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Polizei machtlos gegen Familien-Clans in Schweden? "Wie im Film DER PATE"

Trauer nach Tod einer 12-Jährigen im August
Trauer nach Tod einer 12-Jährigen im August   -   Copyright  STINA STJERNKVIST/AFP
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Im August machte der Tod einer 12-Jährigen Schlagzeilen: das Mädchen war im Süden von Stockholm in der Nähe einer Tankstelle in eine Schießerei geraten. Die Jugendliche wurde schwer verletzt und starb im Krankenhaus. Hintergrund der Schüsse in Botkyrka war - laut Ermittlern - ein Streit zwischen verfeindeten Clans.

Neben der Tankstelle gibt es ein Fast-Food-Restaurant, das bei den Jugendlichen von Botkyrka beliebt ist.

NAINA HELEN JAMA/AFP
Ermittler nach dem Tod der 12-Jährigen im Süden von StockholmNAINA HELEN JAMA/AFP

Dass die Polizei gegen etwa 40 Familienclans kaum etwas ausrichten kann, ist für die Beamten extrem frustrierend. "Wir arbeiten intensiv, rund um die Uhr, und trotzdem geht die Gewalt weiter. Wir geben nicht auf, aber die Situation ist im Moment sehr stressig", sagte Schwedens Polizeichef Anders Thornberg.

In den ersten sechs Monaten des Jahres 2020 sind laut Polizeiangaben in dem Land mit 10,8 Millionen Einwohnern 20 Menschen getötet worden - bei 163 Schusswechseln, die kriminellen Clans zugerechnet werden. 2019 kamen bei 334 Schusswechseln 42 Menschen ums Leben.

Insgesamt ist Schweden nach wie vor ein Land mit einem niedrigen Gewaltniveau. Die Mordrate lag 2018 laut Eurostat bei 1,07 pro 100.000 Einwohner im Vergleich zum europäischen Durchschnitt von 2,39 und laut FBI bei 5,0 in den USA.

"Haben Sie den Film 'Der Pate' gesehen? Dann wissen Sie, wie es ist"

Schießereien, Bomben- und Granatenangriffe gehören aber mittelerweile in vielen Städten und Gemeinden im ganzen Land zum Alltag. Die Medien berichten über Drogenkriege, Erpressung und Zeugen, die Angst haben auszusagen.

"Haben Sie den Film 'Der Pate' gesehen? Dann wissen Sie, wie es ist", sagt die Journalistin Johanna Bäckström Lerneby, die ein Buch über eine der berüchtigtsten schwedischen Verbrecherfamilien geschrieben hat, gegenüber AFP.

Orte der Gewalt sind oft sind benachteiligte Vorstädte, viele haben einen hohen Anteil an Einwohnern mit Migrationshintergrund. Schweden hat Schwierigkeiten, alle Einwanderer zu integrieren, da es Tausenden von ihnen nicht gelingt, die Sprache gut genug zu lernen, um auf dem hochqualifizierten Arbeitsmarkt einen Job zu finden.

"Diejenigen, die in diesen gefährdeten Gebieten leben, sind oft relativ arme Menschen, die keine Wahl haben, selbst wenn sie wegziehen wollten", meint Bäckström Lerneby.

Screenshot Verlag
Familjen von Johanna Bäckström LernebyScreenshot Verlag

Bandenmitglieder, die mit der Familie verbunden sind, über die Bäckström Lerneby recherchiert hat, hatten während einer Fehde mit einem rivalisierenden Clan im August behelfsmäßige Straßensperren errichtetet, Autos angehalten und Ausweise verlangt.

Ein junger Mann, sagte im Fernsehsender SVT - ohne seinen vollen Namen zu nennen -, er sei an den Autokontrollen beteiligt gewesen. Diese seien eingerichtet worden, um "die Anwohner und Kinder in der Gegend zu schützen".

Clans vereinbaren in einem Hotel Ende der Gewalt

Ende August kam die Gewalt zum Stillstand - aber nicht, weil die Polizei Verdächtige festnahm. Mitglieder mehrerer Clans hatten sich in einem Hotel in Göteborg getroffen und darauf geeinigt, die Feindseligkeiten zu beenden.

Schwedens Ministerpräsident Stefan Löfven bezeichnete die kriminellen Banden Anfang September als ein "Gift in unserer Gesellschaft, das wir loswerden müssen".

Offenbar haben Polizei und Behörden aber ein Problem, ein "Gegengift" zu finden.