziehungen zu Lieferländern belasten, Investitionen abschrecken oder Lieferungen auf profitablere asiatische Märkte umlenken.

Ein Sprecher der Europäischen Kommission hatte bereits erklärt, die EU-Behörde arbeite an Leitlinien, um eine "einheitliche und koordinierte Umsetzung" der Sanktionen im Rahmen der Methanverordnung sicherzustellen, ohne dabei die Versorgungssicherheit zu gefährden.

Zusätzlichen Druck erzeugte eine Studie von Industrieverbänden und der Beratungsfirma Wood Mackenzie aus dem März. Demnach könnten die Methanvorschriften ab 2027 dazu führen, dass 43 Prozent der EU-Gasimporte und 87 Prozent der Ölimporte nicht mehr den Anforderungen entsprechen.

Kritiker dürften der EU jedoch vorwerfen, eine Konfrontation mit großen Energieexporteuren und Konzernen vermeiden zu wollen, indem sie erhebliche Spielräume bei der Durchsetzung der Regeln schafft. Dadurch könnte die Glaubwürdigkeit der Gesetzgebung selbst infrage gestellt werden.

Die EU-Mitgliedstaaten hatten die Methanregeln im Mai 2025 verabschiedet. Damit wurde erstmals ein verbindlicher Rahmen zur Messung, Meldung und Überprüfung von Methanemissionen im Energiesektor geschaffen - als Teil der europäischen Klimaschutzstrategie gegen eines der stärksten Treibhausgase.

Methan entsteht unter anderem bei der Förderung fossiler Brennstoffe sowie in der Viehzucht. Über einen Zeitraum von 20 Jahren hat das Gas ein mehr als 80-mal höheres Erderwärmungspotenzial als Kohlendioxid. Nach Angaben der Internationale Energieagentur ist Methan für rund 30 Prozent des globalen Temperaturanstiegs seit der industriellen Revolution verantwortlich.

Verwässerung der Methanregeln

Als Reaktion auf den wachsenden Druck der Industrie hatte die Kommission bereits Teile der Verordnung von 2025 auf 2027 verschoben. Kritiker sagen, der jüngste Vorschlag gehe sogar noch weiter und schwäche die finanziellen Anreize, die die Einhaltung der Vorschriften und eine solide Überwachung gewährleisten sollen.

In dem Entwurf der Kommission für die nationalen Behörden werden die Regulierungsstellen aufgefordert, vor der Verhängung von Bußgeldern eine Reihe von Faktoren zu berücksichtigen - darunter die Verfügbarkeit von LNG sowie bestehende Speicherverpflichtungen. Zugleich wird betont, dass finanzielle Sanktionen weder die Versorgungssicherheit gefährden noch Gaskrisen verschärfen oder die Erfüllung der Speicherziele beeinträchtigen dürfen.

Sollte die Maßnahme bestätigt werden, könnten sich die großen Energieversorger darauf berufen, dass eine zu harte Bestrafung den europäischen Energiemarkt stören könnte - auch wenn der Kommissionsvorschlag zur Abschaffung der Sanktionen nur vorübergehend sein soll.

Die Methanvorschriften der EU im Detail

Die Methanvorschriften der EU verpflichten die Energieversorgungsunternehmen, Methanlecks aufzuspüren und zu reparieren, die Emissionen an der Quelle zu messen und in ihrer gesamten Infrastruktur Maßnahmen zur Emissionsminderung zu ergreifen.

Die Vorschriften gelten auch für EU-Energieimporte, da die Methanvorschriften der EU globale Überwachungsinstrumente eingeführt haben, um die Transparenz bei der Einfuhr von Öl, Gas und Kohle in die EU zu erhöhen.

Die Energieversorger sind außerdem verpflichtet, Überwachungsberichte zu erstellen, die von unabhängigen akkreditierten Prüfern kontrolliert werden, und Erhebungen über Methanlecks in verschiedenen Infrastrukturen durchzuführen.

In Fällen, in denen die Methanleckagen einen bestimmten Schwellenwert überschreiten - aufgrund von alternder Infrastruktur, schlechter Wartung oder Unfallschäden - müssen die Betreiber die Leckagen innerhalb bestimmter Fristen reparieren oder ersetzen.

Öl-, Gas- und Kohleunternehmen müssen außerdem Verzeichnisse von inaktiven und stillgelegten Anlagen, einschließlich Bohrlöchern und Minen, erstellen, um die Restmethanemissionen zu überwachen.

US-Energieminister Wright erklärte im Februar vor einem IEA-Publikum, dass die Methanwerte in den USA "hervorragend" seien, und wies darauf hin, dass dies auf gesellschaftliche Kräfte und nicht auf Vorschriften zurückzuführen sei.

"Die Methanemissionen sind in den letzten Jahren in den USA zurückgegangen, und zwar nicht wegen der Regulierungsbehörden, sondern aus Investitionsgründen. Uns geht es um Innovation, nicht um Regulierung, und wir werden die Methanintensität mit einer besseren Methodik weiter senken", so Wright.

Im selben Monat forderten mehrere demokratische US-Abgeordnete die EU auf, an ihren Methanvorschriften festzuhalten und US-Energieunternehmen nicht auszunehmen, sofern nationale Standards nicht ausreichend streng seien oder nicht konsequent umgesetzt würden.

Die Politiker argumentierten, einheitliche und klare Regeln für alle Anbieter seien notwendig, um Handelsbarrieren zwischen Ländern mit höheren Umweltstandards im Öl- und Gassektor abzubauen. Zudem könnten dadurch Unternehmen belohnt werden, die bereits verfügbare Technologien zur Reduzierung von Methanemissionen einsetzen.

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