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Balkanländer sauer auf EU - bei Impfungen allein gelassen

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Von Stefan Grobe  & Ernest Bunguri
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Albaniens Ministerpräsident Edi Rama bei seiner Impfung in Tirana am 11. Januar.
Albaniens Ministerpräsident Edi Rama bei seiner Impfung in Tirana am 11. Januar.   -   Copyright  GENT SHKULLAKU/AFP or licensors
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Auch in Albanien habe in dieser Woche die ersten Impfungen begonnen. Zunächst wurde medizinisches Personal geimpft - und zwar mit Hunderten Dosen, die ein anonymes EU-Land gespendet hatte. Nach Serbien ist Albanien damit das zweite Balkan-Land, das diesen Prozess begann.

Und das in einer Nachbarregion der EU, die darum kämpft, das Nötige zu bekommen, um ihre 20 Millionen Einwohner zu schützen.

Die EU habe diesen Prozess so entwickelt, dass an Drittstaaten nicht gedacht werde, klagt Albaniens Ministerpräsident Edi Rama. Es bleibe den EU-Mitgliedsstaaten überlassen, Nicht-EU-Staaten bei den Impfungen zu helfen.

Wie viele Nicht-EU-Staaten haben auch die Balkan-Länder in den globalen Impf-Verbund COVAX investiert. Doch niemand weiß, wann COVAX mit Impfungen beginnt.

Trotz der ersten von einem EU-Staat gespendeten Impfdosen und trotz der übrigen finanziellen und medizinischen Hilfe der EU während der Pandemie fühlen sich die sechs Balkan-Staaten im Kampf gegen Covid allein gelassen. Ministerpräsident Rama ist deutlich.

COVAX werde eines Tages funktionieren, man wisse aber noch nicht wann. Alle Länder praktizierten derzeit das Prinzip: Jeder für sich, Gott für uns alle. So sei leider auch die EU verfahren. Dies sei nicht nur moralisch und politisch inakzeptabel, sondern habe auch keine logische Rechtfertigung.

Für den rumänischen EU-Abgeordneten Vlad Gheorghe leistet die EU in Sachen Impfungen eine gute Arbeit - für die eigenen Mitgliedsländer. Doch müsse auch den ärmeren Nachbarn mehr geholfen werden.

Er sei sicher, es ließen sich bessere Lösungen finden. Man sollte darüber nachdenken, das Handlungsgebiet der EU auszudehnen, so Gheorghe. Wie sich die EU jetzt gegenüber Albanien oder Serbien verhalte, werde über zehn oder sogar 20 Jahre hinaus das beiderseitige Verhältnis bestimmen.

Albanien will einen kleinen Teil seiner gespendeten Impfdosen nächste Woche dem Kosovo zur Verfügung stellen. Danach erwartet das Land seine eigenen 500.000 Dosen von Pfizer-BioNTech.

Auf COVAX wird weiter gewartet.