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Die Helden der Krise: Systemrelevant, aber unterbezahlt

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Die Helden der Krise: Systemrelevant, aber unterbezahlt
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Bäcker, Kassierer, Apotheker, Pflegepersonal, Busfahrer... Sie alle gehen raus um zu arbeiten, während in ganz Frankreich eine Ausgangssperre herrscht. Diese Menschen kämpfen an vorderster Front gegen die Pandemie - und bekommen oft nicht viel mehr als den Mindestlohn.

Lieferengpässe und fehlende Kunden

Brot, Sandwiches, Törtchen und Eiscreme: In Chantal Correts Bäckerei in Lyon gibt es alles, was das Herz begehrt. Doch etwas fehlt: die Kunden.

Seit 17. März gelten in Frankreich strenge Ausgangsbeschränkungen, Homeoffice ist der neue Alltag. Nicht für Chantal und ihren Mann, die jeden Tag um 5:00 Uhr morgens den Ofen anwerfen, um treue Kunden weiter mit Backwaren zu versorgen.

Der Umsatz ist um 50 Prozent eingebrochen. Gerade genug, um Hilfen vom Staat zu bekommen, hoffen die beiden. Doch ob das Geld wirklich reichen wird, bezweifelt Chantal. "Wir haben so etwas noch nie erlebt, es ist wirklich eine schwere Zeit. Die Regierung denkt vor allem an Restaurants, aber sie sollten auch Betriebe wie unseren nicht vergessen. Bäckerein, die zwar öffnen dürfen, aber mit heftigen Lieferengpässen zu kämpfen haben."

1.000 Euro Prämie für Kassierer

Viele Unternehmen in Frankreich bewegen sich seit bald sieben Wochen wie in Zeitlupe. Doch das Arbeitstempo ist hart - vor allem in den Supermärkten. Die Hygienevorschriften sind streng, der Druck enorm, erklären die Mitarbeiter in einer "Casino"-Filiale in Lyon. Sie sind seit Wochen fast ohne Pause im Einsatz.

"Wir gehen ein Risiko ein, indem wir zur Arbeit kommen, und ganz ehrlich, die Stimmung macht einem Angst", sagt Baptiste Lamier, der hinter der Kasse steht. "Und dann sind da noch unsere Familien. Sie sind besorgt, das ist eine zusätzliche Belastung. Unser Arbeitgeber schätzt unseren Einsatz und sorgt für den nötigen Schutz. Aber das ist eigentlich nicht genug."

Die Regierung hat Kassierern wie Baptiste eine Sonderprämie von je 1.000 Euro versprochen. Doch was passiert nach der Krise? "Die Menschen hier tun so wichtige Arbeit, lebenswichtig. Das wird nicht genug geschätzt", sagt eine Kundin. "Wir sollten nicht nur für Pfleger und Ärzte, sondern auch für Kassierer abends am Fenster klatschen."

"Wir fühlen uns nützlich"

Applaus verdienen auch Menschen wie Busfahrer Sébastien. Er arbeitet in Lyon als Busfahrer. Eine Prämie bekommt er nicht. "Schön wär's. Wir Busfahrer hätten gern eine kleine Geldspritze", sagt der Franzose.

Doch gleichzeitig ist er froh, seinen Teil zur Bewältigung der Krise leisten zu können: "Wir fühlen uns nützlich... für diejenigen, die auf uns angewiesen sind. Leute, die mit dem Bus einkaufen gehen müssen oder zur Arbeit."

Lautstarke Proteste wird es dieses Jahr in Frankreich am Tag der Arbeit nicht geben. Doch die Forderungen sind die gleichen und dringlicher denn je: höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen für Menschen, die unsere Gesellschaft am Leben halten.