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Iván Duque über Nicolas Maduro: "Gespräche mit einem Diktator führen zu nichts"

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Iván Duque über Nicolas Maduro: "Gespräche mit einem Diktator führen zu nichts"

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Vor drei Monaten hat Iván Duque das Amt des kolumbianischen Präsidenten übernommen. Mit 42 Jahren ist der konservative Politiker der jüngste Präsident in Kolumbien.

Ich denke nicht, dass Gespräche mit einem Diktator, der jeden Tag Verbrechen begeht, jemals zu etwas geführt haben.

Ivan Duque über Nicolas Maduro Präsident von Kolumbien

Er wird ein gespaltenes Land regieren. Gespalten zwischen rechts und links, sowie zwischen Unterstützern und Gegnern des Friedensprozesses mit der FARC. Euronews hat ihn während seiner Europatour interviewt, bei der er Unterstützung in der Krise mit Venezuela gesucht hat.

Euronews Reporterin Ana Lazaro Bosch: „Einer der Gründe, warum Sie heute hier sind, ist die Flüchtlingskrise. Man geht davon aus, dass rund eine Millionen Venezolaner wegen der Wirtschaftskrise in ihrem Land nach Kolumbien geflohen sind. Das ist eine sehr große Zahl. Wie ist die Situation für diese Menschen?“

Präsident von Kolumbien Ivan Duque: „Seit unsere Regierung ihr Amt übernommen hat, haben wir die Venezolaner herzlich aufgenommen und ihnen gezeigt, dass unsere Einwanderungspolitik eine Politik der offenen Arme ist. Wir zeigen ihnen, dass wir verstehen, dass sie vor diktatorischer Verfolgung fliehen. In Kolumbien wollen wir Zuwanderung normalisieren und humanitäre Hilfe gewährleisten. Es handelt sich dabei um Menschen in sehr schwierigen Situationen, das heißt, dass dies einen finanziellen Druck für Kolumbien darstellt.

Euronews: „Was erwarten Sie von der Europäischen Union? Brüssel hat bereits 35 Millionen Euro für humanitäre Hilfe in der Region bereitgestellt. Haben Sie sich während Ihrer Gespräche mit europäischen Politikern auf Weiteres einigen können?“

Ivan Duque: „Einiges. Wir sind sehr dankbar für die wirtschaftliche Hilfe. Des Weiteren müssen wir den Ursprung der Krise finden. Ich denke, dass die Welt strengere Sanktionen gegen die Diktatoren und gegen die Menschen in deren Umfeld erteilen muss.“

Euronews: „Ihre Beziehung mit Venezuela ist ganz und gar nicht herzlich, Sie sprechen von einer Diktatur. Die spanische Regierung hat vorgeschlagen mit Präsident Nicolás Maduro über die von der EU erhobenen Sanktionen zu sprechen. Was halten Sie von einem Dialog?“

Ivan Duque: „Ich denke nicht, dass Gespräche mit einem Diktator, der jeden Tag Verbrechen begeht, jemals zu etwas geführt haben. Die internationale Gemeinschaft sollte sich darum kümmern, dass der Diktator sein Amt verlässt und dass es zu einem Machtwechsel kommt, so dass die Venezolaner wieder ihre Freiheit bekommen.“

Euronews: „Es wurde gesagt, dass Sie es in Betracht ziehen würden, ihn militärisch zu stürzen. Stimmt das?“

Ivan Duque: „Ich habe immer das Gegenteil behauptet. Ich habe immer gesagt, dass die Lösung keine militärische sein kann. Denn das wollte der Diktator immer. Er möchte den Dämonen eines militärischen Eingriffs als Ausrede nutzen sich selbst an der Macht zu halten.“

Euronews: „Von Ihrem Vorgänger, dem Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos, haben Sie die Friedensvereinbarung mit den FARC-Rebellen übernommen. Während Ihres Wahlkampf haben Sie diese sehr stark kritisiert. Erst wollten Sie das Abkommen abschaffen und dann ändern. Nun sind Sie Präsident, was wollen Sie beibehalten und was wollen Sie ändern?“

Ivan Duque: „Ich habe nie gesagt, dass ich es abschaffen würde. Während des Wahlkampfs habe ich klar und deutlich gesagt, was schiefgehen könnte. Jetzt als Präsident sage ich, was ich immer sage: wir werden es umsetzen und uns hauptsächlich darauf konzentrieren, die Guerillas wieder einzubeziehen. Alle, die sich darum bemühen, sich wieder zu integrieren, werden wir unterstützen. Und wir werden absolut kein Verständnis denen entgegenbringen, die ein kriminelles Leben bevorzugen.“

