Erdbeobachtungssatellit Samarkand-2028 erreicht Erdorbit mit KI-Modul aus Usbekistan. Das System wertet Daten im All aus und soll Landwirtschaft und Umweltschutz effizienter machen.
Ein chinesischer hyperspektraler Erdbeobachtungssatellit mit einem von usbekischen Ingenieurinnen und Ingenieuren entwickelten Modul für künstliche Intelligenz ist in die Umlaufbahn gestartet. Das Projekt ist eine gemeinsame Mission des chinesischen Unternehmens STAR.VISION und der usbekischen Raumfahrtbehörde Uzcosmos.
Es ist das erste Mal, dass ein von usbekischen Fachleuten entwickeltes KI-Modul an Bord eines internationalen Satellitenprojekts von STAR.VISION zum Einsatz kommt.
Der Satellit Samarkand-2028 hob am fünften August von einer seegebundenen Startrampe nahe der Stadt Haiyang in der chinesischen Provinz Shandong ab.
Zur Bedeutung des Namens erklärte Usbekistans Minister für digitale Technologien, Sherzod Shermatov, in sozialen Netzwerken: „Der Name Samarkand-2028 ist kein Zufall. Samarkand hat das Recht erhalten, den International Astronautical Congress 2028 auszurichten – zum ersten Mal findet der weltweit größte Raumfahrtskongress in Zentralasien statt.“
Der Satellit erstellt hyperspektrale Aufnahmen und zeichnet Daten in vielen verschiedenen Wellenlängenbereichen des Lichts auf.
Im Vergleich zu herkömmlichen Satellitenbildern entsteht so ein deutlich detaillierteres Bild der Erdoberfläche. Das ist vor allem für Anwendungen wichtig, die eine präzise Umweltanalyse erfordern.
KI wertet Aufnahmen bereits im Orbit aus
Das KI-Modul verarbeitet einen Teil der Aufnahmen direkt im Orbit. Es analysiert die Daten, bevor sie zur Erde übertragen werden, anstatt alle Rohdaten zu senden.
Nach Angaben von Uzcosmos sinkt dadurch die Datenmenge, die an Bodenstationen übertragen werden muss. Gleichzeitig steigt die Geschwindigkeit und Effizienz der Bildauswertung.
„Damit erhalten wir schneller Ergebnisse, verringern die Datenmenge, die übertragen werden muss, und machen die Analysen am Boden effizienter“, schrieb Shermatov.
Der Satellit dient damit nicht mehr nur als Kamera im All. Er übernimmt bereits einen Teil der Auswertung im Weltraum, sodass die Teams am Boden besser nutzbare Informationen erhalten.
An Bord integrierte KI-Systeme gewinnen in Erdbeobachtungsmissionen an Bedeutung. Satellitenbetreiberinnen und -betreiber wollen so die wachsenden Datenmengen besser steuern und die Zeitspanne zwischen Aufnahme und Auswertung verkürzen.
Datenverarbeitung noch vor Erreichen der Erde
Erdbeobachtungssatelliten erzeugen enorme Datenmengen. Das stellt hohe Anforderungen an Kommunikationssysteme und Infrastruktur am Boden.
Wenn ein Teil der Daten bereits an Bord verarbeitet wird, gelangen nur die wichtigsten Informationen zur Erde. Das senkt den Bandbreitenbedarf und beschleunigt den Zugang zu aktuellen Bildern.
Hyperspektrale Aufnahmen kommen zunehmend in der Landwirtschaft, in der Umweltüberwachung und beim Management natürlicher Ressourcen zum Einsatz. Sie machen Veränderungen in Vegetation, Böden und Gewässern sichtbar, die mit herkömmlichen optischen Bildern schwer zu erkennen sind.
In der Landwirtschaft lassen sich so Stressfaktoren bei Nutzpflanzen erkennen, bevor sie mit bloßem Auge sichtbar werden. Umweltbehörden können mit der Technik etwa Bodenverschlechterung, Wasserqualität und Veränderungen von Ökosystemen verfolgen.
Weitere Anwendungen reichen von der Bewertung natürlicher Ressourcen über das Krisen- und Katastrophenmanagement bis hin zur Stadtplanung.
Breitere Raumfahrtpartnerschaft im Aufbau
Dem Start ging ein strategisches Kooperationsabkommen voraus, das Uzcosmos und STAR.VISION 2025 geschlossen haben. Ziel ist es, Technologien für die Erdbeobachtung zu entwickeln und die Zusammenarbeit beim Satellitenbau auszubauen.
Usbekistan bereitet außerdem den Start eines 6U-CubeSats für 2028 vor und arbeitet gemeinsam mit internationalen Partnern an den Grundlagen für eine etwa 10- bis 14-tägige Raumfahrtmission mit Astronautinnen und Astronauten.