Milliardenauftrag in Schweden für Rolls-Royce: Konzern baut drei kleine modulare Atomreaktoren und rückt näher an Europas Technologiefspitze.
Nach einem strengen Auswahlverfahren, das 2022 begann, hat sich die Nuklearsparte des britischen Technologiekonzerns Rolls-Royce, Rolls-Royce SMR, den Auftrag zum Bau von Atomreaktoren für Schweden gesichert.
Als Teil der Vereinbarung liefert der von Videberg Kraft als Partner ausgewählte Konzern drei Small Modular Reactors (SMR) an die schwedische Westküste, auf die Halbinsel Värö.
„Das Videberg-Projekt wird Schwedens erstes neues Kernkraftwerk seit mehr als vierzig Jahren bauen und damit Industrie und Haushalte im Süden des Landes versorgen“, heißt es in einer Mitteilung von Rolls-Royce.
Die Partnerschaft mit dem Energieversorger Vattenfall und dem Projektentwickler Kärnfull Next gilt als eine der am weitesten fortgeschrittenen Möglichkeiten für einen SMR-Einsatz außerhalb des Vereinigten Königreichs.
Die Regierung in London lobte die Vereinbarung und nannte sie ein Abkommen, das Tausende qualifizierte Arbeitsplätze sichert, Lieferketten stärkt und die Partnerschaft zwischen dem Vereinigten Königreich und Schweden vertieft.
Rolls-Royce nannte keinen Auftragswert. Die britische Regierung sprach jedoch von einem milliardenschweren Exporterfolg für das Vereinigte Königreich und einem Durchbruch für die britische Atomindustrie.
Die Aktie von Rolls-Royce lag am Dienstag um 10.00 Uhr MEZ 1,8 % im Plus.
Der Deal unterstützt die Bemühungen des Unternehmens, seine Position in Europa auszubauen. Rolls-Royce will sich dort als einer der führenden Entwickler, Bauunternehmen und Zulieferer von SMR-Anlagen etablieren.
Tufan Erginbilgic, Vorstandschef von Rolls-Royce plc, erklärte: „Die Auswahl durch Videberg Kraft bestätigt den Status von Rolls-Royce SMR als einziges Unternehmen in Europa mit mehreren Vertragszusagen zur Lieferung von SMR-Einheiten.“
Die jetzige Ankündigung folgt auf einen Vertrag vom April dieses Jahres, mit dem Rolls-Royce SMR zusammen mit dem tschechischen CEZ-Konzern die Arbeiten am ersten Small Modular Reactor in Tschechien vorantreibt. Außerdem schloss das Unternehmen eine Vereinbarung mit Great British Energy – Nuclear (GBE-N) über Entwicklung und Lieferung der ersten SMR-Anlagen im Vereinigten Königreich.
SMR-Reaktoren in Europa
Die Europäische Kommission sieht Small Modular Reactors (SMR) als vielversprechende, CO₂-arme Technologie, die den Klimaschutz und die Energiesicherheit der EU unterstützen kann.
Um regulatorische Hürden abzubauen, hat die EU im März 2026 eine SMR-Strategie beschlossen. Sie soll Entwicklung und Einsatz der Technologie in Europa beschleunigen.
SMR-Anlagen sind kleiner als herkömmliche Atomkraftwerke. Sie erzeugen in der Regel zwischen 20 und 300 Megawatt Strom.
Am oberen Ende dieser Spanne kann ein Reaktor rund 7,2 Millionen Kilowattstunden Strom pro Tag liefern – genug, um Hunderttausende Haushalte zu versorgen.
Die Internationale Energieagentur (IEA) schätzt, dass unter günstigen politischen Rahmenbedingungen bis 2050 weltweit mehr als 1.000 Small Modular Reactors in Betrieb gehen könnten. Dafür wären kumulierte Investitionen von rund 670 Milliarden Dollar (577 Milliarden Euro) nötig.