Die Waldbrände in Griechenland halten die Einsatzkräfte weiter in Atem. Besonders betroffen sind Attika und Mittelgriechenland. Das Auswärtige Amt warnt Urlauber vor einer sehr hohen Waldbrandgefahr und möglichen Evakuierungen – auch in Tourismusgebieten. Indes stürzten zwei Löschhubschrauber ab.
Die Waldbrände in Griechenland sind weiterhin außer Kontrolle. Feuerwehrkräfte kämpften die ganze Nacht unter schwierigen Bedingungen gegen die Flammen in den Regionen Attika, Voiotia und Fokida. Starker Wind erschwert die Löscharbeiten und lässt die Brände immer wieder aufflammen.
Nach Angaben der Feuerwehr sind bei einem Waldbrandeinsatz im Gebiet Psatha zwei Bell-Hubschrauber in der Luft zusammengestoßen.
Beide Hubschrauber waren vom Flughafen Elefsina gestartet. Bei dem Unglück kamen nach Angaben vom Sonntagabend ein rumänischer und ein griechischer Staatsbürger ums Leben.
Kurz vor Mitternacht brach auf der Insel Kefalonia ein weiteres Feuer aus. Im Gebiet Porto Germeno westlich von Athen haben die Flammen bereits große Waldflächen sowie Gebäude zerstört. Das Feuer breitet sich derzeit in zwei Richtungen aus: nordöstlich in Richtung Agios Nektarios und südwestlich zum Schießplatz Kandili bei Megara.
Touristen sollen griechischen Notfallwarnungen aktivieren
Das Auswärtige Amt warnt Reisende derzeit vor einer sehr hohen Waldbrandgefahr in weiten Teilen Griechenlands. Wegen der hohen Temperaturen, Trockenheit und wechselnder Windrichtungen können sich Brände innerhalb kurzer Zeit ausbreiten oder bereits gelöschte Feuer erneut aufflammen. Es kann jederzeit zu Straßensperren, Einschränkungen der Infrastruktur und Evakuierungen kommen – auch in beliebten Urlaubsregionen.
Urlauber sollten auf ihrem Mobiltelefon die griechischen Notfallwarnungen (Cell Broadcast Alerts) aktivieren und den Anweisungen der Behörden unbedingt folgen. Das Auswärtige Amt empfiehlt außerdem, sich regelmäßig über die aktuelle Lage zu informieren, gesperrte Gebiete zu meiden und im Notfall die europaweite Notrufnummer 112 zu wählen.
Am Brandherd bei Porto Germeno hat das Feuer bereits große Ausmaße angenommen und zerstört Waldflächen sowie Eigentum. Die Feuerwehr konzentriert ihre Arbeit auf zwei Gebiete. Die Flammen bewegen sich einerseits nordöstlich auf Agios Nektarios zu, andererseits südwestlich in Richtung Schießplatz Kandili bei Megara.
In Attika und Voiotia sind 496 Feuerwehrleute mit 22 Teams im Einsatz. Darunter sind 23 Feuerwehrleute mit vier Fahrzeugen aus Frankreich und 23 Feuerwehrleute mit vier Fahrzeugen aus Rumänien, die im Rahmen der Vorstationierung europäischer Feuerwehrkräfte in Griechenland sind.
Mit dem ersten Tageslicht haben vier Löschflugzeuge und vier Hubschrauber mit Wasserabwürfen begonnen. Ein fünfter Hubschrauber koordiniert den Einsatz der Luftkräfte.
Die Regionen Attika und Mittelgriechenland stellen Wasserwagen und Baumaschinen bereit.
Parallel dazu brennt weiterhin ein Feuer, das am Samstagmittag in Skaloma in der Region Fokida ausgebrochen ist. Die Einsatzkräfte kämpfen an zwei Fronten in den Gebieten Pigi und Klima.
Neben diesen Brandfronten hat sich kurz vor Mitternacht ein weiteres Feuer auf Kefalonia entwickelt: Gegen 23:20 Uhr brach in der Gegend Pastra ein Waldbrand aus.
Zur Löschung sind 52 Feuerwehrleute mit drei Fußtrupp-Teams der 19. ΕΜΟΔΕ, freiwilligen Helfern und zwölf Fahrzeugen im Einsatz. Aus der Luft unterstützen zwei Flugzeuge und ein Hubschrauber. Zur Verstärkung sollen zudem zehn Feuerwehrleute mit fünf Fahrzeugen per Fähre vom Hafen Patras auf die Insel übersetzen.
Die Stadt Argostoli unterstützt das Feuerwehrkorps mit Wasserwagen und Baumaschinen.
Wegen des Brandes sind in den frühen Morgenstunden Warnmeldungen über den Notrufdienst 112 verschickt worden, mit der Aufforderung zur Evakuierung der Gebiete Kremmydi, Markopoulo, Kato Kateleios, Chionata, Thiramonas und Mavrata.
Zwei Festnahmen nach Brand in Voiotia
Die Behörden haben zwei Personen festgenommen im Zusammenhang mit dem Großbrand, der am Freitag (31.07.) ausgebrochen ist und sehr schnell auf West-Attika übergegriffen hat.
Schon in den ersten Stunden nach Ausbruch des Feuers in Voiotia, das sich später bis nach Attika ausbreitete, sind Spezialkräfte der Direktion für Brandstiftungskriminalität (D.A.E.E.) an die Brandursprungsorte gefahren und haben die Ermittlungen zu Ursache und Umständen aufgenommen.
Die Ermittler der D.A.E.E. haben umfangreiche Ortsbesichtigungen durchgeführt, Zeugenaussagen aufgenommen und entscheidende Spuren gesichert. Außerdem nutzten sie Videoaufnahmen, die die ersten Minuten nach Ausbruch des Feuers zeigen.
Am sogenannten Nullpunkt, an dem das Feuer nachweislich begonnen hat, hat ein spezialisiertes Team gemeinsam mit einem gerichtlich bestellten Sachverständigen, einem Elektroingenieur, eine detaillierte Untersuchung vorgenommen.
Aus der Gesamtauswertung der Spuren ergab sich, dass im privaten Stromnetz für die Übertragung der von Windkraftanlagen erzeugten Elektrizität zum öffentlichen Versorgungsnetz eine Schwingung der Leitungen aufgetreten ist. Diese Schwingung löste Funkenbildung aus. Die Funken fielen auf den Boden und setzten den Brand in Gang.
Die Ermittlungen konzentrierten sich auf die Personen, die für Planung, Bau, Überwachung und ordnungsgemäßen Betrieb dieses privaten Netzes verantwortlich waren.
Im Rahmen des Verfahrens, haben die Behörden zwei griechische Staatsbürger festgenommen. Einer von ihnen ist Elektroingenieur. Er hatte Planung und Bauaufsicht des Projekts unterschrieben. Der zweite ist Bauunternehmer und war für den Bau des Stromübertragungsnetzes verantwortlich.
Gegen beide ist ein Strafverfahren wegen Brandstiftung mit eventuellem Vorstaz im schweren Fall eingeleitet worden. In die Akte aufgenommen wurde auch der Eigentümer der Windkraftfirma. Die Ermittler suchten ihn, konnten ihn jedoch nicht auffinden.
Die beiden Festgenommenen sollen der zuständigen Staatsanwaltschaft vorgeführt werden.
Die Direktion für Brandstiftungskriminalität (D.A.E.E.) setzt ihre Ermittlungen in dem Fall fort. Sie prüft alle technischen, zeugenschaftlichen und videobasierten Beweise, um die Umstände von Ausbruch und Ausbreitung des Feuers vollständig zu klären.