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Abschied von Schwedens Sonderweg am 11. März? Tegnell wird angefeindet

Spzierengehen in der Wintersonne von Malmö in Schweden
Spzierengehen in der Wintersonne von Malmö in Schweden   -   Copyright  Johan Nilsson/AP
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Schwedens Sozial- und Gesundheitsministerin Lena Hallengren hat auf einer Pressekonferenz in Stockholm die Menschen auf einen möglichen baldigen Lockdown vorbereitet. Schon zuvor hatte Ministerpräsident Stefan Löfven vor einer dritten Welle der Corona-Pandemie gewarnt. Jetzt hat die Regierung die notwendigen gesetzlichen Schritte eingeleitet, um über das Pandemiegesetz verbindliche Einschränkungen in Kraft setzen zu können.

Seit Januar werden Masken in öffentlichen Verkehrsmitteln - besonders wenn diese stark besetzt sind - empfohlen. Eine Maskenpflicht gibt es in Schweden nicht, die Gesundheitsbehörden beklagen, dass die Empfehlung, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, in allen 21 Regionen kaum beachtet werde.

Bisher ist der Beginn des Lockdown noch nicht beschlossen. Es ist nicht sicher, ob er überhaupt in Kraft tritt. Doch ab dem 11. März könnte das öffentliche Leben heruntergefahren werden.

In den Februar-Sportferien 2021 ist anders als anderswo in Europa das Skifahren in Schweden kaum eingeschränkt.

Was geschlossen werden könnte

Geschlossen werden könnten ab dem 11. März - laut THE LOCAL SWEDEN:

- Geschäfte, Einkaufszentren und Kaufhäuser - abgesehen von Supermärkten und Apotheken

- Dienstleistungen, bei denen es schwierig ist, Abstand zu halten - wie Friseure und Massagesalons

- Fitnessstudios, Schwimmbäder und andere Sporteinrichtungen

- Restaurants - nur noch Essen zum Mitnehmen

Städte und Gemeinden bekommen das Recht, den Zugang zu bestimmten Plätzen im Freien einzuschränken, um Menschenansammlungen zu vermeiden. Das sei in den wärmeren Monaten an Badeseen und ähnlichen Orten wichtig, unterstrich Ministerin Hallenberg.

Wer die Coronaregeln nicht einhält, muss mit einer Geldstrafe von 2.000 Kronen (etwa 200 Euro) rechnen.

Die Gemeinden können den Zutritt zu öffentlichen Plätzen begrenzen, an denen die Gefahr von Menschenansammlungen besteht, einschließlich Plätzen im Freien.

Henrik Montgomery/AP
Gesundheits- und Sozialministerin Lena HallengrenHenrik Montgomery/AP

Anders Tegnell unter Polizeischutz

Auf den Pressekonferenzen zur Corona-Pandemie ist - anders als während der ersten Welle des Coronavirus im Frühjahr - Staatsepidemiologe Anders Tegnell schon länger nicht mehr zu sehen. Tegnell und andere Spitzenvertreter der staatlichen Behörde für Volksgesundheit (FHM) werden laut Medienberichten derart angefeindet, dass sie unter Polizeischutz gestellt wurden. Der Generaldirektor der Gesundheitsbehörde, Johan Carlson, geht davon aus, dass die Attacken von Gruppen organisiert werden.

Der in den Hintergrund getretene Anders Tegnell stand im vergangenen Jahr als Person für den anderen Kurs Schwedens - ohne Lockdown und verbindliche Regeln. Noch Ende Oktober 2020 ging der Epidemiologe davon aus, dass es im Königreich keine zweite Welle geben werde.

Mitte Februar wurden in Schweden - einem Land mit 10,23 Mio. Bewohner:innen - täglich etwa 4.000 Neuinfektionen registriert. Die 14-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner:innen lag laut ECDC bei fast 400. Bis zum 19. Februar 2021 waren 12.649 Menschen in Schweden an oder mit Covid-19 gestorben.