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Salvini verteidigt Umsiedelung von 200 Migranten aus Riace

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Salvini verteidigt Umsiedelung von 200 Migranten aus Riace

Salvini verteidigt Umsiedelung von 200 Migranten aus Riace
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Italiens Innenminister Matteo Salvini hat das Umsiedeln der Migranten aus dem flüchtlingsfreundlichem Dorf Riace gerechtfertigt: "Wer einen Fehler macht, muss dafür bezahlen", sagte Salvini. "Man darf keine Unregelmäßigkeiten bei der Verwendung öffentlicher Gelder dulden, auch nicht, wenn es die Entschuldigung gibt, sie für Migranten auszugeben." Der Chef der Partei Lega fährt seit seinem Amtsantritt einen strammen Anti-Migrations-Kurs.

Bürgermeister: "Sie werden nicht gehen"

In dem Dorf im süditalienischen Kalabrien war vor rund zwei Wochen der Bürgermeister Domenico Lucano festgenommen worden. Vor Journalisten hat dieser angekündigt, dass die rund 200 Migranten nicht abreisen werden:

"Sie werden nicht gehen, weil es keinen Ort gibt, wo sie mit ihren kleinen Kindern hingehen können. Es gibt viele Familien, die sich in dieser Situation befinden. In letzter Zeit ist jemand abgereist, w eil es wirklich eine unsichere Situation gab, aber die meisten von ihnen haben wirklich keinen Ort, an dem sie unterkommen können."

Am Sonntag hieß es aus dem Innenministerium, die Umsiedelung solle auf freiwilliger Basis erfolgen. Die Migranten hätten zwei Möglichkeiten: Entweder sie bleiben in Riace, ohne bereitgestellter Unterkunft. Oder sie gehen an einen anderen Ort und bekommen dort öffentliche Unterstützung.

Proteste gegen Umsiedelung

Lucano wird Begünstigung illegaler Einwanderung vorgeworfen. Er soll unter anderem Scheinehen zwischen Flüchtlingen und Einwohnern von Riace organisiert haben. Lucanos Idee war, das aussterbenden Dorf mit der Hilfe von Migranten wiederzubeleben. In Riace leben rund 2.000 Menschen.

Viele Menschen, darunter auch Prominente wie der Anti-Mafia-Autor Roberto Saviano, hatten gegen seine Festnahme protestiert. Sie sehen darin eine politische Motivation der rechten Regierung. Lucano hatte in Deutschland den Dresdner Friedenspreis gewonnen. Der deutsche Regisseur Wim Wenders widmete ihm den Kurzfilm "Il Volo".

Lucano selbst erklärte, die Regierung wolle einzig seine migrantenfreundlichen Projekte zerstören. Er weist die Vorwürfe zurück. Die oppositionellen Sozialdemokraten riefen zu einer landesweiten Demonstration gegen Rassismus auf.