Eilmeldung
This content is not available in your region

Üble Schlammschlacht zwischen Vettel und Ferrari: "Ihr habt es verbockt"

Sebastian Vettel in Silverstone
Sebastian Vettel in Silverstone   -   Copyright  Mark Sutton/Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved
Schriftgrösse Aa Aa

Nichts geht mehr zwischen dem Heppenheimer Sebastian Vettel und seinem Noch-Arbeitgeber. Vettel giftet mittlerweile offen gegen Ferrari, aber die Italiener werfen dem Deutschen mangelnde Selbstkritik vor. "Ich glaube, von da wo ich bin, kann es nicht mehr viel schlimmer werden", meinte der 33-Jährige und machte sich nach der letzten Frage bei der Ferrari-Sprechstunde am Sonntagabend aus dem Staub.

Max Verstappen hatte den Grand Prix in Silverstone im Red Bull vor Lewis Hamilton und Valtteri Bottas (Mercedes) gewonnen. Für Weltmeister Hamilton war es diesmal zwar kein Sieg in Großbritannien, aber doch der 35-Jährige fuhr doch souverän aufs Podest.

Andrew Boyers/Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved
Die Sieger in SilverstoneAndrew Boyers/Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved

Vettel ließ seinen Stallrivalen Charles Leclerc und Teamchef Mattia Binotto nach einer weiteren Frust-Fahrt in Silverstone zurück. Und nach den Erfahrungen in dieser ohnehin schon so missratenen Saison für den italienischen Rennstall kann man längst nicht mehr ausschließen, dass es für Vettel nicht doch noch weiter abwärts gehen könnte.

"Ihr wisst, dass Ihr es verbockt habt."

Dabei steckt der Hesse schon in seiner schlechtesten Formel-1-Saison seit seinem ersten kompletten Jahr bei Toro Rosso 2008. Vettel geht sogar immer mehr auf Distanz zu seinem einstigen Dreamteam und reagiert mitunter mit eisigem Schweigen auf Ansagen des Kommandostands. Während des Fiaskos mit Platz zwölf in England nach einem vorgezogenen Boxenstopp und anschließendem Stau giftete er: "Ihr wisst, dass Ihr es verbockt habt."

Frank Augstein/Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved
Sebastian Vettel in SilverstoneFrank Augstein/Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved

Italienische Sportpresse gegen Vettel

In Italien kommentierte die «Gazzetta dello Sport» genervt von Vettel und im wohl nur schwer zu erschütternden Glauben an das Nationalheiligtum Ferrari: "Das Dreher-Festival geht weiter, dieses Jahr stehen wir schon bei zwei. Aber anstatt, dass der Deutsche seine Schuld eingesteht, beschuldigt er die Maschine und die Strategie. Es wird Zeit, eine neue Platte aufzulegen."

Der verärgerte Vettel geht längst öffentlich die Konfrontation ein. Ferrari entschied sich zu der diskussionswürdigen Reifenstrategie allerdings auch erst, nachdem der Heppenheimer schon in der ersten Runde wegen eines mutmaßlichen Schlags an seinem Wagen einen Dreher hingelegt hatte und bis ans Ende des Feldes zurückgeworfen worden war. Die Scuderia setzte daraufhin ihre Punktehoffnungen auf Leclerc, der Monegasse wurde am Ende sogar noch Vierter.

Binotto wollte deshalb von verfehlter Taktik nichts wissen. "Er hat seinem Rennen am Start geschadet, das war der Schlüssel, nicht unsere Strategie», befand der Schweizer. In ihrer Pressemitteilung titelten die Italiener dann: «Charles, Vierter, aufgrund von Strategie und Können." Zu Vettel gab es auf dem Briefkopf keine Zeile.

"Er durchlebt gerade aber eine schwierige Phase."

Was macht man nun, wenn die Scheidung längst eingereicht ist, man es aber wegen vertraglicher Abmachungen noch einige Monate zusammen aushalten muss? Im Fall Ferrari-Vettel versucht man wohl gezwungen noch ein bisschen gute Miene zum freudlosen Spiel zu machen. Die Trennung zum Jahresende dürfte dann aber nicht zuletzt für Vettel, der für 2021 weiter als heißer Kandidat für ein Cockpit beim künftigen Aston-Martin-Werksteam gilt, wie eine Erlösung wirken. "Ich denke nicht, dass Sebastian seinen Glauben verloren hat", meinte Binotto und schob großväterlich hinterher: "Er durchlebt gerade aber eine schwierige Phase."

Das ist natürlich untertrieben für einen Immer-noch-Topfahrer, der neben vier WM-Titeln mit Red Bull auch insgesamt 53 Grand Prix in seiner Karriere gewonnen hat. "Im Moment habe ich sicher nicht den besten Lauf, ich vertraue aber dem Team um mich herum und jedem in der Garage", meinte Vettel bei der Fragestunde, aber auch nicht mehr richtig überzeugend. Für das nächste Rennen sei er ganz aufgeschlossen. Das klingt jetzt auch nicht wirklich danach, als ob er es am Wochenende in Barcelona aufs Siegertreppchen schaffen könnte.