Paris und Kigali: Gemeinsames Gedenken an den Völkermord in Ruanda vor 29 Jahren

Gedenkveranstaltung für Opfer des Völkermords in Ruanda
Gedenkveranstaltung für Opfer des Völkermords in Ruanda   -  Copyright  Christophe Ena / AP Photo
Von Euronews  mit AFP

Bald wird es in der französischen Hauptstadt ein Denkmal für die Opfer des Genozids geben, es soll im Herzen von Paris am Ufer der Seine errichtet werden.

In Paris haben Überlebende des Völkermordes vor 29 Jahren in Ruanda gedacht. Bald wird es in der französischen Hauptstadt ein Denkmal für die Opfer des Genozids geben, es soll im Herzen von Paris am Ufer der Seine errichtet werden.

Die Initiative geht auf den französischen Präsidenten Emmanuel Macron, der 2021 bei einem Besuch in Ruanda die politische Mitverantwortung Frankreichs für die furchtbaren Geschehnisse 1994 anerkannt und dafür um Vergebung gebeten hatte.

Eine wichtige Geste der Annäherung und Erinnerung

In einer Erklärung aus dem Elysée-Palast hieß es dazu, es geht darum, "eine nationale, sichtbare und dauerhafte Hommage an das Andenken der Opfer zu schaffen". Ende Mai soll eine öffentliche Ausschreibung für die Gedenkstätte veröffentlicht werden.

Marcel Kabanda, Präsident der Überlebenden-Vereinigung Ibuka France begrüßte eine "sehr wichtige" Geste. "Das ist Teil des Bestrebens, die Erinnerung und die Beziehungen zwischen Frankreich und Ruanda zu befrieden. Denn einer der Hauptstreitgründe war der Völkermord. Sobald dieser anerkannt ist, man gemeinsam Erinnerungs- und Gedenkarbeit leistet, nach der Wahrheit sucht, kann man zusammen leben."

Mehr als 800.000 Menschen - vor allem Tutsi - wurden getötet

Auch in Ruandas Hauptstadt Kigali fand wie jedes Jahr eine Zeremonie in der Völkermordgedenkstätte Gisozi statt, die den Beginn der 100-tägigen Gedenkfeierlichkeiten markierte.

Nach Angaben der UNO wurden zwischen April und Juli 1994 mehr als 800.000 Menschen getötet, vor allem Angehörige der Tutsi-Minderheit, aber auch viele gemäßigte Hutu. Allein in Kigali liegen mehr als 250.000 Tutsi begraben.

Frankreich, das damals enge Beziehungen zum ruandischen Regime unterhielt, wurde von Kigali lange Zeit der "Komplizenschaft" beschuldigt. Eine von Präsident Macron eingesetzte Historikerkommission kam 2021 zu dem Schluss, dass Frankreich eine "schwere und überwältigende Verantwortung" trage, schloss jedoch eine Mittäterschaft aus. 

Dieser Bericht ermöglichte eine beispiellose Annäherung zwischen Paris und Kigali nach jahrzehntelangen Spannungen.

In Paris gibt es bereits einen "Garten der Erinnerung" an den Völkermord in Ruanda im Parc de Choisy im Süden der Hauptstadt und eine Stele auf dem Friedhof Père-Lachaise.

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