Feliks' Leidensweg macht deutlich, wie verbreitet der lukrative illegale Handel mit Tieren ist – und wie entschlossen Tierschutzorganisationen dagegen ankämpfen.
Die Reise des Kaiseradlers Feliks liest sich wie ein Hollywood-Drehbuch – mit Entführern, Schmugglern und heimlichen Grenzübertritten.
Der junge Östliche Kaiseradler aus Serbien begann im August mit seinen ersten Flügen und brach später zu seinem ersten Zug in Richtung Naher Osten auf. Doch Wilderer fingen ihn ein und verkauften ihn illegal. Erst eine waghalsige grenzüberschreitende Aktion brachte ihn zurück.
In der vergangenen Woche kehrte Feliks wohlbehalten in seine Heimat zurück. Doch sein Martyrium zeigt, wie verbreitet der gewinnorientierte illegale Handel mit Wildtieren ist – und wie unbeirrt Tierschützer dagegen ankämpfen.
"Es wird von Jahr zu Jahr, von Saison zu Saison, von Tag zu Tag schlimmer", sagte Michel Sawan, Leiter der Libanesischen Vereinigung für Zugvögel, der bei der Rettung von Feliks eine Schlüsselrolle spielte.
"Wir können es kaum glauben (...) die Mission ist tatsächlich gelungen."
Gefangen in Syrien
Der Östliche Kaiseradler ist ein imposanter Greifvogel mit einer Flügelspannweite von bis zu zwei Metern. In Serbien war die streng geschützte Art im Jahr 2017 auf ein einziges Brutpaar geschrumpft. Dank der Arbeit des Vereins zum Schutz und zur Erforschung der Vögel Serbiens (BPSSS) hat sich der Bestand inzwischen wieder erholt.
Feliks gehört zum wertvollen Nachwuchs dieser neuen Adlergeneration. Bevor er im vergangenen August aufbrach, erhielt er einen Ring und einen "kleinen Rucksack" mit Sender, erzählt Uroš Stojiljković vom BPSSS.
"Alles schien normal", berichtet Stojiljković. "Wir hätten nie gedacht, dass all das passieren würde."
Zunächst kreiste Feliks noch in der Nähe seines Nests. Dann flog er nach Südosten über Nordmazedonien, Griechenland und die Türkei. Ende Oktober brach sein Sendersignal über Syrien ab.
"Wir haben gehofft, dass es nur ein Problem mit dem Sender oder Ähnlichem ist", sagt Stojiljković.
Wochen vergingen, bis eine Nachricht von Sawan kam: Feliks war zum Verkauf angeboten worden. Wilderer hatten ihn gefangen. Für Zugvögel legen sie Wasserstellen in der Wüste an, schießen auf die Tiere, fangen sie mit Netzen oder jagen ihnen sogar mit Motorrädern nach.
"Als Feliks zunächst gefangen wurde, tauchte er in zahlreichen WhatsApp-Gruppen auf, in denen illegal gefangene Wildvögel aus Syrien verkauft werden", berichtet Sawan. "Ich habe sofort angefangen, Leute in Syrien anzurufen, die ich kenne, und so konnten wir Feliks aufspüren."
Geld an Schmuggler zu zahlen, kam für ihn nicht infrage. Aufgeben wollte Sawan aber ebenso wenig.
Von Schmugglern und einem serbischen Armeeflugzeug
Feliks wurde zunächst an einen Käufer im Libanon verkauft und später wieder nach Syrien zurückverkauft. Erst über ein Netzwerk von Bekannten gelang es Sawan, den Adler zurückzubekommen. Kämpfe in der Region und schlechtes Wetter erschwerten anschließend den Grenzübertritt in den Libanon, erzählt er.
Schließlich trug eine Gruppe von Flüchtlingen Feliks in einem Kartoffelsack über den Fluss Nahr al-Kabir an der Nordgrenze zwischen Syrien und dem Libanon.
"Es war verrückt", sagt Sawan.
Nun war Feliks zwar in Sawans Vogelstation in Beirut in Sicherheit. Doch er musste noch nach Hause. Seit Beginn des Iran-Kriegs im Februar war das fast unmöglich.
Nach drei gescheiterten Versuchen sprang schließlich die serbische Armee ein. Serbische Soldaten im UN-Friedenseinsatz im Libanon organisierten die Rettung.
Am 22. Juni landete Feliks schließlich mit einem Militärtransporter wieder in Serbien.
Feliks und andere Vögel: Gefahren auch in der Heimat
Feliks lebt nun vorübergehend in einem Zoo im Norden Serbiens. Dort muss er 21 Tage in Quarantäne bleiben. Fachleute des BPSSS kündigten an, dass der Adler vor seiner erneuten Freilassung einen neuen Sender erhält.
In den vergangenen zehn Jahren hat der BPSSS mit großem Aufwand Bäume gepflanzt und Nistplattformen in der flachen Agrarlandschaft Nordserbiens errichtet.
Im Jahr 2017 organisierten Freiwillige eine 24-Stunden-Wache für das letzte brütende Paar, um es zu schützen. Ein von der Europäischen Union unterstütztes Projekt half später, den Bestand auf inzwischen 29 Brutpaare zu erhöhen.
Doch Gefahren gibt es weiterhin viele – von versehentlichen Vergiftungen bis zu Stromleitungen, sagt Stojiljković.
"Feliks hat einen Kreis geschlossen und ist dorthin zurückgekehrt, wo er gestartet ist", sagt Stojiljković. "Hoffen wir, dass ihm hier nicht langweilig wird."