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Mutmaßlicher Ruanda-Völkermörder gefasst - 100 noch frei?

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Mutmaßlicher Ruanda-Völkermörder gefasst - 100 noch frei?
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Er galt als einer der meistgesuchten mutmasslichen Kriegsverbrecher weltweit. Félicien Kabuga, mutmaßlicher Finanzier des Tutsi-Völkermords in Ruanda, ist in Frankreich festgenommen worden.

Der 84-jährige Mann lebte unter falscher Identität im Département Hauts-de-Seine bei Paris.

Das französisch-ruandische Ehepaar Alain und Dafroza Gauthier sucht seit 20 Jahren unermüdlich nach ruandischen Völkermördern, die sich auf französischem Boden verstecken. Die Verhaftung sei “unerwartet”, sagten sie Euronews, und sprachen von “immenser Genugtuung”.

Alain Gauthier, Präsident "Civil Party Collective for Rwanda" ("Bürgerparteikollektiv für Ruanda"):

“Auch wenn wir Kabuga nicht direkt mit aufgespürt haben, ist das eine außergewöhnliche Nachricht für uns, das liegt auf der Hand. Ich weiß nicht, was als Nächstes auf richterlicher Ebene passieren wird. Aber die Tatsache, dass dieser Völkermord-Finanzier verhaftet wurde, könnte Auswirkungen auf andere wichtige ruandische Persönlichkeiten haben, die sich in Frankreich aufhalten.”

NOCH 100 MITTÄTER IN FRANKREICH UNTERWEGS?

Er schätzt, dass sich bis zu 100 mutmaßliche Mittäter in Frankreich aufhalten könnten, die eine Rolle bei der Planung des Tutsi-Völkermords gespielt haben.

Obwohl er bereits Dutzende von Beschwerden vor französischen Gerichten eingereicht hat, bleibe die Verhaftung von Félicien Kabuga bei Paris eine Überraschung. Er habe sich wohl für einen beschützten Mann irgendwo im Ausland gehalten.

Alain Gauthier:

"Auch ohne den Fall Kabuga galt Frankreich bei vielen als Aufnahme-Land für ruandische Völkermörder. Wir haben etwa 30 Beschwerden eingereicht, aber wir könnten noch viel mehr einreichen, wenn wir die Zeit und die Mittel hätten, um nachzuforschen. Es ist trotzdem eine Überraschung, dass Kabuga auf französischem Boden gefunden wurde."

BIS ZU 1.000.000 OPFER

Félicien Kabuga wird von der internationalen Justiz beschuldigt, sein Vermögen und seine Netzwerke zur Finanzierung der Morde genutzt zu haben.

In Ruanda war er Präsident des berüchtigten Radio Télévision Libre des mille-collines, Hauptinstrument der Hutu-Macht, das Hass auf die Minderheit der Tutsis verbreitete und zu Massakern aufrief.

1994 fielen dem Völkermord an den Tutsis und gemäßigten Hutus zwischen 800.000 und 1.000.000 Menschen zum Opfer.

su mit AFP, AP