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Nordmazedonien hat jetzt einen Namen, aber hat es eine nationale Identität?

Nordmazedonien hat jetzt einen Namen, aber hat es eine nationale Identität?

In der vergangenen Woche ratifizierte das griechische Parlament in Athen das sogenannte "Abkommen von Prespa". Von nun an heißt die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien (FYROM) offiziell "Republik Nordmazedonien". Damit beendeten die beiden Länder einen 27-jährigen diplomatischen Streit. Doch eignet sich der neue Name nicht unbedingt, die nationale Identität der Mazedonier zu stärken. Im Gegenteil, könnte er neue Unruhen auslösen.

Athen hat sich verpflichtet, nicht mehr gegen Skopjes NATO- und EU-Beitrittsanträge zu stimmen. Seit der Unabhängigkeit der ehemaligen jugoslawischen Republik 1991 hatte sich Griechenland wiederholt dagegen gesperrt. Im Gegenzug stimmte Mazedonien einer Namensänderung zu.

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In den vergangenen zwei Jahren gab es immer wieder Straßenproteste in Nordmazedonien gegen das Abkommen. Ein klares Zeichen für die mazedonische Regierung, dass nicht das gesamte Volk dahintersteht. Und es erinnert die internationale Gemeinschaft daran, die nationale Identität der ehemaligen jugoslawischen Republik noch lange nicht einheitlich definiert ist.

Der letzten Volkszählung zufolge stellen die Albaner neben der Mehrheit der Mazedonier (64,2 Prozent) mit rund einem Viertel die größte Minderheit im Land dar. Zusammen mit den Roma (offiziell 2,7 Prozent, wahrscheinlich eher zwischen 6,5 und 13 Prozent), Türken (3,9 Prozent) und Serben (1,8 Prozent). Kleine ethnische Gruppen wie Aromen, Bosnier und Bulgaren vervollständigen das fragmentierte demografische Bild des Landes, das nur Mazedonisch als Amtssprache anerkennt.

Ist die mazedonische Identität eine griechische?

Nordmazedonien hat sich seit seiner Unabhängigkeit bemüht, – manchmal auf eine sehr eigentümliche Art und Weise – eine klare und anerkannte nationale Identität zu fördern. Der umstrittenste Versuch, diese zu etablieren, fand während der beiden Amtszeiten des ehemaligen Premierministers Nikola Gruevski statt: Im Jahr 2010 startete der konservative Staatschef ein Projekt namens "Skopje 2014" – im Volksmund bekannt als "antikvizacija". Die Grundannahme Gruevskis war, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen den heutigen ethnischen Mazedoniern und den Mazedoniern der Antike gibt.

Infolgedessen wurden dutzende von Statuen griechischer Helden und Philosophen im Zentrum der Hauptstadt erbaut – darunter eine gewaltige Pferdestatue von Alexander dem Großen. Das löste Diskussionen aus: Der britische Guardian verlieh Skopje den Titel "Europas neue Hauptstadt des Kitsches". Die Regierung argumentierte, Alexander, der im 4. Jahrhundert v. Chr. das persische Reich eroberte, sei der Vorfahr der Mazedonier – obwohl die Mazedonier auch slawischer Herkunft sind und es besonders viele Überschneidungen mit der bulgarischen Sprache und Kultur gibt.

Die Identitätspolitik der Regierung verschärfte damals den Konflikt mit Athen und drängte eine Lösung in der "Namensfrage" während Gruevskis Mandat vom Tisch.

Seit 2017 Annäherung zur EU

Die aktuelle Regierungskoalition unter der Führung von Zoran Zaev hat die isolationistische Außenpolitik seines Vorgängers umgekehrt. Sie belebte Skopjes Ambitionen neu, sich dem Westen weiter anzunähern. Seit der Ernennung Zaevs im Mai 2017 stehen sie im Mittelpunkt der diplomatischen Bemühungen. Nach nur wenigen Monaten im Amt unterzeichnete er einen Freundschaftsvertrag mit Bulgarien, der die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den beiden Balkanländern fördert.

Nach der Zustimmung zum historischen Abkommen mit Athen haben sich Zaev und seine Verbündeten nun verpflichtet, ein funktionierendes staatliches System auf der Grundlage von Rechtsstaatlichkeit und Marktwirtschaft zu etablieren – Kritiker behaupten allerdings, dass es der Regierung an dem Willen und den Mitteln mangelt, diese ehrgeizigen Reformen voranzutreiben.

Zudem wird vermutet, dass er Widerstand von Nationalisten auslösen wird, der wiederum die Minderheiten noch weiter an den Rand drängen kann. Die religiösen und ethnischen Gemeinschaften Nordmazedoniens bleiben ein Flickenteppich. Und dessen Elemente haben noch keinen passenden Weg gefunden, sich zusammen zu finden.