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Festung Altenheim: Kein Besuch seit März

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Bewohner der Pflegeheims "Villa Vittorio"
Bewohner der Pflegeheims "Villa Vittorio"   -   Copyright  Euronews Screenshot
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Während der Coronakrise blieben Pflegeheime in Zentralitalien weitgehend verschont. Anders als in der Lombardei, in der Altersheime eine besonders hohe Todesrate zu beklagen hatten.

Zu verdanken sei das strikten Hygieneregeln, die bis heute gelten, sagt der Direktor der Pflegeeinrichtung "Villa Vittorio" nahe Rom.

Bei jedem, der das Heim betritt, werden Temperatur und Herzfrequenz gemessen. Handschuhe und Schutzkleidung sind Pflicht. Das Personal benutzt einen separaten Eingang.

Pietro Marco Di Palo: "Wenn die Messdaten nicht im normalen Bereich liegen, dürfen die Mitarbeiter ihre Schicht nicht antreten und müssen nach Hause gehen".

Die Heimleitung mauert

Die Pflegeeinrichtung betreut 25 Personen. Keine von ihnen wurde je positiv auf das Coronavirus getestet. Dafür gleicht das Heim einer Festung, berichtet Euronews-Reporterin Giorgia Orlandi.

"Obwohl die regionalen Behörden kürzlich grünes Licht für die Wiedereröffnung von Pflegeheimen gegeben haben, mauert der Leiter dieser Einrichtung und macht Sicherheitsbedenken geltend.

Pietro Marco Di Palo: "Wir haben beschlossen, die Besuche auszusetzen, nachdem die Zahl der Infektionen bei Menschen, die aus Sardinien zurückkehrten, anstieg.

Wir haben diese Entscheidung getroffen, da wir nicht wussten, ob diese Fälle mit unseren Gästen in Verbindung gebracht werden können. Und bisher hat es sich ausgezahlt, denn in einigen anderen Pflegeheimen in der Nähe kam es zu Infektionen aufgrund der Rückkehrer aus Sardinien.".

Fotos und Videos von der Mama

Die meisten Menschen in diesem Heim sind seit März nicht mehr draußen spazieren gegangen oder haben ihre Verwandten gesehen. Dafür gibt es das Besuchsfenster, das kurze Gespräche mit Angehörigen erlaubt.

Auch moderne Technologie kommt als Kontaktmittel zum Einsatz. "Sie haben sich wirklich Mühe gegeben und nach Alternativen gesucht, um den Kontakt aufrechtzuerhalten", sagt die Tochter einer Seniorin. "Die Krankenschwestern haben mir Fotos und Videos von meiner Mutter auf Whatsapp geschickt. Das hat es mir ermöglicht, ihr nahe zu sein."

"Das ist wie ein neuer Krieg"

Wie gehen die Heiminsassen mit der Kontaktsperre um - nach so langer Zeit? "Ich bin traurig, aber wir müssen uns damit abfinden", sagt Gino Meloni, ein Bewohner des Heims. "Ich habe schon so viel in meinem Leben durchgemacht, ich war im Krieg und in Gefangenschaft. Das ist wie ein neuer Krieg."

Luigi Marconi, ein anderer hochbetagter Heim Bewohner fügt hinzu: "Ich bin ziemlich deprimiert, aber rufe meine Familie oft an. Ich denke, Mobiltelefone sind eine großartige Erfindung, weil man damit auch Videoanrufe machen kann."

Das Heim hofft, die Besuche so bald wie möglich wieder aufnehmen zu können. Die Abriegelung sei eine notwendige Maßnahme für das Wohlergehen der hier lebenden älteren Menschen.