Euronews: „Werden allen Guerillas, die aufgegeben haben, die Möglichkeit haben sich an dem politischen Prozess zu beteiligen?“

Ivan Duque: „Wir wollen keine Doppelmoral in Kolumbien. Es kann nicht sein, dass jemand im Kongress, der eine Straftat begangen hat, nie wieder in dieser Position arbeiten kann, aber die, die Verbrechen gegen Menschen begehen, bleiben, wo sie sind. “

Euronews: „Aber es gibt bereits Beispiele aus Europa. Zum Beispiel in Nordirland, manche Politiker lassen mit der IRA terroristische Gruppen in die Politik. Denken Sie nicht, dass Sie, indem Sie Guerillachefs nicht integrieren, einen wesentlichen Teil der Abmachung verzerren.“

Ivan Duque: „Erstens, sind sie bereits eingebunden. Zweitens müssen sie einen juristischen Prozess durchlaufen. Aber da Sie international Bespiele erwähnen. Da gibt es einen sehr interessanten Fall in Spanien. Der baskische Politiker Arnaldo Otegi durfte wegen seiner Verbrechen nicht an Wahlen teilnehmen.“

Euronews: „Aber es gab keinen Friedensprozess in Spanien. In Nordirland und Kolumbien schon.“

Ivan Duque: „Aber im Fall von Kolumbien hatten wir uns zum Zeitpunkt der Prozessvereinbarung darauf geeinigt, dass wir uns ab sofort auf Wahrheit, Gerechtigkeit, Reparation aufbauen, damit sich nicht wiederholt.“

Euronews: „Die EU hat einen Fonds von 95 Millionen Euro für diesen Friedensprozess geschaffen. Glauben Sie, dass dieser Fonds weiterhin bestehen wird?“

Ivan Duque: „Keine Frage. Und ich freue mich über die Unterstützung. Es ist eine sehr wichtige Unterstützung für uns, die uns erlaubt Übergänge und Kooperationen erfolgreich zu meistern.“

Euronews: „Ein anderes Thema in Kolumbien sind Drogen. Man geht davon aus, dass es rund 200,000 Hektar Anbauflächen gibt. Wie werden Sie damit umgehen? Vernichtung, Ausräucherung?“

Ivan Duque:„Erstens, werden wir vernichten. Wir werden uns an die bereits unterschrieben Vereinbarungen halten halten. Aber wir werden auch andere Möglichkeiten beibehalten. Wir werden die Lieferketten unterbrechen - und natürlich werden wir gegen Geldwäsche vorgehen.“

Euronews: „Werden Sie mit der US-Regierung zusammenarbeiten, um gegen den Drogenhandel vorzugehen?“

Ivan Duque:„Wir haben immer zusammengearbeitet. Von der Regierung unter Präsident Clinton als der Kolumbienplan begann, dann Präsident Bush, Präsident Obama bis hin zu Präsident Trump. Sie waren stets Verbündeter sowie ein guter Helfer. Und die gemeinsame Arbeit war sehr wichtig, um die kriminellen, Netzwerke in Kolumbien außer Gefecht zu setzen.“

Euronews: „Während der Wahlen war offensichtlich, dass Kolumbien ein sehr gespaltenes Land ist. Kürzlich hat Papst Franziskus Versöhnung gefordert. Glauben Sie nicht, dass, wenn Sie liberale und konservative Politik anwenden, die Kluft noch größer wird?“

Ivan Duque: „Ich glaube, das Gegenteil ist der Fall. Ich war sehr stolz auf meine Kampagne, denn ich habe keinen meiner Mitbewerber attackiert. Und auch die Unterstützung des Papstes werte ich als sehr positiv.“

Euronews: „Zum Ende unseres Interviews, würde ich Sie gerne fragen, was Sie von dem rechtsextremen brasilianischen Politiker Jair Bolsorano halten. Gibt es Punkte, indenen Sie ihm zustimmen, zum Bespiel seine Wirtschaftspolitik?“

Ivan Duque: „Als Präsident von Kolumbien versuche ich, keine Äußerungen zu machen, die die demokratische Entscheidung in Brasilien beeinflussen könnten. Was ich als Präsident von Kolumbien hoffe, ist, dass die Entscheidungen, die in Brasilien getroffen werden, dazu führen, dass wir zusammenarbeiten, um Südamerika zu stärken und die Wirtschaft zu stärken. Das Wichtige ist, dass die Länder verstehen, dass Investitionen und Unternehmertum gestärkt und Arbeitsplätze geschaffen werden. Das verändert die soziale Realität unserer Länder.“