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20 Jahre Machthaber Wladimir Putin: "Gute und schlechte Momente"

20 Jahre Machthaber Wladimir Putin: "Gute und schlechte Momente"
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Ob als Regierungschef oder Präsident - Wladimir Putin bestimmt seit genau 20 Jahren die Geschicke Russlands.

Am 9. August 1999 wurde Wladimir Putin Ministerpräsident der Russischen Föderation. Am selben Tag ernannte Präsident Boris Jelzin ihn in einer Fernsehansprache zu seinem Nachfolger. Im März 2000 wurde Putin zum Präsidenten gewählt.

Putin kam nach dem zweiten Tschetschenienkrieg an die Macht, als die tschetschenischen Separatisten mit Hilfe von islamistischen Söldnern eine massive Invasion in Dagestan durchführten. Der Angriff wurde zwar abgewehrt, aber der Krieg war noch lange nicht vorbei. Neben der explosiven Situation im Kaukasus war Putins erste Amtszeit durch eine Reihe von Tragödien auf nationaler Ebene geprägt - der Untergang des U-Bootes "Kursk", die Terroranschläge in Beslan 2002 und dann in Moskau 2004 auf das Musical "Nord-Ost".

Richtungweisende Rede in München

2007 nutzte Putin eine Rede auf der Münchener Sicherheitskonferenz, um wichtige Punkte der zukünftigen Richtung der Politik auszudrücken, wie sie in Russland von ihm selbst dirigiert werden würde. Putin kritisierte die monopolistische Dominanz der Vereinigten Staaten in den globalen Beziehungen.

Gleichzeitig führte Putin einen Krieg an der politischen Front in Russland - er machte seinen Gegnern sofort und sehr schnell klar, dass es nur einen Herrscher im Land geben kann. Einige konnten ins Ausland fliehen, während andere, wie Michail Chodorkowski, nach Gerichtsverfahren hinter Gittern landeten.

Amtszeit auf 6 Jahre verlängert

Mitte der 2000er Jahre gab es eine Phase des Wirtschaftswachstums in Russland, dank der Einnahmen aus dem Öl- und Gasexport. Aber alle Erfolge im Land waren immer mit dem Namen Putin verbunden, um den sich immer mehr der Heiligenschein eines Machthabers ohne Alternative bildete. Im Jahr 2008, nach zwei aufeinander folgenden Amtszeiten als Präsident, trat er gemäß der Verfassung von seinem Amt zurück. Aber nur, um danach in den Kreml zurückzukehren, allerdings ausgestattet mit einem Mandat von nicht nur vier, sondern nunmehr sechs Jahren.

"Gute und schlechte Momente"

Eine junge Frau in Moskau sagte anlässlich des 20. Jubiläums: "Ich bin 23 Jahre alt, und gleichzeitig ist Wladimir Wladimirowitsch Putin 20 Jahre an der Macht. Ich glaube, dass es in dieser Zeit sowohl gute als auch schlechte Momente in der Geschichte Russlands gab. Aber ich würde gerne etwas Neues sehen. Vielleicht."

Im Jahr 2012 ging die Wirtschaftsleistung Russlands deutlich zurück, mit den Folgen einer globalen Krise, die das Land traf. Vor dem Hintergrund einer extrem turbulenten internationalen Situation - Aufstände in arabischen Ländern, Krieg in Syrien - blieb Putins Beliebtheit jedoch konstant hoch. Nach der Revolution in der Ukraine erreichte sie ihren Höhepunkt.

Die russischen Wähler begrüßten das, was Moskau als die lang erwartete Rückkehr der Krim dargestellt hat. Und die Tatsache, dass das Vorgehen Russlands im Westen als eklatante Aggression und Annexion bezeichnet wurde, stärkte nur die Anhänger Putins.

Brennpunkt Wirtschaftslage

Erfolge in der Außenpolitik gingen jedoch einher mit einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation in Russland. Internationale Sanktionen und der Zusammenbruch der Ölpreise haben dazu wesentlich beigetragen. Im Jahr 2018 gewann Putin die Präsidentschaftswahlen erneut und sogar mit einer Rekordmarke (76%).

Aber nach Ansicht des Politikwissenschaftlers Konstantin Kalachev, Leiter der "Political Expert Group", kann diese Tatsache unterschiedlich interpretiert werden: "Putins Beliebtheit ist jetzt nicht mehr das, was sie einmal war. Es geht nicht mehr um Anbetung, wie es vor einigen Jahren bei einem Teil der russischen Bürger der Fall war. Jetzt ist es eine Art alternativlose Bewertung. Seit 20 Jahren ist Putin, sagen wir mal, die lauteste Stimme. Aber heute suchen die Menschen nach einer anderen Stimme. Und sobald diese Stimme auftaucht, können Putins Werte schnell auf Talfahrt gehen."

Opposition im Visier

Erklärt dies den erhöhten Druck auf die russische Opposition? Im Sommer vergangenen Jahres, unmittelbar nach den Wahlen, die ein weiterer Triumph Putins waren, kam es zu Massenprotesten im ganzen Land. Die allgemeine Unzufriedenheit mit dem Rückgang des Lebensstandards ging einher mit der Unzufriedenheit mit der Rentenreform. Das ermöglichte einigen Beobachtern, offen über den sich abzeichnenden Bruch in der russischen Gesellschaft zu sprechen.

Das derzeitige Präsidialmandat von Wladimir Putin läuft im Jahr 2024 aus. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht.