Eilmeldung
This content is not available in your region

Ein Löffel für Alle: Ärger in Rumänien über orthodoxe Praxis in Corona-Zeiten

Eine Frau empfängt die Kommunion in Bukarest, 2018.
Eine Frau empfängt die Kommunion in Bukarest, 2018.   -   Copyright  AP Photo/Vadim Ghirda
Schriftgrösse Aa Aa

Aufnahmen von orthodoxen Priestern in der rumänischen Stadt Cluj haben in Rumänien für Aufregung gesorgt. Der Grund: Hunderten Gläubigen wurde mit ein und dem selben Löffel die Kommunion ausgegeben.

Die Bilder waren am Sonntag von einer lokalen Nachrichtenplattform veröffentlicht worden.

Die Diskussion um den Brauch ist nicht neu, allerdings hatte Rumänien erst am Vortag strenge Maßnahmen angekündigt, um die Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen.

"Viele Priester haben nicht verstanden, worum es hier geht, und da sie keinen Befehl des Patriarchen hatten, gingen sie wie üblich vor", sagte Bogdan Tanase, der Vorsitzende der Ärzte-Allianz Rumäniens. "Das wird Auswirkungen haben. Wenn man 100 Menschen hat, ist die Wahrscheinlichkeit, dass einer davon infiziert ist, hoch", fügte er hinzu.

Preoţi şi credincioşi acuzaţi penal pe motiv de coronavirus. Denunţ penal împotriva celor care au folosit aceeaşi lingură la împărtăşanie www.cluj24.ro

Publiée par Cluj24.ro sur Dimanche 22 mars 2020

Die rumänisch-orthodoxe Kirche hatte am 28. Februar "außergewöhnliche Maßnahmen" angekündigt, nach denen die Gläubigen Priester bitten können, ihren eigenen Löffel zum Kommunionempfang zu benutzen. Allerdings war es ein Angebot und keine Verpflichtung.

Einen Tag, nachdem die Bilder online erschien, kündigten die rumänischen Kirchenbehörden eine Liste neuer Maßnahmen an. Die Gottesdienste dürfen jetzt nur noch online und im Fernsehen ausgestrahlt werden.

Vollständige Ausgangssperre

Am Dienstag kündigte Rumäniens Präsident Klaus Johannis eine vollständige Abriegelung des Landes an, die am heutigen Mittwoch in Kraft tritt. Die Armee soll bei der Durchsetzung der Maßnahmen helfen. Die Menschen dürfen nur noch ihre Häuser verlassen, um zur Arbeit zu gehen oder Lebensmittel einzukaufen. Alle Menschen über 65 Jahren müssen "immer zu Hause bleiben", sagte er.

Acht Todesfälle durch COVID-19 wurden in Rumänien bisher erfasst. Bis Dienstagnachmittag hatte das Land 762 bestätigte Fälle. Bis Dienstag waren bereits 5.500 Menschen in institutionalisierter Quarantäne, weitere 83.970 waren in häuslicher Isolation oder unter medizinischer Aufsicht isoliert.

Die rumänischen Behörden haben zudem bekannt gegeben, dass sich bisher 103 medizinische Fachkräfte mit dem Virus infiziert haben. Am Dienstag wurde eines der größten Krankenhäuser im Nordosten Rumäniens zur Desinfektion geschlossen. Mindestens 52 Ärzte und Krankenschwestern waren positiv getestet worden.

Ärzte wie Tanase machen sich Sorgen um ihr Land. "Ich hoffe, dass die neuen Maßnahmen die Zahl der Patienten gering halten werden, aber meiner Meinung nach kamen die Maßnahmen zu spät", sagte Tanase und fügte hinzu, dass das rumänische Gesundheitssystem "eine solche Belastung nicht bewältigen wird".