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Belarus: Opposition ruft zu neuen Streiks auf

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Eine Frau protestiert mit der alten belarussischen Nationalflagge auf einem Dach am Unabhängigkeitsplatz in Minsk
Eine Frau protestiert mit der alten belarussischen Nationalflagge auf einem Dach am Unabhängigkeitsplatz in Minsk   -   Copyright  Evgeniy Maloletka/AP Photo
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Im Machtkampf in Belarus hat die Opposition zum Start in die neue Arbeitswoche zu Streiks in den Staatsbetrieben gegen Präsident Alexander Lukaschenko aufgerufen.

Zuvor kamen rund 100.000 Menschen zu einer Großkundgebung in der Hauptstadt Minsk, um gegen die Regierung zu demonstrieren. Bei den Massenprotesten blieb die Lage friedlich. Das Aufgebot an Sicherheitskräften war aber deutlich stärker als am Sonntag vor einer Woche.

Maria Kolesnikowa, Mitglied des Koordinierungsrates der Opposition, verglich die Proteste mit einem Marathon.

Das Regime hält diesen Marathon nicht durch, wir jedoch schon. Wir haben die Macht, den Willen und die Unterstützung von jedem. Jeder einzelne muss auf die Straße gehen, das Wort ergreifen, aufstehen, sich beschweren, die Zusammenarbeit verweigern, boykottieren und widersprechen.
Maria Kolesnikowa
Oppositionspolitikerin

Lukaschenko trägt Maschinenpistole

Staatschef Lukaschenko ließ sich am Sonntagabend in schusssicherer Weste von einem Hubschrauber in seinen Präsidentenpalast bringen. Der Präsident bezeichnete die Demonstranten als "Ratten". Zu sehen war auch, wie Lukaschenko mit einer Kalaschnikow-Maschinenpistole in der Hand in schwarzer Montur den Hubschrauber verließ und zum Palast ging.

Oppositionsnahe Quellen im Nachrichtenkanal Telegram hoben hervor, dass in der Waffe kein Magazin gewesen sei.

Der wegen Vorwürfen beispiellosen Wahlbetrugs unter Druck geratene Politiker droht inzwischen allen, die sich gegen ihn stellen, mit dem Verlust des Arbeitsplatzes und der Existenz. Er kündigte eine härtere Gangart gegen die Opposition an. Unklar ist, ob es zu neuer Polizeigewalt oder sogar dem angedrohten möglichen Einsatz der Armee kommt, um die Proteste zu unterdrücken.

Menschenketten in Prag und Tallinn

Solidarität mit der Opposition auch in der tschechischen Hauptstadt Prag: Rund 100 Personen bildeten auf der historischen Karlsbrücke eine Menschenkette.

AP Photo
Katihrin Yaromich protestierte in PragAP Photo

"Ich bin hier, weil ich jetzt nicht in Belarus sein kann", sagt Katihrin Yaromich. "Ich will Unterstützung und Solidarität mit meinem Volk zeigen, denn ich komme aus Belarus, (aus Brest). Was dort alles passiert, ist traurig. Ich hoffe, dass wir alle etwas verändern können."

Auch in Estland gingen viele Menschen trotz Regens auf die Straße. Die Menschenkette in Tallinn reichte von der belarussischen Botschaft bis hin zum Platz der Freiheit.