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Papst Benedikt zu Missbrauchsskandal: "Normlosigkeit" der '68er ist schuld

Papst Benedikt zu Missbrauchsskandal: "Normlosigkeit" der '68er ist schuld
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Die Äußerungen des ehemaligen Papsts Benedikt zum Missbrauchsskandal sorgen für Kritik bei Theologen und Opferverbänden. Joseph Ratzinger macht in einem Artikel für das bayerische Klerusblatt die sexuelle Revolution und die Säkularisierung der westlichen Gesellschaft für den sexuellen Missbrauch von Kindern in der katholischen Kirche verantwortlich.

Ein Sprecher der deutschen Opfer-Initiative "Eckiger Tisch" bezeichnete die Analyse als "entlarvenden Text". Benedikt blende die "strukturellen Ursachen für die Übergriffe"aus. "Eigene Fehler und die "Verantwortung der Institution" Kirche benenne er nicht.

Der Freiburger katholische Moraltheologe Magnus Striet erklärte am Donnerstag in einem Beitrag für das Internetportal katholisch.de.: "Benedikt XVI. baut einen Popanz auf, um einen Schuldigen dafür ausmachen zu können, warum Missbrauch stattfand - und systematisch vertuscht wurde." Es sei "absurd", wenn der emeritierte Papst die 68er-Bewegung verantwortlich mache. Dann müsse er erst einmal erklären, warum es schon vor dieser Zeit zu Missbrauch gekommen sei und warum es auch massiven Missbrauch in Ländern gegeben habe, die erst in den 80er-Jahren demokratisiert worden seien.

Das gesamte Werk von Benedikt XVI./Joseph Ratzinger sei "durchzogen von einem Furor gegen Neuzeit und Moderne, die er aber nur als Verfallsgeschichte wahrnimmt", schreibt Striet. Er sieht eine Mitverantwortung des früheren Papstes für die Vertuschung von Missbrauch. "Wer hat eigentlich die Bischöfe ernannt, die jetzt unter heftigen Vertuschungsvorwürfen stehen? Oder die selbst zu Tätern wurden?" Zwar habe die Glaubenskongregation striktere Maßnahmen ergriffen, "aber ging es hier um die Betroffenen? Oder doch mehr um das Priesteramt?" Striet appellierte an Ratzinger, sich für eine unabhängige Untersuchung der in der Glaubenskongregation seit dem Jahr 2000 gesammelten Unterlagen einzusetzen.

Der ehemalige Papst schrieb unter anderem, zur Physiognomie der 68er-Revolution habe die Erlaubnis von Pädophilie gehört. Im Anschluss sei eine Normlosigkeit entstanden. Auch die katholische Moraltheologie sei daraufhin zusammengebrochen. Dies habe die Kirche wehrlos gegenüber den Vorgängen in der Gesellschaft gemacht.

Laut Berichten enstand der Text in Absprache mit Papst Franziskus. Der Vatikan äußerte sich bisher nicht.