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Flüchtlinge auf Samos: Überlebenskampf im "Dschungel"

Flüchtlinge auf Samos: Überlebenskampf im "Dschungel"
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Samos ist bekannt als Urlaubsparadies. Aber ein hoffnungslos überfülltes Flüchtlingslager hat das Image der griechischen Insel beschädigt.

Die Insel ist weniger als zwei Kilometer von der türkischen Küste entfernt. Inmitten der paradiesischen Landschaft sticht die harte Realität des Lagers heraus. Es ist einer der fünf sogenannten Hotspots, eines der Registrierungszentren für Asylbewerber auf den nordägäischen Inseln.

Ehemals gebaut für 650 Menschen, hausen heute 4000 Migranten in und um das Lager. Seit dem Abkommen zwischen der Europäischen Union und der Türkei 2016 ist es ihnen verboten, den Kontinent zu betreten, bis ihr Asylantrag bearbeitet ist. Das kann Monate oder Jahre dauern.

Leben im "Dschungel"

Die euronews-Reporterin lässt sich von Sarah durch das Lager führen: Die junge Frau kommt aus Uganda. Dort arbeitete sie als Universitätsdozentin für Politikwissenschaft. Als politische Bürgerrechtlerin war ihr Leben bedroht. Deshalb floh sie aus ihrem Land. Vor acht Monaten ist Sarah auf Samos gestrandet, wie Tausende andere Flüchtlinge.

Die Menschen warten auf eine Antwort auf ihren Asylantrag in Griechenland - oft jahrelang: "Die Wartezeit ist ein großes Problem, man ist ein, zwei oder drei Jahre hier", erzählt ein junger Mann aus Palästina.

"Hier ist jeder auf sich allein gestellt und Gott ist für uns alle da", meint Sarah. _"Alle kämpfen ums Überleben. Ein Leben im Dschungel, alles in allem. Bevor ich Ihnen zeige, wo ich hause, sehen Sie sich mal den Müll hier an. Wir leben inmitten von Ratten, Schlangen und all diesem Ungeziefer. Aber es muss weitergehen. Man kann nicht einfach aufhören zu leben. Das ist das Leben, unsere Realität - und das ist Europa?"
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Foto: Valérie Gauriat

im Müll wohnen

Die Frau aus Uganda führt die Reporterin auf engen Wegen durch die Zelte, zeigt wie die Leute im Müll hausen. Aber die Menschen versuchen, das Beste aus ihrem Leben zu machen. Sie kommen in den "VIP"-Bereich. Dort hat Sunday das Sagen, er ist einer der "Baumeister" im Lager. Die Flüchtlinge bauen die Zelte in Häuschen aus und statten sie mit allem aus, was sie finden oder kaufen können.

"Ich kümmere mich um diesen Ort. Ich versuche, mich fit zu halten. Dort hinten trainiere ich ein bisschen, um die Situation hier auszuhalten. Sonst würde ich hier unbemerkt sterben", so Sunday, der mit den Armen die Ausmaße des Lagers anzeigt: ''Von hier aus geht man bis dort hinten zum Ende hinunter. Es geht um die Hoffnungslosigkeit. Verstehen Sie? Alles dreht sich um die Hoffnungslosigkeit. Wir fühlen uns hier nicht wohl.''

Zuhause zwischen Mäusen und Ratten

Schließlich zeigt die junge Frau ihr "Zuhause". Ihre kleine Zeltwohnung hat eine Tür mit Schlüssel und Schloss, denn "es gibt viele Diebe hier, wir nennen sie 'Ali Baba'", meint Sarah, die ihre Einrichtung vorführt: "Das ist meine Mini-Küche, und hier sind meine ganzen Sachen. Ich bin froh, einen Winterschlafsack zu haben, den habe ich mir gekauft. Ich bin eine Frau, ich kann nachts nicht rausgehen. Also benutze ich den Eimer als Toilette. Ich habe auch eine Belüftung, ich habe ein Fenster. Aber wie ich schon sagte, die Mäuse und Ratten machen uns Probleme. Also hänge ich meine Lebensmittel unter der Decke auf."

Foto: Valérie Gauriat

Sarah hat in Uganda ihre drei Töchter zurückgelassen. Sie wissen, dass ihre Mutter in Griechenland ist, kennen aber nicht ihre Lebensumstände im "Dschungel". Die junge Frau kämpft auch für die Zukunft ihrer Kinder. Sie sagt: _"Ja, wir sind Flüchtlinge, aber wir sind Flüchtlinge mit einem Ziel, mit einem Traum, mit einer Hoffnung! Wir werden nicht mehr lange Flüchtlinge sein, denn wir wissen, dass es eines Tages besser sein wird."
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Arbeit und Lernen, um sich als Mensch zu fühlen

Sarah geht jeden Tag in dieses Gemeinschaftszentrum, das von Samos Volunteers betrieben wird , einer der NGOs, die Migranten auf Samos helfen. Sie gibt dort Englischunterricht. Die Arbeit ist ihr wichtig, sie gibt ihr eine Hoffnung auf ein besseres Leben:

_"Ja, sie ist mir sehr wichtig. Nicht nur für mein Selbstwertgefühl, sondern auch für meine Karriere. Die Arbeit hält mich am Ball. Zu wissen, dass es Menschen gibt, die Lernen wollen. Um voranzukommen. Das Leben im Dschungel ist das Leben im Dschungel. Aber hier fühlen wir uns zumindest ein wenig anders. Wir fühlen uns wie Menschen. Es gibt ein Gefühl der Zusammengehörigkeit. Und wir wollen leben und es mal besser haben."
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Foto: Valérie Gauriat

Die ganze Reportage sehen Sie auf de.euronews.com oder im folgenden Video:

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