Satanistin Christa Gail Pike (50) sollte mit der Giftspritze hingerichtet werden. Doch bei der Hinrichtung gibt es Komplikationen.
Die zum Tode verurteilte Gefangene Christa Pike aus dem US-Bundesstaat Tennessee ist am Donnerstag ins Krankenhaus gebracht worden. Ihre Anwälte erklärten, die Behörden hätten es „nicht geschafft“, das Todesurteil zu vollstrecken.
Zeugen berichteten, die verurteilte Mörderin habe trotz zweier Injektionen, die sie töten sollten, noch geatmet. Nur wenige Stunden zuvor hatte der Oberste Gerichtshof der USA den Weg frei gemacht für die Hinrichtung. Pike wäre damit die erste Frau gewesen, die im südlichen Bundesstaat Tennessee seit 200 Jahren durch eine Giftspritze sterben sollte.
Die Strafvollzugsbehörde von Tennessee bestätigte den Ausgang der Hinrichtung mit zwei Pentobarbital-Injektionen öffentlich nicht. „Heute Abend hat der Bundesstaat Tennessee erneut eine rechtmäßige Hinrichtung nicht zustande gebracht“, erklärten Pikes Anwälte in einer Mitteilung. „Christa wird in einem nahe gelegenen Krankenhaus behandelt. Wir sind nicht über ihren Zustand informiert worden.“
Pikes Hinrichtung war für 10.00 Uhr Ortszeit (17.00 Uhr MEZ) im Riverbend Maximum Security Institution angesetzt. Mehrere Zeugen, darunter Journalistien, verfolgten dort die Verabreichung der Injektionen.
„Offenbar ist es nicht so bgelaufen, was eigentlich solle“, sagte der Investigativjournalist John North vom Sender WBIR, der als Zeuge am Hinrichtungsort war. „Als wir das Gebäude verließen, gingen wir davon aus, dass sie wahrscheinlich noch lebte.“
Während des Livestreams war zu sehen, wie ein Krankenwagen mit eingeschaltetem Blaulicht das Gelände der Hinrichtung verließ. Das Hinrichtungsverfahren begann wenige Stunden, nachdem der Oberste Gerichtshof der USA grünes Licht gegeben hatte. Die liberalen Richterinnen Sonia Sotomayor, Elena Kagan und Ketanji Brown Jackson stimmten dagegen.
„Die Entscheidung des Gerichts verhindert unnötig, dass das untere Gericht Pikes Argumente angemessen prüft“, schrieben die abweichenden Richterinnen.
„Schlimmer noch: Das Gericht gewährt einen derart außergewöhnlichen Eingriff allein, damit der Bundesstaat Pike hinrichten kann, bevor die Verfahren zu ihrer Verurteilung in den unteren Instanzen abgeschlossen sind.“
Psychische Gesundheit im Fokus
Der Fall hat eine Debatte über die Todesstrafe für junge Straftäter ausgelöst.
Pike war 18 Jahre alt, als sie gemeinsam mit ihrem Freund die 19-jährige Colleen Slemmer in einem Berufstrainingscamp für junge Menschen misshandelte und tötete.
Die Tat sorgte landesweit für Aufsehen, nachdem man Slemmers Leiche mit einem Pentagramm fand, das ihr in die Brust geritzt worden war – ein Zeichen, das oft mit Satanismus in Verbindung gebracht wird.
Pikes Anwälte plädierten dafür, ihr wegen ihres jungen Alters und ihrer psychischen Probleme zum Zeitpunkt der Tat Gnade zu gewähren.
„Sie war 18, als sie das Verbrechen beging, und sie war schwer psychisch krank“, schrieben sie in einem Begnadigungsantrag an Tennessees Gouverneur Bill Lee. Er kündigte an, nicht einzugreifen.
Der Oberste Gerichtshof der USA hatte bereits am Dienstag einen Antrag auf Aufschub der Hinrichtung abgewiesen. Darin wurde argumentiert, Pikes Vergangenheit als Opfer sexueller Gewalt, ihre Posttraumatische Belastungsstörung und eine Blutkrankheit würden eine Hinrichtung per Giftspritze zu „unnötigem Leiden“ führen.
Unabhängige UN-Menschenrechtsexperten forderten die US-Regierung und die Behörden in Tennessee auf, die Hinrichtung „sofort zu stoppen“ und das Todesurteil in eine andere Strafe umzuwandeln.
„Pikes Hinrichtung wäre der Endpunkt eines Lebenswegs erheblichen körperlichen und psychischen Leidens, geprägt von Missbrauch in der Kindheit und fast drei Jahrzehnten Einzelhaft im Todestrakt“, erklärten sie.
In den Vereinigten Staaten sind seit 1976 nach Angaben des Death Penalty Information Center nur 18 Frauen hingerichtet worden.