Tirana: Zusammenstöße vor Bildungsministerium weiten sich auf ganze Hauptstadt aus – regierungskritische Proteste und Festnahmen in vielen Städten Albaniens.
In Tirana ist es am Samstag zu heftigen Zusammenstößen zwischen Polizei, Studierenden und Oberschülern gekommen. Es war der fünfte Protesttag in Folge. Die Demonstrierenden fordern den Rücktritt der Regierung Rama.
Die ersten Ausschreitungen begannen an der Durrës-Allee nahe dem Bildungsministerium. Dort versammelten sich Hunderte Vermummte. Die Unruhen breiteten sich anschließend über die gesamte albanische Hauptstadt aus.
Demonstrierende bewarfen die Polizei mit Steinen und zündeten Müllcontainer an, um Barrikaden zu errichten.
Polizisten forderten die Menge über Lautsprecher auf, auf Gewalt zu verzichten. Danach setzten sie Tränengas und Wasserwerfer ein, um die Menschen auseinanderzutreiben.
Parallel dazu haben in vielen albanischen Städten Proteste begonnen. In Lezha und Durrës ist die Lage besonders angespannt; die Polizei hat dort Dutzende Menschen festgenommen.
Am Freitag wurden auch Albanerinnen und Albaner in der Diaspora aufgerufen, sich den Protesten anzuschließen. Außerdem schlossen sich Demonstrierende der Bewegung „Flamingo“ an, die schon seit Juni mobilisiert.
Die Proteste dauern seit vergangenem Dienstag an. Auslöser sind die Lage an den Universitäten und hohe Studiengebühren. In einer symbolischen Aktion zündeten Demonstrierende einen Koffer an und warfen ihn in den Hof des Bildungsministeriums. So protestierten sie gegen das, was sie als Versuch der Regierung sehen, junge Menschen aus dem Land zu drängen.
Trotz des wachsenden Drucks zeigte sich Edi Rama am Samstagmorgen unnachgiebig. Er erklärte, er werde nicht zurücktreten. Seine Pflicht sei es jetzt, die Bürgerinnen und Bürger zu schützen, für Gerechtigkeit zu sorgen und den Auftrag der Regierungsmehrheit umzusetzen. Diese Mehrheit habe sich, so Rama, das Ziel gesetzt, Albanien bis 2030 in die Europäische Union zu bringen.
Der albanische Regierungschef steht jedoch auch in den eigenen Reihen unter Druck. Eliza Spiropali, Abgeordnete der regierenden Sozialistischen Partei und frühere Außenministerin, schickte ihm einen persönlichen Brief. Darin schreibt sie unter anderem: „Diese Krise lässt sich nicht aus Büros heraus lösen, nicht durch Distanz zu den Menschen und nicht mit politischen Ausreden. Sie verlangt unmittelbares Zuhören, das Eingeständnis von Fehlern, die Übernahme politischer Verantwortung und wirksame Entscheidungen.“
Der Blick richtet sich nun auf die große Kundgebung, die für heute um 19 Uhr Ortszeit angekündigt ist.