Eilmeldung
This content is not available in your region

Frankreichs neuer Regierungschef wird Allrounder Jean Castex (55)

euronews_icons_loading
Der neue Premier Castex
Der neue Premier Castex   -   Copyright  Gonzalo Fuentes/Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved
Schriftgrösse Aa Aa

Der Nachfolger des zurückgetretenen Ministerpräsidenten in Frankreich wird Jean Castex (55). Der 55-Jährige gilt als ein "Schweizer Messer" der Politik - also als eine Art Allround-Talent. Allerdings ist er auch bei den Franzosen kaum bekannt. Er kommt aus der ländlichen Region Gers in der Nähe des südwestfranzösischen Toulouse.

Zuletzt hatte Emmanuel Macron ihn damit beauftragt, den Ausstieg aus der Ausgangssperre zu organisieren.

Zuvor war Castex unter dem konservativen Staatschef Nicolas Sarkozy tätig.

Staatspräsident Macron hatte nach der Niederlage seiner Partei "La République en Marche" bei der Kommunalwahl eine Neuorientierung seiner Politik angekündigt, ein Schlagwort: «Ökologischer Wiederaufbau» - aber auch sein gutes Verhältnis zu Philippe betont.

Schon zuvor hatte es geheißen, Edouard Philippe strebe selbst das höchste Amt im Staat an. Er war am vergangenen Wochenende als Bürgermeister der Hafenstadt Le Havre überzeugend wiedergewählt worden - und ist in Umfragen derzeit populärer als Macron. Während der schweren Corona-Krise hatte es Spannungen an der Spitze des Staates gegeben. So drückte Macron beim Lockern der strikten Ausgangsbeschränkungen aufs Tempo, während Philippe bremste und als ruhig wirkender Krisenmanager Eindruck machte.

Macron war nach der Endrunde der Kommunalwahlen Ende Juni erheblich unter Druck geraten, da sich sein Mitte-Lager bis auf wenige Ausnahmen nicht in großen Städten durchsetzen konnte. Stattdessen gab es eine «grüne Welle» - Grüne und ihre Verbündeten eroberten große Städte wie Lyon, Straßburg oder Bordeaux. In der südwestfranzösischen Stadt Perpignan setzte sich ein Kandidat der Rechtsaußenpartei Rassemblement National (RN – früher Front National) durch.

Wer ist Edouard Philppe?

Edouard Philippe war auch in Frankreich weitgehend unbekannt, als ihn Emmanuel Macron am 15. Mai 2017 zum Premierminister ernannte. Er hatte zuvor mit dem ehemaligen konservativen Regierungschef Alain Juppé zusammengearbeitet - und er war für den Atomkonzern AREVA tätig, was in Zeiten des Höhenflugs der französischen Grünen als ein Handicap erscheint.

Der ursprünglich aus dem Lager der bürgerlichen Rechten stammende Politiker ist nie der Präsidentenpartei "La République en Marche" (LREM) beigetreten, er gilt als konsequenter Liberaler.

In Frankreich befragt derzeit ein Untersuchungsausschuss die Gesundheitsminister der vergangenen Monate und Jahre zu möglichen Fehlern im Management der Coronavirus-Pandemie. Mehr als 29.000 Menschen sind in Verbindung mit Covid-19 gestorben, die meisten in Altenheimen.

su mit dpa