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Chemie-Nobelpreis für Genforscherinnen Charpentier und Doudna

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Charpentier und Doudna (2015)
Charpentier und Doudna (2015)   -   Copyright  MIGUEL RIOPA/AFP or licensors
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Der Chemie-Nobelpreis geht in diesem Jahr an die Entwicklerinnen der Genschere Crispr-Cas9, die Französin Emmanuelle Charpentier und die US-Amerikanerin Jennifer Doudna. Das gab die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm bekannt. Es ist demnach der erste wissenschaftliche Nobelpreis, den sich ausschließlich Frauen teilen. In Chemie gab es zuvor überhaupt erst fünf Preisträgerinnen. Barbara McClintock hatte den Medizinpreis 1983 alleine bekommen.

Charpentier und Doudna haben die Genschere Crispr/Cas9 maßgeblich entwickelt. Crispr/Cas9 habe die molekularen Lebenswissenschaften revolutioniert, neue Möglichkeiten für die Pflanzenzüchtung gebracht, trage zu innovativen Krebstherapien bei und könne den Traum von der Heilung vererbter Krankheiten wahr werden lassen, hieß es in der Begründung. Mit ihr könnten Forscher die DNA von Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen mit höchster Präzision verändern.

Allerdings betont das Komitee in seiner Begründung auch den möglichen Missbrauch des Werkzeugs. "Wie jede mächtige Technologie muss auch diese Genschere reguliert werden." Für weltweite Empörung sorgte im November 2018 das Video eines chinesischen Forschers, der die Geburt zweier Zwillingsmädchen bekanntgab, deren Erbgut er mit Crispr/Cas9 manipuliert hatte.

Charpentier forscht in Berlin. Sie ist derzeit Leiterin der Forschungsstelle für die Wissenschaft der Pathogene der Max-Planck-Gesellschaft. Zuvor war sie Abteilungsleiterin am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie.

Nobelpreis 2020 mit 1 Million Kronen mehr dotiert

Dotiert sind die Nobelpreise in diesem Jahr pro Kategorie mit zehn Millionen schwedischen Kronen, was umgerechnet rund 950.000 Euro entspricht. Im Vorjahr war es noch eine Million Kronen weniger gewesen. Damals hatten drei Batterieforscher den Chemie-Nobelpreis bekommen, nämlich der in Jena geborene US-Amerikaner John Goodenough, der in Großbritannien geborene Stanley Whittingham und der Japaner Akira Yoshino. Der damals 97-jährige Goodenough war bis heute der älteste Empfänger eines Nobelpreises überhaupt.

Zum Start der Woche der Nobelpreis-Bekanntgaben war am Montag den US-Amerikanern Harvey J. Alter und Charles M. Rice sowie dem Briten Michael Houghton der Preis in der Kategorie Medizin zugesprochen worden. Sie erhalten ihn für die Entdeckung des Hepatitis-C-Virus. Am Dienstag hatte die Akademie der Wissenschaften verkündet, dass der Preis in Physik zur einen Hälfte an den Briten Roger Penrose sowie zur anderen Hälfte an den deutschen Astrophysiker Reinhard Genzel und Andrea Ghez aus den USA geht. Sie werden damit für ihre Forschungen zu Schwarzen Löchern ausgezeichnet.

Nach Medizin, Physik und Chemie folgen am Donnerstag und Freitag die Bekanntgaben in den Kategorien Literatur und Frieden. Zum Abschluss werden am Montag die Nobelpreisträger für Wirtschaft verkündet. Verliehen werden die Preise am 10. Dezember, dem Todestag von Preisstifter und Dynamit-Erfinder Alfred Nobel. All das findet dann aufgrund der Coronavirus-Pandemie in deutlich kleinerem Rahmen statt.