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Erdogan gegen Macron - Streit zwischen Ankara und Paris eskaliert

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Erdogan gegen Macron - Streit zwischen Ankara und Paris eskaliert
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Die Straße ist wütend.

In der Türkei und in der arabischen Welt haben Demonstranten den französischen Präsidenten aufgefordert, seine - wie sie es sehen - Angriffe auf den Islam einzustellen.

Dazu boykottieren sie französische Produkte. Entsprechende Aufrufe waren auf sozialen Netzwerken entbrannt.

All dies in einem Krieg der Worte zwischen Macron und dem türkischen Staatschef Erdogan.

Er sage seiner Nation dasselbe, was in Frankreich über türkische Waren sage, so Erdogan.

Er rufe daher die Bürger auf, keine französichen Produkte zu kaufen.

Ausgelöst hatte die heftige Kritik an Macron dessen Ansprache bei der Trauerfeier für den ermordeten Lehrer Paty vorige Woche.

Paty wurde brutal getötet, nachdem er im Unterricht anhand von Mohammed-Karikaturen über die Redefreiheit gesprochen hatte.

Macron sagte, Frankreich werde seine Haltung zu den Karikaturen nicht aufgeben.

Das veranlasste Erdogan zu der Bermerkung, Macron müsse seinen Geisteszustand testen lassen.

Daraufhin rief Paris seinen Botschafter in Ankara zurück, und auch Brüssel reagierte scharf.

EU-Außenbeauftragter Josep Borrell bezeichnete Erdogan Einlassung als inakzeptabel und verlangte, die Türkei müsse die Spirale der Konfrontation stoppen.

Die EU wolle vielmehr Kooperation und Dialog mit ihren Partnern, sagte ein Kommissionsprecher.

Andererseits würden die gegenseitigen verbalen Angriffe die Mißverständnisse nur vertiefen.

Das war auch die Meinung der deutschen Ratspräsidentschaft.

Wie soll es also weitergehen?

Die Türkei solle angesichts der wirtschaftlichen Situation mit ihren Boykottaufrufen sehr vorsichtig umgehen, meinte die Analystin Amanda Paul vom European Policy Centre.

Für Erdogan sei dies ein wichtiges Thema, denn es diene seiner innenpolitischen Popularität, jetzt seine Stimme zu erheben.

Die Beziehungen zwischen der Türkei und der EU sind bereits sehr angespannt.

Die jüngste Konfrontation dürfte die Sorgen vor einer weiteren Eskalation nur erhöhen.