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Europas neue Horizonte: klimaneutrale, intelligente Städte

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Europas neue Horizonte: klimaneutrale, intelligente Städte
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Die Europäische Union hat ein neues, umfangreiches Programm für Forschung und Innovation geplant. "Horizont Europa" folgt auf das laufende Programm "Horizont 2020" und soll die Erforschung wichtiger gesellschaftlicher Fragen fördern. Es wird eines der größten Förderprogramme für Forschung und Innovation weltweit sein. Die Inhalte orientieren sich an wichtigen gesellschaftlichen Fragestellungen wie zum Beispiel Gesundheit, Umwelt und Verkehr. Das vorgeschlagene Budget beläuft sich auf 100 Milliarden Euro. Ein zentrales Ziel ist es, Exzellenz in der europäischen Wissenschaft zu fördern. "Horizont Europa" startet Anfang 2021 und hat eine Laufzeit von sieben Jahren.

Städte werden in Zukunft wie ein Ökosystem funktionieren

Diese Futuris-Sonderausgabe ist den Missionen gewidmet, die die Europäische Union in den Bereichen Forschung und Innovation auf den Weg bringt, um Lösungen für die wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit zu finden. Das Programm "Horizont Europa" wird 2021 gestartet. Die fünf Aufgabenbereiche der Missionen sind: Krebsbekämpfung, Gesunde Ozeane, Gesunde Ozeane, Meere, Küsten- und Binnengewässer, Bodengesundheit und Ernährung, Anpassung an den Klimawandel, einschließlich der gesellschaftlichen Veränderungen sowie klimaneutrale, intelligente Städte.

Thema heute ist, wie 100 europäische Städte bis 2030 klimaneutral werden. Hanna Gronkiewicz-Waltz, Vorsitzende der Mission "Klimaneutrale und intelligente Städte", hat euronews erklärt, warum es so wichtig ist, die Umweltauswirkungen innerhalb der Städte zu reduzieren.

"Städte bedecken etwa 3 Prozent der Erde und sie produzieren etwa 72 Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen. Städte sind also genau der Ort, an dem wir Einfluss auf die Veränderung des Klimas nehmen können, um es neutral zu machen. Denn Mobilität, Wohnen, Abfall, all dies sind Themen, die durch eine Reduzierung der Emissionen angegangen werden können", sagt Hanna Gronkiewicz-Waltz, Vorsitzende des Missionsgremiums "Klimaneutrale und intelligente Städte. "Unser Ziel ist es vor allem, 100 Städte in Europa zu unterstützen, zu fördern und als Vorbild zu präsentieren. Wir wollen ihnen beim Transformationsprozess zur Klimaneutralität helfen."

Laufende Projekte in Valladolid und Palencia

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Städten. Bis 2050 werden es 80 Prozent der Menschen sein. Mit spezifischen Maßnahmen sollen Ballungsgebiete klimaneutral werden, um die Umwelt und unsere Lebensqualität zu schützen. In Valladolid, der Hauptstadt der spanischen autonomen Region Kastilien-León, die größte Region Europas, wurde diese Strategie im Rahmen des EU-Projekts Remourban umgesetzt. Es umfasst verschiedene Initiativen. Zwei weitere Leuchtturmstädte, Nottingham (Gro´ßbritannien) und Tepebasi-Eskisehir (Türkei) , sowie zwei "Nachahmer"-Städte (fellow cities) - das Seraing (Belgien) und das Miskolc (Ungarn) - sind an dem Projekt beteiligt.

"Wir haben Maßnahmen in Bereichen wie Energieeffizienz in Gebäuden, nachhaltige Mobilität oder die Einführung von Informations- und Kommunikationstechnologien umgesetzt", erklärt Miguel Ángel García-Fuentes, Remourban-Projektkoordinator, Architekt, CARTIF-Technologiezentrum. "Was die Mobilität betrifft, so haben wir eine Ladeinfrastruktur aufgebaut mit 63 Lade-Stationen in der ganzen Stadt. Wir haben außerdem verschiedene Lieferflotten mit 45 Elektrofahrzeugen für den letzten Kilometer innerhalb der Stadt ausgestattet. Außerdem wurden im Rahmen des Projekts zwei Elektrobusse sowie von der Stadtverwaltung drei weitere eingesetzt."

Das Aufladen der Busse dauert nur sechs Minuten. Zusammen mit einer Flotte von Dutzenden Elektro-Fahrzeugen sowie Ladestationen haben diese Neuerungen die Gewohnheiten der Bürger verändert:.

"Bürger und Nutzer haben die Initiativen sehr begrüßt. Insbesondere diejenigen, die die Stadt sehr intensiv nutzen - für den städtischen Güterverkehr, die Zustellung auf dem letzten Kilometer oder Taxis und große Fahrzeugflotten, die in der Stadt zirkulieren", erzählt Modesto Mezquita, Innovations-Koordinator Stadtverwaltung Valladolid.

