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Indien: Dutzende fordern Freilassung von Klimaaktivistin Disha Ravi (22)

Von Euronews mit AP
Proteste in Bengaluru gegen die Verhaftung von Klimaaktivistin Disha Ravi, 15.02.2021
Proteste in Bengaluru gegen die Verhaftung von Klimaaktivistin Disha Ravi, 15.02.2021   -   Copyright  Aijaz Rahi/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved.
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In Bengaluru und Mumbai haben die Menschen gegen die Verhaftung von Disha Ravi protestiert. Die 22-jährige Klimaaktivistin war am vergangenen Samstag verhaftet worden, nachdem sie in sozialen Netzwerken ein Dokument zur Unterstützung protestierender Landwirte verbreitet hatte.

Das Dokument, das nicht unterzeichnet und öffentlich auf einer verschlüsselten Sharing-Site verfügbar ist, listet Optionen auf, wie Unterstützer die laufenden Proteste in Indien unterstützen können. Es ruft Menschen dazu auf, sich an Regierungsvertreter zu wenden, Solidaritäts-Hashtags in sozialen Medien zu teilen, an Kundgebungen teilzunehmen und Petitionen zu unterschreiben. Das Dokument hatte auch die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg erreicht, die einen Link zu der Seite auf Twitter geteilt hatte.

Polizei wittert "Verschwörung" hinter Gewalteskalation

Die Polizei in Delhi erklärte am Montag, dass das Schreiben Fehlinformationen über die seit Monaten andauernden Proteste der Bauern enthalte und das "Image Indiens" trübe. Am 26. Januar war es zu gewaltsamen Zusammenstößen bei den bis dahin friedlichen Protesten in der indischen Hauptstadt gekommen. Die Situation zwischen den Sicherheitskräften und Demonstrierenden war eskaliert. Dabei wurde ein Demonstrant getötet und Hunderte weitere Menschen verletzt, darunter auch Polizisten. Die Polizisten vermuten dahinter eine "Verschwörung". Das Dokument sei ein Aufruf, "einen wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und regionalen Krieg gegen Indien zu führen."

In Bengaluru forderten Demonstrant:innen, darunter der prominente Historiker Ramachandra Guha, die sofortige Freilassung der Aktivistin. Auch in Mumbai kam es zu Protesten gegen die Verhaftung von Ravi. Indiens Oppositionsparteien bezeichneten ihre Verhaftung als Schikane, Einschüchterung und einen Angriff auf die Demokratie. Ravis Verhaftung sei "ein beispielloser Angriff auf die Demokratie", twitterte Arvind Kejriwal, der Oberste Minister von Delhi. "Unsere Bauern zu unterstützen ist kein Verbrechen."

Tausende haben eine Online-Petition unterschrieben, die ihre Freilassung fordert.

Auch außerhalb Indiens kritisieren Menschen die Inhaftierung der jungen Frau. Die Nichte der US-Vizepräsidentin Kamala Harris, Meena Harris, warf der indischen Regierung vor, Aktivisten zum Schweigen bringen zu wollen.

Die Polizei erklärte zudem, das Dokument enthalte Links zu Webseiten, die "pro-Khalistani" seien. Diese Bewegung setzte sich in den späten 1980er und frühen 1990er Jahren für ein unabhängiges Land der Sikh ein, das Khalistan heißen sollte. Die indische Regierung hatte zunächst versucht, die Proteste der Bauern, von denen viele Sikhs sind, als "religiös nationalistisch" in Verruf zu bringen.

Proteste gegen Agrargesetz seit Anfang November

Seit November kampieren Tausende Bauern außerhalb der Hauptstadt Neu-Delhi. Sie blockierten Straßen und fordern, dass die geplante Agrarreform zurückgenommen wird. Sie befürchten einen Preisverfall ihrer Waren, sollte das Gesetz in Kraft treten. Die indische Regierung unter Regierungschef Narendra Modi hingegen hält die Reformen für notwendig, um Indiens Landwirtschaft zu modernisieren. Kritiker haben der Regierung vorgeworfen, die massiven Demonstrationen zu nutzen, um die Meinungsfreiheit zu unterdrücken.

Erst Anfang Februar hatten die Proteste in Neu-Delhi internationale Aufmerksamkeit bekommen, als US-Popdiva Rihanna, Klimaaktivistin Greta Thunberg und Meena Harris den Bauern ihre Unterstützung aussprachen. Indiens Außenministerium verurteilte die Tweets als "Interessengruppen, die versuchen, ihre Agenda durchzusetzen."