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Johansson: "Flüchtlinge sind Menschen"

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EU-Innenkommissarin Ylva Johansson im Euronews-Interview
EU-Innenkommissarin Ylva Johansson im Euronews-Interview   -   Copyright  Euronews
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Nach dem Feuer im Flüchtlingslager Moria sind Tausende Flüchtlinge in einem neuen Lager auf der griechischen Insel Lesbos untergebracht worden.

Wegen dieses Unglücks will die EU ihren neuen Migrationspakt nun schon diese Woche statt Ende des Monats vorlegen.

Euronews sprach darüber mit EU-Innenkommissarin Ylva Johansson.

Johansson: "Ich denke, es ist jedem klar, dass die Flüchtlinge jeden Tag einen hohen Preis dafür bezahlen, dass wir keine gemeinsame europäische Politik haben.

Auch ist das Vertrauen der Mitgliedsstaaten ohne eine gemeinsame Politik untereinander getrübt .

Ich hoffe, dass mein Vorschlag dem Abhilfe schafft."

Euronews: "Wie sieht es mit dem Konsens über eine gemeinsame europäische Politik aus - vor allem mit Ländern wie Polen und Ungarn, die sich jedem Migrationspakt widersetzen?"

Johansson: "Jeder weiß, dass das schwer ist. Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass ich für meinen Vorschlag Ovationen einheimse. Aber ich glaube, dass wir Akzeptanz und Respekt finden, denn wir wollen eine ausgeglichene Politik zwischen Solidarität mit Flüchtlingen und Asylsuchenden und den Interessen der Mitgliedstaaten. Klar ist aber auch: wer kein Recht auf Asyl hat, muss wieder zurück."

Euronews: "Heißt das, dass jeder Mitgliedsstaat eine bestimmte Quote von Asylsuchenden übernehmen soll?"

Johansson: "Es ist offensichtlich für jeden, dass eine Ad-hoc-Solidarität nicht ausreicht. Wir brauchen ein eigenes System, dass auch auf den Druck auf die Mitgliedsstaaten Rücksicht nimmt."

Euronews: "Ist der neue Migrationspakt eine Garantie, dass sich Lager wie Moria nicht wiederholen?"

Johansson: "Ja, keine neuen Morias! Ich denke, es ist klar, dass Moria das Ergebnis eines Fehlens einer gemeinsamen europäischen Asyl- und Flüchtlingspolitik war."

Euronews: "Bei der Debatte im Europäischen Parlament vorige Woche wurde oft abfällig über Flüchtlinge gesprochen. Wie wollen Sie mit einer solchen Einstellung umgehen?"

Johansson: "Zunächst einmal glaube ich, wir haben diesen extremen rechten Stimmen in der Diskussion über Migration und Asyl zu viel Raum gegeben. Wir sollten uns darauf konzentrieren, wie wir Migration auf anständige Weise managen. Das ist es, was die Bürger von uns wollen. Migranten sind wie Sie und ich. Männer und Frauen, Jungen und Mädchen. Sie haben unterschiedliche Meinungen und Erfahrungen. Sie sind Menschen und müssen entsprechend behandelt werden."

Das Gespräch führte Shona Murray.