Im Grenzgebiet zwischen Nepal und der zu China gehörenden Provinz Tibet sind durch verheerende Sturzfluten zahlreiche Gebiete überflutet worden. Es werden zahlreiche Opfer befürchtet.
Schwere Überschwemmungen in Nepal haben mindestens 98 Menschen das Leben gekostet. Doch es werden noch viel mehr Opfer befürchtet, da ganze Dörfer mitgerissen, Straßen, Brücken und Kraftwerke beschädigt wurden.
Unter den 291 ausländischen Vermissten befinden sich nach Angaben der nepalesischen Behörden auch Deutsche. Wie viele deutsche Staatsangehörige betroffen sind, ist bislang nicht bekannt.
Laut der Tourismusbehörde von Nepal wurden mindestens 384 Reisende – darunter 291 aus dem Ausland vermisst. Das teilte die Organisation auch auf X mit.
Zur gleichen Zeit meldeten Chinas Staatsmedien "schwere Verluste" nach einem Erdrutsch in einem Einkaufszentrum in Tibet auf der chinesischen Seite der Grenze.
Von der nepalesischen Polizei verbreitete Aufnahmen zeigen, wie Flutwasser durch einen Fluss schießt und Häuser mitreißt.
Auf Bildern der Nachrichtenagentur AFP ragt das oberste Stockwerk eines Hauses aus schlammiger Erde.
Videos zeigen Sturzfluten iim Himalaya-Gebiet
Videos der nepalesoischen Polizei und anderer Nutzer in den sozialen Netzwerken zeigen braune Wassermassen, die durch Bergtäler im an China grenzenden Himalaya-Distrikt stürzen.
„Ich habe gesehen, wie die Flut acht oder neun Lastwagen, dazu Häuser und Menschen mitgerissen hat“, sagte der 34-jährige Lehrer Suman Chalise AFP im Distrikt Nuwakot.
„Es war absolut herzzerreißend. So eine Verwüstung habe ich noch nie erlebt.“
Der Polizeisprecher erklärte zuvor, die Behörden könnten das Ausmaß der Schäden noch nicht einschätzen. Sie hätten jedoch „Menschen, die in Flussnähe wohnen, dazu aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen“.
Immer mehr Bergsteiger sind in den vergangenen Jahren nach Nepal gereist, um den höchsten Berg der Erde, den Himalaya, zu besteigen.
Die Armee Nepals hat Hubschrauber und Katastrophenhelfer in das betroffene Gebiet entsandt.
Die staatliche Elektrizitätsbehörde Nepals teilte mit, die Katastrophe habe rund 430 Megawatt Erzeugungskapazität, darunter Wasserkraft- und Solaranlagen, beschädigt.
„Die Katastrophe hat die Erzeugungs-, Übertragungs- und Verteilungsanlagen der Behörde beschädigt und die Stromversorgung unterbrochen“, wurde bekannt gegeben.
„Wir gehen davon aus, dass sich in Nepal ein Fels-Eis-Abbruch ereignet hat, der den Lhende-Fluss blockierte und die anschließende Flutwelle auslöste“, sagte Sarthak Shrestha, Experte für Fernerkundung und Geoinformation am in Kathmandu ansässigen International Centre for Integrated Mountain Development (ICIMOD)..
Erdrutschgefahr
Die Behörden sperrten mehrere Fernstraßen.
Der chinesische Staatssender CCTV berichtete am Mittwoch, „ein Erdrutsch auf der nepalesischen Seite“ habe „schwere Verluste und Vermisste am Grenzposten Gyirong“ in Tibet verursacht.
Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete, Chinas Präsident Xi Jinping habe zu „Rettungsmaßnahmen mit allen Kräften“ aufgerufen. Zahlen zu Verletzten oder Toten nannte die Agentur nicht. Allerdings gilt der Aufruf des Staatschefs als Zeichen dafür, dass die Lage als sehr ernst eingestuft wird.
Das Dringendste sei, „alles zu tun, um die Vermissten zu suchen und zu retten, Verletzte schnell zu behandeln und die Zahl der Opfer so weit wie möglich zu verringern“, zitierte CCTV den Präsidenten.
Die Verkehrsbehörde in Shigatse in Tibet erklärte in einem Beitrag in sozialen Netzwerken, die Straßen in dem Gebiet seien „von Erdrutschen bedroht und derzeit nicht sicher passierbar“.
Der Monsun zwischen Juni und September löst in Südasien regelmäßig tödliche Überschwemmungen und Erdrutsche aus.