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Vatikan-Expertin: Gab Anzeichen für Papst-Rücktritt

Vatikan-Expertin: Gab Anzeichen für Papst-Rücktritt
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Euronews: “Wir sprechen mit der Vatikan-Expertin Angela Ambrogetti, in Rom. Sie veröffentlichte mehrere Artikel über die katholische Kirche und über die Päpste. Wir haben sie um eine Einschätzung zum Rücktritt von Benedict XVI gebeten.”

Angela Ambrogetti: “Die Nachricht hat natürlich alle überrascht, auch wenn es Anzeichen in den letzten Monaten gab, dass der Papst das Ende seiner Amtszeit vorbereitet. Aber jeder dachte, der alte Pontifex bereite sich auf sein Ableben vor. In Wirklichkeit ist Benedikt XVI sehr viel moderner, als wir angenommen hatten – und so hat er uns mit seinem Rücktritt überrascht.”

Euronews: “Aber was überrascht mehr, der Rücktritt oder der Zeitpunkt der Bekanntgabe?”

Angela Ambrogetti: “Sicherlich der Rücktritt, denn Coelestin V. war bislang der einzige Pontifex, der in der Geschichte zurückgetreten ist, das war vor rund 700 Jahren. Also ganz klar, das ist eine echte Überraschung. Der Zeitpunkt ist nicht so ungewöhnlich, denn Benedikt XVI ist 85 Jahre alt, er ist ein alter Mann. Ein Mensch, der spürt, dass er sein Amt nicht mehr so ausführen kann, wie er es möchte, als ein Führer der Kirche und so ist er zurückgetreten. Im Einklang mit dem Kirchenrecht.

Euronews: “Der Papst verwies auf seine schwindenden geistigen und körperlichen Kräfte. Aber jeder möchte natürlich wissen, ob das die wirklichen Gründe sind oder ob es andere, tieferliegendere gibt.”

Angela Ambrogetti: “Er hatte schon früher gesagt: Ich werde die Kirche nicht in einer schwierigen Situation verlassen. Aber wenn ich fühle, ich kann kein Kirchenoberhaupt mehr sein, werde ich zurücktreten. Also sein Standpunkt war klar. Er bewegte sich seit einigen Jahren nur noch auf dem Podest durch den Petersdom, das kam auch bei anderen Anlässen vor. Und natürlich setzte auch das Alter diesem klaren und hellen Verstand zu.

Euronews: “Welche Rolle spielen die Skandale, die die Kirche zuletzt erschüttert hatten, z.B. der Kindesmissbrauch und die Enthüllung der Geheimpapiere?

Angela Ambrogetti: “Ich denke, das spielte keine Rolle. Er wollte eine Lösung des Problems. Was den sexuellen Mißbrauch angeht: Bischofskonferenzen auf der ganzen Welt suchen derzeit nach Richtlinien, um dieses Problem zu lösen. Das Gleiche gilt für die Vatileaks-Affäre. Es gibt Leute, die meinen, der Papst wollte schon vor Längerem zurücktreten, tat es aber nicht, weil er erst die Affäre beenden wollte, um vor seinem Rücktritt Ordnung zu schaffen.

Euronews: “Wer könnte ihrer Meinung nach Nachfolger Benediks XVI werden und warum?”

Angela Ambrogetti: “Wahrscheinlich ein anderer Europäer. Aber das ist alles so neu, auch für mich, die ich das Geschehen im Vatikan seit 25 Jahren verfolge. Alles kommt so unerwartet und ist so neu. Wir müssen aufmerksam die Fakten studieren, um Rückschlüsse zu ziehen. Und dann müssen wir schauen, was bis zum 28 Februar passiert und in den ersten Märztagen.”