Eilmeldung
This content is not available in your region

Belarus: Minsk vor "Marsch der Freiheit"

euronews_icons_loading
Belarus: Minsk vor "Marsch der Freiheit"
Copyright  Dmitri Lovetsky/Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved
Schriftgrösse Aa Aa

In der belarussischen Hauptstadt Minsk kamen am Samstagabend Tausende Menschen zur Demonstrationen zusammen. Sie forderten Präsident Alexander Lukaschenko erneut zum Rücktritt auf. Seit den Wahlen vom 9. August, kommt es in dem Land täglich zu Protesten und Streiks in den Staatsbetrieben.

"Wir sind zu viele, sie können nicht alle entlassen und einsperren", sagt Demonstrantin Irina. "Wenn sie hundert Menschen ins Gefängnis stecken, werden morgen zweihundert demonstrieren. Die Menschen ertragen es nicht mehr. Wir sind am Abgrund."

Bei einem Militärbesuch in Grodno, im Westen des Landes, erklärte Lukaschenko, dass er die Proteste vom Ausland - und zwar von den EU- und Nato-Nachbarländern Polen und Litauen - aus gesteuert sieht. Beweise lieferte er nicht, behauptete aber auch, dass es gegen Belarus gerichtete Nato-Truppenbewegungen an der Westgrenze gebe.

"Der Präsident, den sie wollen"

Der 65-Jährige Staatschef versetzte die Streitkräfte in volle Gefechtsbereitschaft. Er trat in Grodno auch bei einer Kundgebung vor Unterstützern auf und warnte vor einer Revolution. Lukaschenko betonte, dass die Nato zur Unterstützung von Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja bereit sei, in das Land einzumarschieren.

Der erste Schritt ist die Freilassung der politischen Gefangenen. Mit Hilfe des Koordinierungsrates können wir einen Dialog führen, aus dem neue transparente und faire Wahlen entstehen. Die Menschen werden die Möglichkeit bekommen, den Präsidenten zu wählen, den sie wollen.
Swetlana Tichanowskaja
Oppositionsführerin

Am Sonntagnachmittag soll es in Minsk zu neuen Großprotesten kommen. Bei einer Kundgebung und einem "Marsch der Freiheit" werden trotz Regenwetters Zehntausende Menschen erwartet.

Die von Vorwürfen beispiellosen Betrugs begleitete Präsidentenwahl hat die größte innenpolitische Krise des Landes ausgelöst. Der als "letzter Diktator Europas" verschriene Lukaschenko hatte sich nach 26 Jahren an der Macht mit 80 Prozent der Stimmen zum sechsten Mal in Folge zum Sieger der Präsidentenwahl erklären lassen.