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Kanzler Merz noch unbeliebter als andere Regierungschefs in Europa?

Die europäischen Staats- und Regierungschefs haben in den Umfragen zu kämpfen, aber wer ist am unbeliebtesten?
Die europäischen Staats- und Regierungschefs haben in den Umfragen zu kämpfen, aber wer ist am unbeliebtesten? Copyright  @Baptiste Goudier
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Von Tamsin Paternoster
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Neue Umfragen zeigen eine sinkende Zustimmung für Bundeskanzler Friedrich Merz. Auch andere europäische Regierungschefs kämpfen derzeit mit schwachen Umfragewerten.

Die Landtagswahlen in Baden-Württemberg vom 8. März 2026 sind auch ein Rückschlag für den CDU-Chef und Bundeskanzler Friedrich Merz. Seine Christdemokraten kommen im Ländle nur auf Platz 2. Beim Empfang des Spitzenkandidaten Manuel Hagel, der im Wahlkampf in einige Fettnäpfchen getreten war, fehlten nach dem Wahlsonntag in Berlin sogar die Blumen.

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Die Grünen mit Spitzenkandidat Cem Özdemir lagen am Ende mit 30,2 % der Stimmen ganz knapp vor der CDU, im neuen Landtag in Stuttgart haben Grüne und CDU beide 56 Sitze. Dennoch werden sich die beiden Parteien zur Wiederauflage ihrer grün-schwarzen Koalition zusammenraufen müssen.

Die Alternative für Deutschland (AfD) konnte ihr Ergebnis der letzten Landtagswahl in Baden-Württemberg 2021 fast verdoppeln und belegte mit 18,8 % der Stimmen den dritten Platz.

Gleichzeitig deuten sowohl internationale als auch nationale Umfragen darauf hin, dass die Beliebtheit des Bundeskanzlers seit seinem Amtsantritt vor etwa einem Jahr weiter gesunken ist.

Bundeskanzler Friedrich Merz und Generalsekretär Carsten Linnemann applaudieren dem Kandidaten der baden-württembergischen Landtagswahl Manuel Hagel, Berlin. 9. März. 2026.
Bundeskanzler Friedrich Merz und Generalsekretär Carsten Linnemann applaudieren dem Kandidaten der baden-württembergischen Landtagswahl Manuel Hagel, Berlin. 9. März. 2026. AP Photo

Daten des European Leader Tracker von YouGov zeigen, dass die Zustimmung für Merz seit Juni 2025 um 34 Punkte gesunken ist. Im Februar 2026 lag diese bei -48, dies ist ein deutlicher Rückgang gegenüber -14 im Juni 2025.

Dieselbe Studie ergab, dass nur 23 % der Befragten in Deutschland Friedrich Merz positiv beurteilen, während eine große Mehrheit von 71 % eine negative Meinung von ihm hat.

Auch nationale Umfragen zeichnen ein ähnliches, wenn auch etwas weniger negatives Bild des Kanzlers. Laut dem jüngsten ZDF-Politbarometer sind 54 % der Befragten der Meinung, dass Merz als Regierungschef keine gute Arbeit leistet, während 43 % seine Leistung positiv bewerten.

Dieselbe Umfrage ergab zudem, dass sechs von zehn Menschen in Deuschland bezweifeln, dass Merz die CDU künftig effektiv führen kann. Nur 34 % sagen, dass sie ihm dies zutrauen.

Auch bei der persönlichen Beliebtheit liegt er hinter anderen deutschen Politikern zurück. Auf einer Skala von +5 bis -5 erreicht %Friedrich Merz einen Wert von -0,5. Verteidigungsminister Boris Pistorius führt diese Rangliste seit langer Zeit an - derzeit mit +2,1.

Warum sind die Werte von Merz gesunken?

Der Politikwissenschaftler Marc Debus von der Universität Mannheim sagte Euronews, dass der Rückgang teilweise die Enttäuschung über das Tempo der von der Regierung versprochenen Reformen widerspiegele.

