Drohnenangriffe der Ukraine verschärfen die Benzinkrise in Russland: Schlangen an Tankstellen, steigende Preise, der Verkauf von Benzin und Diesel ist vielerorts begrenzt.
Vor dem Hintergrund anhaltender ukrainischer Drohnenangriffe auf Ölraffinerien hat sich die Treibstoffkrise in Russland verschlimmert. Mindestens 16 Regionen melden Mitte August einen Mangel an Benzin und Diesel. Einwohner berichten von langen Schlangen an den Tankstellen, Verkaufsbeschränkungen und steigenden Preisen.
Zu den betroffenen Regionen gehören die Gebiete Lipezk, Tula, Tambow, Kaluga, Woronesch, Rostow, Rjasan, Saratow, Smolensk, Pensa, Orenburg und Uljanowsk sowie das Primorje, Baschkortostan und die Region Krasnodar.
Ende Juli hatte sich die Benzinkrise in Russland kurzzeitig etwas entspannt. Die ukrainischen Streitkräfte hatten eine Weile ihre Angriffe auf Lagerhäuser des Onlinehändlers Wildberries verlagert. Nun ist der Treibstoffmangel in Russland offenbar zurück.
Am 11. August leitete Russlands Vizepremier Alexander Nowak eine weitere Sitzung zur Lage auf dem Benzinmarkt. Er wies die Behörden an, eine stabile Versorgung der Regionen sicherzustellen und die Preise zu kontrollieren. Außerdem ging es um die Kennzeichnung der weniger attraktiven Kraftstoffsorten „Euro-2“, „Euro-3“ und „Euro-4“.
"Auf Fahrten mit dem eigenen Auto verzichten"
Im Gebiet Lipezk führte die Regionalregierung eine Tankregelung nach geraden und ungeraden Tagen wieder ein. Gouverneur Igor Artamonow kündigte an, dass am 13. August nur Autos tanken dürfen, deren erste Kennzeichenziffer ungerade ist, am 14. August nur Fahrzeuge mit gerader erster Ziffer.
Im Gebiet gelten zudem Obergrenzen: An Tankstellen der Ketten Gazprom, Lukoil, Teboil und Rosneft werden pro Kunde höchstens 30 Liter Benzin verkauft.
Im Gebiet Orenburg gelten ebenfalls das System der „geraden-ungeraden“ Kennzeichen sowie Obergrenzen von 30 Litern Benzin und 60 Litern Diesel mittlerweile an allen Tankstellen, erklärte Gouverneur Jewgenij Solnzew. Er sprach von einer „schwierigen Situation beim Kraftstoff“ und kündigte an, Polizisten „zur Koordinierung an den Tankstellen“ einzusetzen.
In Sotschi im Gebiet Krasnodar teilten die Behörden mit , dass die Tankstellen wegen „logistischer Störungen bei der Belieferung“ Höchstmengen eingeführt haben. Einwohner und Touristen wurden gebeten, „wenn möglich auf Fahrten mit dem eigenen Auto zu verzichten“.
Im Bezirk Atschinsk im Gebiet Krasnojarsk sind 13 von 47 Tankstellen außer Betrieb. Nur 16 Stationen bieten überhaupt mehrere Benzinsorten an, berichtete Bezirkschefin Natalia Grigorjewa.
In Baschkortostan geben Tankstellen vorübergehend kein Benzin mehr in Kanister oder andere Behälter ab. Ein Sprecher des regionalen Industrie- und Energieministeriums bestätigte die Einschränkung und bat die Einwohner, die Lage mit Verständnis aufzunehmen.
Auch im Gebiet Saratow klagen Einwohner über Treibstoffmangel.
Ende Juni 2026 hatte Russlands Präsident Wladimir Putin eingeräumt, dass es eine Benzinkrise gibt.
Ukrainische Drohnenangriffe auf Raffinerien
Nach einer Analyse von S&P Global hatten ukrainische Drohnen bis Ende Juli mindestens 26 russische Ölraffinerien außer Betrieb gesetzt. Seitdem arbeiten nur acht Anlagen wieder voll, elf produzieren nur eingeschränkt, sieben stehen weiterhin still.
Nach einer Schätzungn von EA Analytics ist die Ölverarbeitung in Russland auf den niedrigsten Stand seit Mai 2002 gefallen. Sie liegt nun bei 3,6 Mio. Barrel pro Tag.
In Kyjiw gelten Raffinerien als legitime militärische Ziele, die der russische Militärapparat nutzt, um seine Aggression und Angriffe auf die Ukraine fortzusetzen.
"Unser Plan für den Einsatz ukrainischer ‚Langstrecken-Sanktionen‘ wird täglich umgesetzt. Das ist eine absolut gerechte Antwort auf alles, was Russland gegen uns tut“, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in der vergangenen Woche. "Frieden ist notwendig, und genau das muss die russische Führung begreifen. Russland muss seinen Krieg beenden. Und die russische Führung hat dafür alle Möglichkeiten.“