Kolumbien wurde von einem starken Erdbeben erschüttert. Nach ersten Angaben meldeten die Behörden zunächst zögerlich Sachschäden. Die Zahl der Toten ist inzwischen auf mindestens 77 angestiegen.
Ein schweres Erdbeben hat am Montag den Westen Kolumbiens erschüttert und war auch im Nachbarland Ecuador zu spüren. Zahlreiche Menschen verließen daraufhin ihre Wohnungen und andere Gebäude.
Inzwischen ist nicht mehr nur die Rede von Sachschäden an Gebäuden, auch die Zahl der Toten steigt weiter. Erste Berichte sprachen von 21 Toten, nun ist die Zahl auf mindestens 77 angestiegen. Notfallhelfer sind an vielen Orten ausgerückt.
Allein in der Stadt Pereira seien mindestens 18 Menschen ums Leben gekommen, sagte Bürgermeister Mauricio Salazar gegenüber Caracol Radio und fügte hinzu: "Die Lage ist kritisch."
Der Gouverneur der kolumbianischen Provinz Chocó schrieb in einem Beitrag auf X, dass es in der Provinzhauptstadt Quibdó zu schweren Schäden gekommen sei, Videoaufnahmen zeigten eingestürzte Gebäude.
Chocó lag im Epizentrum des Bebens, und die Zahl der Todesopfer aus dieser Region war zunächst nicht bekannt.
Zerstörte Gebäude und Stromausfall
Alejandro Eder, der Bürgermeister von Cali, der drittgrößten Stadt Kolumbiens, berichtete, dass mindestens 20 Gebäude eingestürzt seien und Menschen verschüttet worden seien; es handele sich um "erhebliche Schäden", die derzeit mit Drohnen begutachtet würden.
Nachrichtensender zeigten Bilder von ebenfalls zerstörten Gebäuden in Städten wie Manizales.
"Es gibt weder Strom noch Mobilfunkempfang. Es war stark, wirklich stark. In meinem Haus sind Dinge heruntergefallen", berichtete Martha Estrada, eine 66-jährige Bewohnerin des Eje Cafetero – was so viel wie "Kaffeeanbaugebiet" bedeutet – gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.
"Das Beben war sehr, sehr stark", sagte Valeria Polo, eine 29-jährige Content-Creatorin auf Social Media aus Bogotá. Sechs kleine Flughäfen im Westen Kolumbiens haben den Betrieb eingestellt, teilte die Zivilluftfahrtbehörde mit.
Der Bürgermeister von Bogotá, Carlos Galán, erklärte gegenüber Blu Radio, dass sich die Schäden in der Hauptstadt offenbar auf Risse in den Fassaden von Häusern und Gebäuden beschränkten.
Präsident Abelardo de la Espriella kündigte an, er werde in die vom Erdbeben betroffene Region reisen.
Starkes Beben in großer Tiefe
Der US-Geologische Dienst (USGS) und seine kolumbianische Partnerbehörde geben die Stärke des Bebens übereinstimmend mit 7,4 an. Das Beben ereignete sich in großer Tiefe.
Beide Behörden verorten das Epizentrum in San José del Palmar, einer Ortschaft rund 400 Kilometer westlich der Hauptstadt Bogotá.
Die Erschütterungen waren in vielen Großstädten wie Bogotá, Medellín und weiteren zu spüren. Mehrere Orte meldeten der deutschen Nachrichtenagentur dpa zufolge Schäden an Gebäuden. So sollen in Cali sowie Pereira Teile von Gebäudefassaden beschädigt worden sein, in Manizales hat es den Turm einer Kathedrale getroffen.
Die Regierung hat mit der Einrichtung eines Krisenstabs reagiert, um Maßnahmen zu koordinieren.
Das aktuelle Beben folgt auf zwei aufeinanderfolgende Erdstöße von Stärke 7,2 und 7,5 in Venezuela Ende Juni. Diese Erdbeben zerstörten Hunderte Gebäude, dabei kamen mehr als 5.000 Menschen ums Leben.