Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

"America First" statt Europa: USA fahren Militärengagement zurück

Oberst Martin L. O'Donnell, NATO-Hauptquartier Supreme Headquarters Allied Powers Europe, und Shona Murray, Euronews
Oberst Martin L. O'Donnell, NATO-Hauptquartier Supreme Headquarters Allied Powers Europe, und Shona Murray, Euronews Copyright  Euronews
Copyright Euronews
Von Shona Murray
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Die USA wollen die militärischen Fähigkeiten reduzieren, die sie der NATO zur Verfügung stellen – ein weiterer Schritt der Regierung von US-Präsident Donald Trump hin zu neuen strategischen Prioritäten. Die Zahl der in NATO-Staaten stationierten US-Soldaten soll zunächst unverändert bleiben.

Die USA wollen in Kürze deutlich reduzieren, wie viele Soldaten sie Europa im Falle eines Angriffs oder Krieges zur Verfügung stellen würden. Die Entscheidung ist Teil einer länger geplanten Anpassung der US-Truppenpräsenz in Europa. Washington hatte entsprechende Schritte bereits zu Beginn der Amtszeit von US-Präsident Donald Trump im Rahmen der "America First"-Doktrin angekündigt.

WERBUNG
WERBUNG

Derzeit sind rund 76.000 US-Soldaten im NATO-Gebiet stationiert – so viele wie seit dem Kalten Krieg nicht mehr. Der massive Ausbau der Präsenz erfolgte als Reaktion auf den russischen Großangriff auf die Ukraine im Februar 2022. Die für Freitag erwartete Ankündigung betrifft vor allem militärische Fähigkeiten der US-Streitkräfte, auf die NATO-Partner im Ernstfall zurückgreifen könnten.

Die Zahl der dauerhaft in Europa stationierten Soldaten soll zunächst unverändert bleiben. Langfristig könnte sich das jedoch ändern. In der Euronews-Sendung Europe Today bestätigte der ranghohe NATO-Militärberater Martin O’Donnell die Pläne. Er betonte, dass sie Teil eines laufenden Abstimmungsprozesses zwischen den US-Streitkräften und den NATO-Militärplanern seien.

O'Donnell erklärte, die USA würden sich vor allem dort etwas zurückziehen, wo europäische Staaten ihre militärischen Fähigkeiten und Verteidigungsausgaben bereits deutlich erhöht hätten. "Über diese Anpassungen sprechen wir mit der NATO seit vielen Monaten", sagte O’Donnell. "Niemand sollte davon überrascht sein. Im Mittelpunkt stehen Bereiche, in denen wir die Europäer als sehr fähig ansehen, zusätzliche Verantwortung zu übernehmen."

USA fahren Engagement in Europa zurück

Die bevorstehende Ankündigung reduziert zwar nicht unmittelbar die Zahl der derzeit auf NATO-Gebiet stationierten US-Soldaten. Eine NATO-Militärquelle bestätigte Euronews jedoch, dass die USA im Krisen- oder Kriegsfall künftig weniger militärische Ressourcen für Europa bereitstellen wollen.

Auch Pentagon-Sprecher Sean Parnell erklärte am Dienstag, die USA würden im Rahmen eines "umfassenden, mehrstufigen Prozesses" die Zahl der Kräfte überprüfen und anpassen, die der NATO zur Verfügung stehen. Ziel sei eine Neuausrichtung der amerikanischen Präsenz in Europa. Die Entwicklung folgt nur wenige Wochen nach der kurzfristigen Absage der Verlegung einer rund 4.000 Soldaten starken Einheit des 2nd Armored Brigade Combat Team der US-Armee nach Polen.

Die Entscheidung geht auf eine frühere Ankündigung von US-Präsident Donald Trump zurück, 5.000 Soldaten aus Europa abzuziehen. Vorausgegangen war ein öffentlicher Streit mit Bundeskanzler Friedrich Merz. Trump hatte sich über Aussagen von Merz empört. Der Kanzler hatte erklärt, Unterhändler des Weißen Hauses würden vom Regime in Teheran "gedemütigt" und der von den USA und Israel geführte Krieg gegen den Iran sei schlecht durchdacht.

Die NATO-Partner bereiten sich bereits seit Längerem auf Veränderungen der amerikanischen Militärpräsenz in Europa vor. Washington hat deutlich gemacht, dass es seinen strategischen Fokus künftig stärker auf andere Regionen – insbesondere die westliche Hemisphäre – verlagern will.

Trotz der jüngsten Kürzungen und der laufenden Debatte über weitere Reduzierungen betonte Martin O'Donnell, die USA stünden weiterhin fest zur NATO und verfügten nach wie vor über eine starke militärische Präsenz in Europa. "Man darf die enorme Stärke nicht unterschätzen – Zehntausende Soldaten des Heeres, dazu Luftwaffe, Marine und Spezialkräfte, einschließlich jener Einheiten, die derzeit an Trojan Footprint teilnehmen, der größten Spezialkräfteübung der NATO", sagte O’Donnell.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

NATO tappt noch immer im Dunkeln über US-Pläne zum Abzug von 5.000 Soldaten aus Deutschland

NATO-Kreise: Trumps Abzug von US-Truppen aus Deutschland folgt keiner Strategie

Nach Pentagon-Mail: Kann ein Land jemals aus der NATO ausgeschlossen werden?