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Himmlische Stimmen in Salzburg: Cecilia Bartoli und Philippe Jaroussky

Himmlische Stimmen in Salzburg: Cecilia Bartoli und Philippe Jaroussky
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Es war eine fürchterliche Tradition, die über Jahrhunderte gepflegt und nur selten in Frage gestellt wurde: Im Namen der Kunst verstümmelte man Knaben zu Kastraten. In Europa gab es sie seit dem 12. Jahrhundert. Ihre Stimmen begeisterten Musikliebhaber. Im Barock inspirierten sie Händel und andere Komponisten.

Unter dem Motto "Voci celesti - Himmlische Stimmen" sind die Pfingstfestspiele in Salzburg ihrem Andenken gewidmet: Einer der Höhepunkte, Händels Oper "Alcina" in einer Neuinszenierung von Damiano Michieletto.

Illusion, Manipulation und Magie und im Mittelpunkt: Cecilia Bartoli und Philippe Jaroussky. Die gefeierte Mezzosopranistin spielt Alcina - die Verführerin, die ihre Zauberkraft verliert, als sie erstmals echte Liebe fühlt.

"Die Geschichte von Alcina ist wirklich unglaublich, eine Zauberin, die sich verliebt, das ist ganz und gar verboten", erklärt Cecilia Bartoli, die künstlerische Leiterin der Pfingstfestspiele. "Man muss verschiedene Farben zeigen, es geht um Macht, um Liebe und auch um die Tatsache, dass sie altert."

Händel: "Jedes Werk ist ein Juwel"

Cecilia Bartoli hat eine besondere Beziehung zu Händel, sie meint: "Die Musik ist voller Sinnlichkeit und auch voller Leichtigkeit, all das findet man in Händels Opern. Jede Arie hat ihren eigenen Charakter, eine andere Klangfarbe, jedes Werk ist ein Juwel."

Auch Philippe Jaroussky kennt den Barockkomponisten gut: "Händel war dafür bekannt, ziemlich streng zu sein, schwierig im Umgang, aufbrausend. Er hat sogar einmal gedroht, eine Sopranistin aus dem Fenster zu werfen. Man durfte ihn nicht zu sehr belästigen. Und dann hat seine Musik paradoxerweise so viel Sinnlichkeit und Menschlichkeit. Die Musik von Händel gehört wohl zu den bewegendsten in der Musikgeschichte."

Kastraten: die Popstars des Barock

Voci celesti - Himmlische Stimmen: Cecilia Bartoli, die künstlerische Leiterin der Pfingstfestspiele, widmet diese Ausgabe dem Andenken an die Kastraten, die Händel und viele andere Barockkomponisten inspiriert haben. Sie waren die Popstars des Barock.

"Ich wollte die großen Stimmen des Barock, die Popstars des Barock, Kastraten wie Farinelli, Caffarelli und Senesino, wiedervereinigen", erklärt Cecilia Bartoli.

Händel schrieb die Rolle des Alcina-Liebhabers Ruggiero für einen berühmten Kastraten. Heute werden diese Rollen von einer Mezzosopranistin oder einem Countertenor gesungen, der seine Kopfstimme einsetzt, so wie Philippe Jaroussky:

"Das Besondere an den Kastraten war ihr Atem, sie hatten ein weitaus größeres Volumen als der Durchschnitt, das gab ihnen eine unglaubliche Leichtigkeit. Sie konnten mit einem Atemzug sehr lange Phrasen singen, das war Teil der Magie ihrer Stimmen", erklärt er die Technik der Kastraten: "Man konnte ihr persönliches Drama in ihren Stimmen hören. Man hatte ihnen ihre körperliche Unversehrtheit genommen und ich denke, das erfüllte ihr Leben mit Melancholie. Singen hieß für sie überleben."

"Alcina" steht auch auf dem Programm der Salzburger Festspiele im Sommer; dort wird die Oper zwischen dem 8. und dem 18. August aufgeführt. Die Salzburger Festspiele laufen vom 20. Juli bis 31. August.