Eilmeldung
Dieser Inhalt ist in Ihrer Region nicht verfügbar

Bosnien: Mostar wählt - um den Preis der ethnischen Teilung

euronews_icons_loading
Bosnien: Mostar wählt - um den Preis der ethnischen Teilung
Copyright  Kemal Softic/Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved.
Schriftgrösse Aa Aa

Bosniens ethnisch gespaltene südliche Stadt Mostar – die Stadt mit der Brücke („Stari Most“) - wählt an diesem Sonntag einen Gemeinderat - die erste Kommunalwahl seit 12 Jahren. Gewählt werden 35 Mitglieder des städtischen Gemeinderates. Um die Posten bewerben sich 370 Kandidaten, die von 31 Parteien und Bündnissen nominiert wurden.

Möglich wurde das durch eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte der Politikerin Irma Baralija von der liberalen Bürgerpartei Naša stranka.

Und durch ein – umstrittenes – Abkommen zwischen nationalistischen Parteiführern, das die Teilung der Stadt in einen westlich-kroatischen und einen östlich-muslimischen Teil quasi zementiert. Ethnisch-nationalistische Parteien dominieren die bosnische Politik seit dem Ende des Bürgerkriegs. Die drei wichtigsten Fraktionen: Serben, Kroaten und Muslime.

Ramiz Coric aus Mostar:

“Wir hoffen auf ein besseres, schöneres Leben. Wir wollen eine Stadt, die nicht geteilt ist. Wir wollen die Stadt als vereintes Ganzes, ein vereintes Volk, wie früher (vor dem Krieg).”

Rasid Dedovic aus Mostar:

“Nun, nach 12 Jahren können wir nur auf das Beste hoffen. Wir hoffen.”

KROATEN IN WEST-MOSTAR, MUSLIME IN OST-MOSTAR

Nachdem Mostar im Bosnienkrieg 1993 zerstört worden war, schrieb das Friedensabkommen von Dayton vor genau 25 Jahren die “rechtliche und funktionale Einheit von Mostar” vor.

Der Fluss Neretva halbiert die Stadt. Während des Krieges der 1990er Jahre zogen die Kroaten nach Westen und die Muslime nach Osten.

Die Kroaten stellen rund 48 Prozent der Stadtbevölkerung, auf - muslimische - Bosniaken entfallen rund 44 Prozent, die Serben sind mit 4,2 Prozent vertreten. Die Stadt hat 113.000 Einwohner (2015) - etwa 21.000 weniger als vor dem Krieg.

"WAHL-ABKOMMEN"

Im Juni hatten sich die Parteiführer der extrem nationalistischen HDZ und der nationalistischen SDA, Dragan Čović und Bakir Izetbegović, unter dem Druck des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in einem Abkommen auf Wahl-Regeln für die Stadt geeinigt – unterstützt von der EU, Großbritannien und den USA – das die Stadt de facto in drei kroatische und drei bosniakische Bezirke aufteilt. Alle anderen Parteien waren von dem Abkommen ausgeschlossen.

su mit AP, Anadolu