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Island: EU-Referendum startet mit hoher Beteiligung, knappes Rennen erwartet

Ein Wähler gibt beim Referendum Islands im Rathaus von Reykjavík in Island am Samstag, den 29. August 2026, seine Stimme ab.
Ein Wähler gibt seine Stimme beim Referendum in Island im Rathaus von Reykjavík am Samstag, dem 29. August 2026, ab. Copyright  AP Photo/Marco Di Marco
Copyright AP Photo/Marco Di Marco
Von Emma De Ruiter
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In Reykjavík war die Wahlbeteiligung bis Mittag höher als zur gleichen Zeit bei der Parlamentswahl 2024. Das meldeten lokale Medien.

In Islands Hauptstadt Reykjavík lag die Wahlbeteiligung beim richtungsweisenden EU-Referendum bis Mittag höher als zur gleichen Zeit bei der Parlamentswahl 2024. Das geht aus vorläufigen Zahlen vom Samstag hervor.

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Im Wahlkreis Reykjavík-Nord hatten bis Mittag 13,7 Prozent der Wahlberechtigten abgestimmt. Bei der Parlamentswahl 2024 waren es zur gleichen Zeit etwas mehr als zehn Prozent gewesen.

In Reykjavík-Süd hatten bis Mittag etwas mehr als 14 Prozent gewählt, verglichen mit etwas mehr als elf Prozent bei der Parlamentswahl.

Mehr als 20 Prozent der Stimmberechtigten gaben nach Angaben des staatlichen Rundfunks RÚV bereits im Voraus ihre Stimme ab.

Beobachtende rechnen mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen. Eine letzte Umfrage vom Freitag sieht 50,4 Prozent für ein Ja und 49,6 Prozent für ein Nein.

Islands Premierministerin Kristrún Frostadóttir gibt ihre Stimme im Wahllokal der Schule Álftamýrarskóli in Reykjavík, Island, am Samstag, 29. August 2026, ab.
Islands Premierministerin Kristrún Frostadóttir gibt ihre Stimme im Wahllokal der Schule Álftamýrarskóli in Reykjavík, Island, am Samstag, 29. August 2026, ab. AP Photo/Marco Di Marco

Befürwortende einer EU-Mitgliedschaft betonen, Island sei am besten beraten, sich enger an seine europäischen Nachbarn anzunähern, um Probleme zu bewältigen, die keine Grenzen kennen, etwa den Klimawandel. Sie argumentieren zudem, der Euro würde mehr Stabilität bringen als die volatile isländische Króna.

Gegnerinnen und Gegner halten die derzeitige Konstruktion für ideal. Island genieße schon jetzt die Vorteile der europäischen Integration, ohne die Souveränitätseinschränkungen, die eine Vollmitgliedschaft mit sich bringe. Sie verweisen auf Handelsabkommen, etwa mit China, die für Island günstiger seien.

„Ich finde, wir sollten Teil einer größeren Gemeinschaft sein. Ich denke, es lohnt sich, das genauer zu prüfen“, sagte die 71-jährige Rentnerin Unnur Jokulsdottir, nachdem sie im Rathaus von Reykjavík gewählt hatte.

Der 53-jährige Fischhändler Olafur Thorsson zeigte sich hingegen skeptisch.

„Früher mochte ich die Europäische Union, als sie noch etwas Gutes war. Heute ist sie zu einer Art großes wirtschaftliches Gefängnis geworden“, sagte er.

Das Land mit knapp 400.000 Einwohnerinnen und Einwohnern stellte seinen Antrag auf EU-Beitritt nach der Finanzkrise 2009, die die Wirtschaft schwer erschütterte.

Die Beitrittsverhandlungen wurden 2013 ausgesetzt, als eine euroskeptische Regierung an die Macht kam.

Ein Wähler wirft seinen Stimmzettel im Rathaus von Reykjavík, Island, am Samstag, 29. August 2026, in eine Wahlurne.
Ein Wähler wirft seinen Stimmzettel im Rathaus von Reykjavík, Island, am Samstag, 29. August 2026, in eine Wahlurne. AP Photo/Marco Di Marco

Ein Ja bei dem Referendum würde neue Verhandlungen mit der Europäischen Kommission auslösen. Sie sollen 35 Bereiche abdecken, von der Wirtschaft bis zu den Menschenrechten.

Die Fischerei – eine der Säulen der isländischen Wirtschaft, über die Reykjavík die ausschließliche Kontrolle behalten will – müsste mit Brüssel neu ausgehandelt werden. Die EU zeigt sich diesmal allerdings kompromissbereiter.

Auf der weltpolitischen Bühne hat die Rückkehr des Kriegs nach Europa durch den russischen Angriff auf die Ukraine etablierte Sicherheitsdoktrinen erschüttert.

Die Unberechenbarkeit von Donald Trump und seine Drohungen, das benachbarte Grönland zu übernehmen – das er mehrfach mit Island verwechselt hat –, verstärken die Sorgen vieler Isländerinnen und Isländer.

Die Insel liegt strategisch wichtig im subarktischen Raum, verfügt über keine eigene Armee und ist für ihre Verteidigung auf die NATO und ein bilaterales Abkommen mit den Vereinigten Staaten aus dem Jahr 1951 angewiesen.

Die EU verfolgt das Ergebnis der Abstimmung genau. Seit 1995 ist ihr kein wohlhabendes Land mehr beigetreten, das Nettozahler zum EU-Haushalt wäre.

Weitere Quellen • AP, AFP

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