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Belarus: Lukaschenko-Gegner gehen trotz Warnung in Massen auf die Straßen

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Belarus: Lukaschenko-Gegner gehen trotz Warnung in Massen auf die Straßen
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Die belarussische Hauptstadt Minsk diesen Sonntag: Über 100.000 Menschen waren trotz Warnungen der Regierung auf die Straße gegangen, um erneut gegen Staatschef Alexander Lukaschenko zu demonstrieren.Manche Quellen sprechen von 200.000 Teilnehmern.

Auch in anderen Städten des Landes gab es Demonstrationen. Die Kundgebungen verliefen weitgehend friedlich. Es gab auch keine Berichte über Festnahmen. Begleitet wurde der Protest von Uniformierten.

Die Polizei warnte in Lautsprecherdurchsagen immer wieder vor der Teilnahme an der ungenehmigten Kundgebung. Lukaschenko hatte mit "hartem Durchgreifen" gedroht, um die Ex-Sowjetrepublik wieder zur Ruhe zu bringen. Allerdings war die Menge auf den Straßen so groß, dass die Polizei dem nichts entgegensetzen konnte

Solidarität für die Proteste in Belarus kam unter anderem aus dem Nachbarland Litauen. Rund 50.000 Menschen bildeten in Anlehnung an den "Baltischen Weg" von 1989 eine etwa 30 Kilometer Kette von der Hauptstadt Vilnius zum Grenzort Medininkai. Mit dabei auch der litauische Präsident Gitanas Nauseda sowie dessen Vorgängerin Dalia Grybauskaitė und sein Vorgänger Valdas Adamkus.

Und auch in der ukrainischen Haupstadt bekundeten Demonstranten ihre Unterstützung für die Lukaschenko-Gegner in Belarus.

Lukaschenko zeigt bisher kein Entgegenkommen. Am Sonntag besuchte er Truppen in Grodno. Er versetzte die Streitkräfte in volle Gefechtsbereitschaft. Und er warf Polen und Litauen vor, die Proteste im Land anzustacheln.

Später ließ er sich bewaffnet und in schusssicherer Weste in seinen Palast bringen. Das Staatsfernsehen zeigte, wie Lukaschenko mit einer Kalaschnikow-Maschinenpistole in der Hand in schwarzer Montur den Hubschrauber verließ und zum Palast ging. Oppositionsnahe Quellen im Nachrichtenkanal Telegram hoben hervor, dass in der Waffe kein Magazin gewesen sei.

Unterdessen sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow, die Niederlage Lukaschenkos bei der Präsidentenwahl sei nicht erwiesen. Ohne die Anwesenheit unabhängiger internationaler Wahlbeobachter sei es schwierig, jemanden davon zu überzeugen, dass das Ergebnis gerade andersherum gewesen sein soll, sagte Lawrow bei einem Jugendforum.

Lawrow warf der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) vor, trotz einer Einladung nicht zur Wahlbeobachtung in Belarus gereist zu sein. Die OSZE hatte mitgeteilt, dass sie lange auf eine Einladung gewartet habe. Nach einer Mitteilung der OSZE, dass wegen einer fehlenden Einladung niemand komme, erklärte Lukaschenko, dass doch alle herzlich willkommen seien, die Abstimmung zu beobachten.