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Trauer um Charles Aznavour (94†)

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Trauer um Charles Aznavour (94†)

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Eine große Stimme der französischen Chansons ist verstummt: Charles Aznavour, Sänger, Komponist und Filmschauspieler - ein Künstler mit Leib und Seele.

Er wurde am 22. Mai 1924 in Paris in eine armenische Künstlerfamilie geboren. Seine Eltern, Vater ein Bariton Mutter eine Schauspielerin, warteten gerade auf ihr Visum für die USA.

Der Durchbruch gelang ihm 1946 als Édith Piaf auf ihn aufmerksam wurde und ihn auf eine Tournee durch Frankreich und die USA mitnahm.

Der französische Sänger hat über 1000 Chansons geschrieben und sie in fünf Sprachen, darunter auch deutsch, interpretiert. Im Lauf seiner Karriere sind über 100 Schallplatten entstanden.

Stets für Armenien engagiert

Trotz seiner rasanten Karriere hat der Künstler nie seine Wurzeln vergessen und sich sehr für sein Heimatland Armenien eingesetzt. Nach dem Erdbeben, das 1988 das Land verwüstete, gründete er eine Hilfsorganisation, um die Überlebenden zu unterstützen. 1994 organisierte er Tonnen von Lebensmitteln und medizinische Hilfe für die Flüchtlinge des Konflikts zwischen Aserbaidschan und Armenien um die Region Berg-Karabach.

2006 nahm er in Jerewan an den Gedenkfeierlichkeiten für die Opfer des 1915 begangenen Völkermords an den Armeniern teil. In Anwesenheit von Papst Johannes Paul II. sang er dort das Ave Maria.

2008 wurde dem französischen Sänger die armenische Staatsbürgerschaft verliehen, ein Jahr später wurde er armenischer Botschafter in der Schweiz und vertrat sein Land bei den Vereinten Nationen in Genf.

Der "französische Sinatra"

Als "französischer Frank Sinatra" wurde er gefeiert, manche sahen in ihm sogar den "einzigen europäischen Soulsänger". Das war nicht immer so. Lange stand er bei den Kritikern schlecht im Kurs. Er habe keine Stimme, sei klein und hässlich, urteilten sie. Als "Zwerg mit Krächzstimme" wurde der 1,61 Meter große Künstler bezeichnet. Aznavour hat ihnen das Gegenteil bewiesen.

Aznavour stand bis ins hohe Alter auf der Bühne. In einem Interview hatte er sich einmal gewünscht, zu seinem 100-jährigen Geburtstag als ältester Sänger auf der Bühne zu stehen.

In Anerkennung seiner Verdienste für das französische Chanson in der Welt wurde er 1997 vom damaligen französischen Präsidenten Jacques Chirac zum Offizier der Ehrenlegion ernannt.

Aber auch von Künstlerkollegen wie Julio Iglesias wurde er geachtet: Er sei "vielleicht der größte Künstler des europäischen Kontinents seit der Popmusik."