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Armenier verlassen Bergkarabach: "Das ist Barbarei"

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Ein armenischer Dorfbewohner in Bergkarabach belädt sein Auto
Ein armenischer Dorfbewohner in Bergkarabach belädt sein Auto   -   Copyright  Sergei Grits/AP
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Die letzten Stunden in der Heimat. Armenische Bewohner eines Dorfes nahe Aghdam in der Konfliktregion Bergkarabach verladen allles, was nicht niet- und nagelfest ist.

Eile ist geboten, denn für sie läuft ein Ultimatum ab. Gemäß des mit Russland vereinbarten Abkommens müssen die Distrikte Aghdam, Kalbajar und Latschin bis zum 1. Dezember an Aserbaidschan übergeben werden. Und auf die neuen Bewohner will hier keiner warten.

Dorfbewohner Ovik Vanyan sagte verbittert: "Wenn Bergkarabach nicht mehr existiert, haben wir kein Haus und kein Vaterland mehr. Wir sind jetzt Flüchtlinge."

Seit dem Ende eines Separatistenkrieges im Jahr 1994 hatten ethnisch armenische Streitkräfte Bergkarabach und umfangreiche angrenzende Gebiete kontrolliert. Sowohl Armenien als auch Aserbaidschan beschuldigten sich jahrzehntelang und unerbittlich gegenseitig, den jeweils anderen ausrotten und das angestammte Land des Nachbarn besetzen zu wollen.

´"Das ist Barbarei"

In Fizouli , einer Geisterstadt, die von Aserbaidschan nach 27 Jahren armenischer Besetzung zurückerobert wurde, machten sich aserbaidschanische Offizielle ein Bild vom Ausmaß der Zerstörung - in Begleitung ausländischer Medienvertreter.

Hikmat Hajiyev ist außenpolitischer Berater des aserbaidschanischen Präsidenten. Er griff angesichts der Schäden zu drastischen Worten: "Das ist Barbarei. Es ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Dies zeigt in der Tat die armenische Grausamkeit und die wahre Natur des politischen Systems in Armenien. Und das wird über die internationalen Medien in der ganzen Welt verbreitet."

Rückendeckung von Putin

Der armenische Regierungschef Nikol Paschinjan hat einen Wiederaufbau der Konfliktregion und die Rückkehr der Flüchtlinge angekündigt und damit indirekt seinen von der Opposition geforderten Rücktritt erneut zurückgewiesen.

Zuvor hatte der russische Präsident Wladimir Putin ihm den Rücken gestärkt. Ein Machtwechsel in Armenien und eine eventuelle Abkehr vom Abkommen käme einem Selbstmord gleich, sagte Putin.