Stadtviertel werden energetisch nachgerüstet

In Valladollids Stadtviertel Fasa wurde ein Niedrigenergie-Konzept umgesetzt: Gebäude-Fassaden bekamen eine Isolierung und auf einem Turm wurden riesige Solarmodule installiert. Der damit erzeugte Strom wird in das Fernwärmenetz eingespeist. Außerdem ersetzen Biomasse-Heizsysteme die alten Gas- und Brennstoffkessel. Diese Maßnahmen ermöglichten Energieeinsparungen von über 30 Prozent und einen beispiellosen Komfort in Bezug auf die Temperatur.

Juan María Sánchez-Cuéllar, Entwicklungs-Manager Veolia: "Mit den Einsparungen, die wir durch die Verringerung des Verbrauchs erzielen, zahlt sich die Investition entsprechend aus. Und auf der anderen Seite, und nicht weniger wichtig, ist die Einsparung von CO2-Emissionen. Mit diesem Projekt sparen wir jährlich etwa 780 Tonnen CO2 ein, was der jährlichen Pflanzung von 2500 Bäumen entspricht."

Schlüsselfaktor Energie

Die Entwicklung zu einer intelligenten Stadt umfasst mehrere Aspekte, aber der Bereich Energie ist ein Schlüsselfaktor, erklärt Rubén García, Koordinator des mySMARTlife-Projekts, das in Palencia durchgeführt wurde. Die mittelgroße Stadt leigt etwa 50 Kilometer von Valladolid entfernt.

"Diese Projekte sind darauf ausgerichtet, an der Nachhaltigkeit der Städte zu arbeiten, an ihrer Resilienz. Unsere Städte sind offensichtlich sehr große Energieverbraucher. Viele Menschen leben in Städten, in Ballungsgebieten gibt es Probleme, saubere Energie bereitzustellen. Was diese Art von Projekten fördert, ist die Entwicklung innovativer Pilotprogramme für diesen Energiewandel", so Rubén García, mySMARTlife-Projektkoordinator, Ingenieur für Prozesssysteme, CARTIF.

Nachhaltige Stadt-Entwicklung, Reduzierung der CO2-Emissionen sowie eine verstärkte Nutzung erneuerbarer Energiequellen gehören zu den Zielen des EU-Projekts MySMARTLife, das Palencia als "Nachahmer"-Stadt der drei Leuchtturmstädte Nantes, Hamburg und Helsinki umgesetzt hat.

Alfonso Polanco Rebolleda, stellvertretender Bürgermeister Palencia: "Palencia setzte mehrere Initiativen um. Eine davon verbesserte die städtische Beleuchtung: Wir haben jetzt eine weniger umweltbelastende LED-Beleuchtung, die viel besser wahrnehmbar ist und den CO2-Ausstoß reduziert, was uns wichtig ist. Die Reduzierung der Emissionen beträgt 30 Prozent, sprich 30 Prozent weniger CO2-Emissionen. Die Energieeinsparung beträgt 50 Prozent des vorherigen Verbrauchs."

Palencia hat inzwischen 57 Prozent des gesamten Straßenbeleuchtungsnetzes auf LED-Technologie umgerüstet. Intensität und Dauer der Beleuchtung können nach verschiedenen Parametern verändert werden:

"Dank der intelligenten Beleuchtung können wir das Licht Punkt für Punkt steuern. Wir können es für den Sommer oder den Winter programmieren, je nach den verschiedenen Wetter-Bedingungen und dem Standort der Leuchte. Wir können bestimmte Beleuchtungs-Programme einsetzen: Zum Beispiel konnten wir während des Lockdowns, unter dem wir alle gelitten haben, die Beleuchtung durch die Punkt-zu-Punkt-Steuerung um bis zu 30 Prozent reduzieren", erklärt Gabriel Rubí, Leiter der Umweltabteilung, Stadtverwaltung Palencia.

Die Entwicklung und das Vorbild-Modell dieser nachhaltigen Projekte, die ineinander greifen, ebnen den Weg für zukünftige städtische Strategien, die man auf die jeweilige Stadt abstimmen kann.

Mario Simón Martín, Bürgermeister von Palencia, sagt: "Wir haben jetzt die Pflicht, die Stadt so zu planen, wie wir sie 2030 haben wollen. Eine Stadt, in der all diese Projekte abgeschlossen sein werden, und eine Stadt, die weiter daran arbeitet, ein einladender Ort zu sein mit einer guten Lebensqualität."

Die Umsetzung dieser Modelle für die Umgestaltung der Städte dienen einem der Hautziele des europäischen Grünen Deals ebnen: ein klimaneutrales Europa bis 2050.