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Dänemark: "Rückführhilfe" bei fremden Wurzeln

Dänemark: "Rückführhilfe" bei fremden Wurzeln
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In Dänemark bekommen in diesen Tagen Tausende von Flüchtlingen und Einwanderern - und Menschen mit doppelter Staatsbürgerschaft - einen Brief, in dem ihnen die Möglichkeit geboten wird, in das Land zu reisen, in dem sie geboren sind - oder in manchen Fällen ihre Eltern.

Hasan Bölükbasi (27) zum Beispiel, geboren und aufgewachsen in Dänemark, Wurzeln in der Türkei.

Hasan Bölükbasi, zur Zeit arbeitslos:

„Ich habe mein ganzes Leben in Dänemark verbracht. Meine ganze Familie, alle meine Freunde, meine Frau und meine Kinder - sie sind alle hier.“

Er könnte 140.000 Dänische Kronen (DKK, 18.756 Euro) plus Reisekosten in Anspruch nehmen, um in die Türkei zu reisen. Für ihn kein Grund zur Freude, eher ein Wink mit dem Zaunpfahl.

"Man denkt nur: "Habe ich etwas falsch gemacht, habe ich irgendwo einen Fehler gemacht - dass man einen solchen Brief erhält, der besagt: 'Du bekommst eine Tasche mit Geld, geh nach Hause?'

...Etwa, weil wir keinen dänischen Pass haben?"

Rasmus Stoklund, Experte für Einwanderung und Integration von den regierenden Sozialdemokraten:

"Das ist komplex, und es gibt viel zu verstehen. Ich habe viel Zeit damit verbracht, mich über Regeln, Gesetze und Abläufe zu informieren. Es geht nicht darum, dass wir hoffen, dass die Menschen Dänemark verlassen, sondern darum, die Menschen darauf hinzuweisen, dass es diese Möglichkeit gibt, von der sie nichts wissen.“

Andreas Steenberg von der linksliberalen Partei "Radikale Venstre":

"Ich meine, es ist Schikane gegenüber dänischen Bürgern, wenn ihnen Geld angeboten wird, um das Land zu verlassen, weil sie einen ausländischen Hintergrund haben oder weil sie mit einem Ausländer verheiratet sind."

REISEPLÄNE?

Und, Hasan, schon Reisepläne?

Hasan Bölükbasi: "Nein, das machen wir nicht."

Im vergangenen Jahr arbeiteten knapp 400.000 ausländische Arbeitskräfte in Dänemark, etwa ein Zehntel der Gesamtbeschäftigung, ein historischer Höchststand. Wegen der restriktiven Migrationspolitik nimmt die Politik offensichtlich in Kauf, dass dabei auch Kollateralschäden bei der Arbeitsmigration entstehen, auf die man eigentlich angewiesen wäre.

Im Jahr 2018 nutzten gerade mal 360 Menschen die Rückführungshilfe.

su

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