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Der Goldene Bär der 70. Berlinale für Filmemacher aus Iran

 Baran Rassulof nimmt den Bären ihres Vaters entgegen
Baran Rassulof nimmt den Bären ihres Vaters entgegen   -   Copyright  AP Photo/Michael Sohn   -   Michael Sohn
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Der Goldene Bär der Berlinale geht an "Es gibt kein Böses" und damit an den iranischen Regisseur Mohammed Rassulof, der nicht nach Berlin kommen durfte. Entgegengenommen hat den Preis seine Tochter Baran Rassulof, denn der Filmemacher darf den Iran zur Zeit nicht verlassen.

Jeremy Irons hat den politischen Goldenen Bären verkündet.

Mohammed Rassulofs "Es gibt kein Böses" ("Sheytan vojud nadarad"), eine deutsch-tschechisch-iranische Koproduktion, erzählt nicht eine, sondern vier kurze Geschichten, die miteinander verwebt sind: Zunächst begleitet man einen liebevollen Familienvater dabei, wie er sich um seine alte Mutter Sorgen macht. Er erscheint als durchschnittlicher Zeitgenosse. Doch dann stellt sich heraus: Seine Arbeit ist es, nachts im Gefängnis - per Knopfdruck - Hinrichtungen zu vollstrecken.

Wie in dieser ersten Episode sind in allen Episoden die Grenzen zwischen Gut und Böse fließend. Dabei geht es aber immer um eine Frage: Entscheiden sich Menschen - unter oft extremen Bedingungen - für oder gegen das Gute? Beispielsweise ein junger Wehrdienstleistender, der ein Todesurteil vollstrecken soll. Darf er eine andere Person bezahlen, damit die an seiner Stelle die Schuld auf sich nimmt?

Rassulof gehört wie sein Kollege Jafar Panahi («Taxi Teheran») zu Filmemachern, die in ihrer Heimat immer wieder Probleme haben. Beide waren nach Protesten gegen die Präsidentschaftswahlen 2009 verurteilt worden, Rassulofs Reisepass wurde ihm 2017 abgenommen.

Mit seinem Film setzt er sich nun gegen die anderen Wettbewerbsbeiträge durch - und damit auch gegen die deutschen Filmemacher Burhan Qurbani («Berlin Alexanderplatz») und Christian Petzold («Undine»). Allerdings gewinnt Petzolds Hauptdarstellerin Paula Beer einen Silbernen Bären als beste Darstellerin. Sie spielt in Undine eine Historikerin, ihre Figur ist an einen alten Nixen-Mythos angelehnt. Auch der deutsche Kameramann Jürgen Jürges wird mit einem Silbernen Bären geehrt: für seine Arbeit am Experimentalfilm «DAU. Natasha».

Seit Jahrzehnten herrschen im Iran zwischen Filmemachern und Behörden große Spannungen. Drehbücher müssen im Kultusministerium abgenommen werden. Offiziell kann die Produktion erst dann beginnen. Aber auch nach Ende der Dreharbeiten muss die Aufführung des Films genehmigt werden. Manche Szenen etwa zwischen Mann und Frau, die in Deutschland gängig wären, sind nicht erlaubt.

Auch Rassulof dürfte eigentlich so nicht drehen - aber trotzdem schaffte er es. Details dazu will das Filmteam in Berlin nicht verraten. Dem «Tagesspiegel» sagte Rassulof jedoch, sie hätten vier Produktionen von vier Regisseuren angemeldet. Bei Kurzfilmen schaue die Zensur nicht so genau hin.

Die Situation iranischer Filmemacher ist auf der Berlinale immer wieder Thema. Das Festival hatte zum Beispiel 2011 mit einem besonderen Moment an Jafar Panahi erinnert: Weil der seinen Platz in der Jury nicht einnehmen konnte, blieb der Stuhl leer. Mit seinem heimlich gedrehten Film «Taxi Teheran» gewann er 2015 trotzdem den Goldenen Bären - ebenfalls in Abwesenheit.

Mit der Entscheidung setzt die Jury auch ein Signal - die Berlinale gilt ohnehin als sehr politisches Festival. Die Auszeichnung ist der dritte Goldene Bär für den Film eines Regisseurs aus dem Iran. Verglichen mit anderen Wettbewerbs-Beiträgen dieses Jahres fällt «Es gibt kein Böses» künstlerisch zwar nicht so sehr auf. Aber manchmal zählt eben mehr als das.

Die deutsche Schauspielerin Paula Beer - die auch in der TV-Serie "Bad Banks" mitspielt - ist auf der Berlinale mit einem Silbernen Bären als beste Darstellerin ausgezeichnet worden. Sie erhielt den Preis für ihre Rolle in Christian Petzolds Film "Undine".

Die 25-Jährige sagte: "Ich freue mich wahnsinnig. Ich finde, man kann immer nur so gut sein, wie sein Gegenüber. Franz Rogowski kann heute Abend nicht hier sein. Aber er ist der wunderbarste Spielmann, den man sich wünschen kann. Deswegen ist der Preis für Franz und für mich, weil, ein Liebespaar zu spielen, ist das Schönste und das Schwierigste zugleich."

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