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Prominente Unterstützung aus dem Netz: Indien verbittet sich Kritik an Bauernprotesten

Von Euronews mit dpa
Prominente Unterstützung aus dem Netz: Indien verbittet sich Kritik an Bauernprotesten
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Seit Monaten dauern die Proteste von Landwirten in Indien gegen eine Agrarreform an. Nun bekommen sie prominente Unterstützung aus dem Internet. Die US-Sängerin Rihanna verlinkte auf Twitter einen CNN-Bericht zu den Protesten und schrieb dazu "Warum reden wir nicht darüber?". Wenig später signalisierte auch Schwedens Klimaaktivistin Greta Thunberg Solidarität mit den indischen Bauern.

Die Nichte von US-Vizepräsidentin Kamala Harris, Meena Harris, meldete sich ebenso zu Wort und kritisierte die Polizeigewalt bei den Protesten und die Abschaltung des Internets.

Nun hat sich das indische Außenministerium in die Angelegenheit eingeschaltet. Von dort hieß es: "Bevor in solchen Angelegenheiten schnell kommentiert wird, ermahnen wir, dass Fakten ermittelt und ein angemessenes Verständnis der vorliegenden Sachverhalte vorgenommen wird". Nur wenige Bauern teilten Bedenken gegen die Reform, hieß es in einer Mitteilung.

Proteste gegen Agrarreform seit November

Doch die Bilder von den Protestierenden zeichnen ein anderes Bild. Seit November harren Zehntausende Bauern rund um die indische Hauptstadt Neu-Delhi und fordern eine Aufhebung der neuen Marktliberalisierungsgesetze. Bislang konnten die Bauern auf staatlich organisierten Großmärkten ihr Getreide zu garantierten Mindestpreisen verkaufen. Mit Inkrafttreten der Neuregelung können die Landwirte ihr Getreide direkt an Privatfirmen verkaufen. Aus Sicht der Regierung können die Landwirte auf dem freien Markt so höhere Gewinne erzielen. Diese befürchten jedoch das Gegenteil, nämlich einen extremen Preisverfall. Sie sehen sich in Verhandlungen mit Firmen in einer deutlich schlechteren Position.

Ausschreitungen und Gewalt

Zuletzt hatten sich die Proteste in Neu-Delhi zugespitzt, die Situation eskalierte in Gewalt. Mindestens ein Demonstrant starb, Dutzende Sicherheitsbeamte wurden verletzt.

Bei den jüngsten Protesten hatten Sicherheitsbeamte die Lager der Bauern abgeriegelt, Barrikaden errichtet und Straßen ausgehoben, um sie am Vorankommen zu hindern. Die Bauern berichten, dass auch die Wasser-, Strom- und Internetversorgung unterbrochen wurden. Die Unterbrechung der Internetverbindung diente der "öffentlichen Sicherheit", wie es von der Regierung hieß. Gespräche zwischen Vertretungen der Landwirtschaft und der Regierung waren bislang gescheitert.

In Indien leben rund 60 Prozent der 1,3 Milliarden Menschen von der Landwirtschaft. Sie trägt rund 15 Prozent zur Gesamtwirtschaftsleistung des Landes bei.