Mercedes-Benz hat im zweiten Quartal mehr verdient als erwartet, senkt wegen der schwachen Nachfrage in China aber seinen Ausblick für das Gesamtjahr. Während das Pkw-Geschäft unter Druck gerät, wachsen die Verkäufe von Elektroautos in Europa deutlich.
Die Aktie von Mercedes-Benz ist am Dienstagmorgen in Frankfurt um mehr als 5 Prozent gestiegen. Zuvor hatte der Autobauer für das zweite Quartal einen höheren Gewinn vorgelegt. Zugleich warnte das Unternehmen, dass die anhaltende Schwäche des chinesischen Marktes die weltweiten Pkw-Verkäufe im Gesamtjahr belasten werde.
Mercedes-Benz verwies dabei "insbesondere auf die negative Entwicklung des chinesischen Marktes". Die Auslieferungen von Mercedes-Benz Cars dürften 2026 nun leicht unter dem Vorjahresniveau liegen.
Nach den Definitionen im Geschäftsbericht 2025 entspräche dies einem Rückgang der jährlichen Pkw-Verkäufe zwischen 2 und 7,5 Prozent. Wegen der schwächeren Absatzerwartungen rechnet der Konzern auch beim Umsatz nur noch mit einem leichten Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Bislang war Mercedes-Benz von weitgehend stabilen Verkäufen und Erlösen ausgegangen.
Der Autobauer veröffentlichte die gesenkte Prognose am Dienstag zusammen mit den Quartalszahlen.
Im zweiten Quartal erzielte Mercedes-Benz einen bereinigten operativen Gewinn von 1,55 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anstieg um 22 Prozent gegenüber 1,27 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz sank dagegen um 3 Prozent von 33,2 auf 32,1 Milliarden Euro.
Ola Källenius, Vorstandschef der Mercedes-Benz Group AG, sagte: "Trotz des anspruchsvollen Marktumfelds sind wir im zweiten Quartal auf Kurs geblieben und haben unser Produktanlaufprogramm weiter vorangetrieben. Die Resonanz der Kundinnen und Kunden auf unsere neuen Modelle ist stark: Die BEV-Verkäufe von Mercedes-Benz Cars legten um 51 Prozent zu, und der Auftragseingang für BEV in Europa hat sich im Quartal mehr als verdoppelt."
Das Konzernergebnis profitierte vor allem vom Geschäft mit Vans und Finanzdienstleistungen. Im Kerngeschäft mit Pkw sank der bereinigte operative Gewinn jedoch um 26 Prozent auf 909 Millionen Euro. Grund dafür war vor allem der zunehmende Wettbewerbsdruck in China.
China belastet Pkw-Geschäft
Mercedes-Benz begründete den Ergebnisrückgang im Pkw-Geschäft mit schwierigeren Marktbedingungen, insbesondere in China. Hinzu kamen ein weniger profitabler Modellmix sowie Kosten für Modellpflegen und neue Produkte. Effizienzgewinne hätten diesen Druck nur teilweise ausgleichen können, teilte der Konzern mit.
Die Auslieferungen vollelektrischer Mercedes-Benz-Pkw stiegen im zweiten Quartal im Jahresvergleich um 51 Prozent auf 52.852 Fahrzeuge. Treiber war vor allem Europa, wo die Verkäufe um 87 Prozent zulegten. Insgesamt stiegen die Pkw-Verkäufe in Europa um 4 Prozent, in den USA um 10 Prozent.
Der Einbruch in China ließ sich damit jedoch nur teilweise ausgleichen. Dort gingen die Verkäufe um 30 Prozent zurück. Starker Wettbewerb, eine verhaltene Nachfrage und Modellwechsel belasteten das Geschäft. Ohne China stiegen die weltweiten Pkw-Auslieferungen im Jahresvergleich um 2 Prozent.
Der ausgewiesene operative Gewinn der Pkw-Sparte fiel von 783 Millionen Euro auf 49 Millionen Euro. Darin enthalten waren Abschreibungen von 704 Millionen Euro auf Beteiligungen in China. Diese buchhalterischen Effekte führten im Quartal zu keinem entsprechenden Mittelabfluss und wurden im bereinigten operativen Ergebnis nicht berücksichtigt.
"Der chinesische Markt und unsere Kundschaft in China bleiben für Mercedes-Benz von hoher strategischer Bedeutung", erklärte das Unternehmen.
Auch andere deutsche Premiumhersteller leiden unter dem harten Wettbewerb in China, der bereits den Massenhersteller Volkswagen belastet. Porsche kündigte am Montag an, bis 2035 weitere 5.000 Stellen zu streichen. Damit steigt die Zahl der geplanten Stellenstreichungen auf rund 9.000. BMW hatte im Juni seine Prognose für die operative Gewinnmarge im Autogeschäft auf 1 bis 3 Prozent gesenkt und weitere Sparmaßnahmen in Aussicht gestellt.
Für das Gesamtjahr erwartet Mercedes-Benz einen weiter schwachen globalen Pkw-Markt. In Europa dürften die Verkäufe ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres bleiben. Für die USA rechnet der Konzern mit einem leicht kleineren Markt, in China mit einem deutlichen Rückgang.
Mercedes setzt auf Sicherheitsfahrzeuge
Mercedes-Benz hat außerdem Sicherheits- und Militärfahrzeuge als "strategisches Zukunftsfeld" identifiziert. Der Konzern will seine Aktivitäten in diesem Bereich ausbauen, weil Regierungen auf die veränderte Sicherheitslage reagieren.
Dabei setzt Mercedes-Benz auf mehr als 45 Jahre Erfahrung bei Fahrzeugen für Sicherheits-, Rettungs- und Verteidigungszwecke. Dazu zählen modifizierte Varianten der G-Klasse, des Sprinter und des Vito.
Im Zuge dieser Strategie unterzeichnete der Autobauer mit dem Münchner Rüstungskonzern TYTAN eine Absichtserklärung über eine mögliche Zusammenarbeit. Die Unternehmen wollen "eine mögliche Kooperation im Bereich fahrzeugbasierter Verteidigungsanwendungen ausloten". Geplant sind unter anderem ein auf der G-Klasse basierendes System zur Drohnenabwehr und zum Drohneneinsatz sowie ein mobiler, auf dem Sprinter basierender Drohnenträger mit Leitstelleneinheit.