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Mit künstlicher Intelligenz Frühgeborene heilen

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Mit künstlicher Intelligenz Frühgeborene heilen
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Der französische Neonatologe Patrick Pladys leitet das europäische Forschungsprojekt DigiNew-B, das darauf abzielt, Infektionen bei Frühgeborenen mithilfe von Techniken des Tiefenlernens und der künstlichen Intelligenz früher aufzudecken. Im Bonus-Interview erzählt er euronews, wie das vom Projekt entwickelte Gerät, das Leben von Babys retten kann. Das Gespräch wurde vor der Covid-19-Pandemie geführt.

Wir setzen künstliche Intelligenz ein, weil es sich um ein komplexes Problem handelt. Ein Arzt kann normalerweise auf 2 oder 3 Symptome reagieren und sagen: 'Dieses Baby ist krank'. Bei einem Frühgeborenen ist es komplizierter, die Anzeichen sind nicht so auffällig, sie sind unterschiedlich und die beobachteten Symptome sind möglicherweise auf etwas anderes als eine Infektion zurückzuführen. Deshalb brauchen wir die Hilfe der künstlichen Intelligenz, denn damit können wir komplexe Probleme analysieren, d.h. eine ganze Reihe von Parametern in den Entscheidungsfindungsprozess integrieren, künstliche Intelligenz unterstützt den Arzt bei seiner Entscheidung.

Entscheidungshilfe für den Arzt

Zunächst einmal versuchen wir, das Baby nicht invasiv zu behandeln, sondern die verfügbaren Daten zu nutzen. Das sind die Monitore mit der Anzeige von Herzfrequenz, Atemrhythmen, Sauerstoffsättigung. Wir haben klinische Daten, die wir auf Video aufnehmen. Und dann gibt es die Beobachtungen der Krankenschwester. All diese Daten von vielen Babys dienen uns als Grundlage, um die infektionsgefährdeten Babys gegenüber den nicht gefährdeten identifizieren zu können. Ein Kind, das an dieser Testreihe teilnimmt, wird mit der Zeit Daten liefern, die die Wahrscheinlichkeit abbildet, ob es eine Infektion hat oder nicht. Dem Arzt wird eine Alarmschwelle angezeigt. Das ist eine Entscheidungshilfe für ihn, ob er mit der Behandlung beginnen soll oder nicht.

Technologischer und menschlicher Fortschritt

Diese Entwicklung ist ein technologischer und menschlicher Fortschritt, das widerspricht sich nicht. im Gegenteil, ich glaube, dass wir mit diagnostischen Assistenzsystemen Zeit für den Menschen und für die Beziehung Arzt-Patient gewinnen. Die Medizin entwickelt sich in diesen beiden Aspekten ständig weiter. Es gibt sowohl technologische Fortschritte aber es wird auch gleichzeitig viel - zum Beispiel in der Neonatologie - an der Einbeziehung der Eltern in die Behandlung der Frühchen gearbeitet, an allem was die Umgebung des Neugeborenen betrifft. In diesem Bereich werden große Fortschritte gemacht. Es braucht beides, damit die Medizin Fortschritte macht."