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Belarus: Swetlana Tichanowskaja ist nach Litauen geflohen

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Belarus: Swetlana Tichanowskaja ist nach Litauen geflohen
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Nach der von Manipulationsvorwürfen überschatteten Präsidentenwahl in Belarus ist die Oppositionskandidatin Swetlana Tichanowskaja ins benachbarte Litauen ausgereist. Nach Angaben von Tichanowskajas Stab haben sie die belarussischen Behörden selbst außer Landes geschafft.

"Sie hatte keine Wahl. Wichtig ist, dass sie in Freiheit und am Leben ist", wird Tichanowskajas Vertraute Olga Kowalkowa in Minsk von dem Portal tut.by zitiert. Tichanowskaja habe mit ihrer Flucht auch die Freilassung ihrer Wahlkampfleiterin Maria Moros erreicht. Moros sei eine "Geisel" gewesen. Beide seien gemeinsam ausgereist.

Der litauische Außenminister Linas Linkevicius teilte via Twitter mit, dass die Politikerin in Sicherheit ist.

Der Minister hatte sich am Montagabend angesichts der Gewalt in Belarus besorgt gezeigt um die Sicherheit der zweifachen Mutter. Tichanowskaja hatte am Vortag noch bei einer Pressekonferenz gesagt, dass sie im Land bleiben würde und weiter kämpfen wollte.

Tichanowskaja hatte sich aber auch massiv bedroht gefühlt von den Sicherheitskräften um den autoritären Präsidenten Alexander Lukaschenko. Die 37-Jährige hatte zuvor auch ihre Kinder außer Landes bringen lassen. Ihr Mann Sergej Tichanowski, ein regierungskritischer Blogger, sitzt in Haft. Tichanowskaja war an seiner Stelle bei der Wahl angetreten und hatte als einzige Oppositionelle eine Zulassung als Kandidatin erhalten.

Proteste münden erneut in Ausschreitungen

Unterdessen ist es in Belarus die zweite Nacht in Folge landesweit zu Protesten gekommen. In der Hauptstadt Minsk kam dabei ein Demonstrant ums Leben.

Tausende Menschen waren auf den Straßen unterwegs. Es kam teils zu blutigen Zusammenstößen mit der Polizei. Diese feuerte Berichten zufolge Blendgranaten ab, um die Menschen auseinanderzutreiben. Auch Gummigeschosse sollen eingesetzt worden sein. Demonstranten blockierten Straßen mit Autos. Die Menschen skandierten "Es lebe Belarus" und "Freiheit".

Medienberichten zufolge wurde schwere Militärtechnik in das Zentrum von Minsk gebracht. Staatspräsident Alexander Lukaschenko hatte im Wahlkampf mit dem Einsatz der Armee gedroht, um Putschversuche zu verhindern. In der Hauptstadt versuchte die Polizei, die Menschen aus dem Stadtzentrum zu vertreiben.

Lukaschenko, der seine Macht nicht abgeben will, bezeichnete die Opposition als vom Ausland manipulierte Schafe.

Sie wollen Unordnung im Land stiften. Ich habe davor gewarnt, dass es keinen Maidan geben wird, auch wenn sich das einige Leute wünschen. Die Menschen müssen sich wieder beruhigen.
Alexander Lukaschenko
Staatspräsident Belarus

Lukaschenkos Herausforderin Swetlana Tichanowskaja hatte eine Neuauszählung der Stimmen gefordert. Sie erkennt das Ergebnis nicht an. Die Oppositionskandidatin kam dem offiziellen Ergebnis zufolge bei der Abstimmung nur auf 10 Prozent. Ihr Wahlkampfteam geht davon aus, dass sie zwischen 70 und 80 Prozent der Stimmen errungen hat.

Die Behörden sollten darüber nachdenken, wie sie die Macht friedlich an uns übergeben können. Bislang haben sie nur mit Gewalt gegen friedliche belarussische Bürger reagiert.
Swetlana Tichanowskaja
Oppositionskandidatin

Im Ausland löste die Gewalt nach der Wahl Besorgnis aus. UN-Generalsekretär António Guterres rief die Behörden in Belarus dazu auf, "absolute Zurückhaltung und vollsten Respekt für das Recht auf Meinungsfreiheit, friedliche Versammlungen und das Bilden von Gruppen" zu zeigen.

Das Weiße Haus in Washington äußerte sich "tief besorgt". Man fordere die Regierung von Belarus auf, das Recht auf friedliche Versammlung zu respektieren und keine Gewalt anzuwenden, hieß es.

Für den heutigen Abend sind erneut Proteste angekündigt.