"Die Versprechungen der im Mai 2025 ins Amt gekommenen Bundesregierung unter Friedrich Merz - und auch die Versprechen der CDU/CSU während des Wahlkampfs - waren vor allem, dass sich sehr schnell in Deutschland etwas ändern würde und Reformen schnell auf den Weg gebracht würden", sagte Debus gegenüber Euronews.

"Diese Reformen wurden jedoch bei Weitem nicht so schnell beschlossen und implementiert wie versprochen; erst im Winter und in diesem Frühjahr wurden zentrale Änderungen in wirtschafts- und sozialpolitsichen Fragen umgesetzt. Darunter hat die Zufriedenheit mit CDU/CSU und SPD und damit die der Bundesregierung von Kanzler Merz gelitten."

Regionalwahlen, wie die in Baden-Württemberg, könnten als Barometer für die nationale politische Stimmung gesehen werden. Wähler und Wählerinnen nutzen solche Abstimmungen häufig, um ihre Zufriedenheit oder Unzufriedenheit mit der Bundesregierung zum Ausdruck zu bringen.

Europäische Regierungschefs kämpfen mit niedrigen Zustimmungswerten

Die schwachen Werte von Merz spiegeln einen breiteren Trend in Europa wider. Wie die Grafik zeigt, haben mehrere europäische Staats- und Regierungschefs Schwierigkeiten, Popularität in der Bevölkerung zu gewinnen und zu halten.

Merz' Nettozustimmungsrate fiel von -14 im Juni 2025 auf -48 im Februar 2026, der stärkste Rückgang unter den untersuchten Staatsoberhäuptern.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron liegt dabei auf dem letzen Platz: Laut YouGov haben nur 19 % der Franzosen eine positive Meinung von ihm.

Seine Zustimmungswerte sind im vergangenen Jahr konstant niedrig geblieben und fielen zwischen August und September 2025 deutlich, bevor sie sich Anfang dieses Jahres leicht erholten.

Macron ist nicht der einzige französische Präsident mit niedrigen Zustimmungswerten. Im Jahr 2016 lag die Zustimmung für den damaligen Präsidenten François Hollande zeitweise bei nur 4 %.

Auch der britische Premierminister Keir Starmer wird ähnlich schlecht bewertet: Nur 21 % der britischen Bevölkerung haben eine positive Meinung von ihm, während 71 % ihn negativ beurteilen.

Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez und die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni schneiden dagegen etwas besser ab: 32 % der Spanierinnen und Spanier haben eine positive Meinung von Sánchez, während Meloni in Italien auf 35 % kommt. Beide weisen weitgehend stabile Zustimmungswerte auf.

Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen ist die beliebteste der sechs untersuchten Regierungschefs und -chefinnen. 43% der Befragten in Dänemark geben an, dass sie eine positive Meinung von ihr haben, auch vor dem Hintergrund erneuter Drohungen von US-Präsident Donald Trump gegenüber der Insel Grönland.

Keiner der untersuchten Regierungschefs erreicht jedoch eine Zustimmungsmehrheit.

Debus wies darauf hin, dass viele Regierungen im Europa Schwierigkeiten haben, ihre Wahlversprechen zu erfüllen, da internationale Krisen wie der russiche Angriffskrieg gegen die Ukraine, zu einer komplizierteren wirtschaftlichen Lage beitragen.

"In internationalen Krisensituationen, in denen sich Europa seit Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine befindet, müssen Regierungen aufgrund der geänderten Kontextbedingungen und der schlechteren wirtschaftlichen Lage ihre ursprünglichen Versprechen und Pläne abändern, zum Beispiel dadurch, dass mehr Gelder in den Verteidigungsbereich als in andere Politikbereiche fließen müssen," sagte er.

"Dies kann zu Unzufriedenheit der Wähler mit den Regierungen allgemein beitragen."

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